Allgemein, Fantasie, Geschichte, Satire, Spaß, Träume

Josefa & The Bay City Rollers


Ich murmele meinen Namen, mein Alter und meinen Wohnort. Da ich die einzige Zeugin in der Sache bin, zweifle ich meine Aussage an. Skepsis ist mein Steckenpferd, besonders in den Morgenstunden und die enden in meiner Welt frühestens um 10 Uhr.

Ich will sicher sein, dass ich die bin, für die ich mich heute Morgen halte und dass heute der Tag ist, von dem ich meine, dass er es ist. Also befrage ich meinen Mann. Ich könnte auch die Hündin fragen. Doch die guckt nur niedlich, worauf ich ihr den Napf mit Futter befülle; und damit abrupt ihre Aufmerksamkeit verliere: an einen Napf! Ein Omen?

Der Gatte rollt mit den Augen und lässt auf mein Bitten hin meinen Vornamen seinen Lippen entgleiten. Er tut dies nicht einfach so. Er betont jede Silbe, macht eine kurze Pause und setzt achtsam zur nächsten an. Es sind drei. Nimmt man meinen zweiten Vornamen hinzu, kommt man auf sechs. Sechs Silben.

Als er bei der letzten Silbe angekommen ist, hält er erneut inne, atmet tief ein und lässt meinen vollständigen Namen langsam und gedehnt dem Strom seines Ausatmens entfahren. Wie eine leise, sehr sanfte, vornehme Flatulenz, die sich dem eleganten Entweichen ganz und gar hingibt.

Ich sehe ihn fragend an, er versteht und deutet mit dem Zeigefinger ungeduldig tippend auf das Titelblatt der lokalen Landgazette. Datum und Tag stimmen mit meiner Annahme überein. Erleichterung entfaltet sich in mir wie ein Schmetterling, der just dem adipösen Raupendasein entschlüpft ist.

Und gleich darunter lese ich in großen, druckfrischen Lettern: Landfrauen erbitten Spenden.

Mit den Spendengeldern wollen die Damen eine Gedenktafel in Form eines sehr großen Huhns, gegossen aus Bronze, aufgestellt auf dem zentral gelegenen, einzigen Verkehrskreisel im Umkreis von zwanzig Kilometern, errichten. Zwei hiesige Künstler: innen haben sich bereits begeistert aus dem Ruhestand zurückgemeldet, um dem Projekt ihren Odem einzuhauchen.

Die amerikanische Autorin, hat durch ihr Ableben die Damen, Bäckerinnen wundervollster Buttercremetorten und Herrscherinnen über Ställe massenhafter Hühner- und Schweinehaltung und Glyphosat- und jauchegetränkter Felder, abgeholzter Wälder und monokultureller Ländereien in ein Tal der Tränen und Verzweiflung geschubst.

Sie hat uns mit ihren Romanen so viel gegeben, so viel Einsicht und Mitgefühl, sie hat unseren Blick weit gemacht für das, worauf es wirklich ankommt, wird eine der Landfrauen, eine gewisse Josefa M. aus S. zitiert.
Zum Glück heißt es weiter, habe die Schriftstellerin den letzten Band noch vor ihrem Ableben fertigstellen können. Ich weiß nicht, wie es sonst hätte weitergehen sollen. Zitatende.

Na gut, denke ich, im Zweifel gar nicht! Denn toten Autoren dürfte das Halten des Stiftes angesichts ihrer maximal molekularen Daseinsform unmöglich sein. Aber, sage niemals nie. Was weiß ich schon? Nüscht.

Rosamunde P. lässt jedenfalls herzlich und spürbar grüßen und ihre sieben Schwestern fahren reichlich auf. Das Buffet leicht verdaulicher Kost bricht unter der Last der Main gestreamten Bestseller fast zusammen. Aber eben nur fast, denn schließlich wird ja kräftig zugelangt und verschlungen, weit über die Kreise der ländlichen Bevölkerung hinaus.

Josefa! Josefa? Das ist der Name, der diesem Tag gebührt! denke ich. Es ist nicht ein schnöder Dienstag, der sich, wie in meinem Falle heute, in den Dienst bösartig-zynischer, diskriminierender und vor Arroganz strotzender Satire stellt.
Heute ist Josefa Tag. Der Tag der Einsicht, des Weitblicks, Satori, ick hör dir trapsen.

Schau mal genauer hin, sagt eine ruhige, vernünftige Stimme in mir, dann geht dir vielleicht ein Licht auf, warum dir an diesem magischen Dienstag eine Josefa aus deiner egozentrischen Hybris heraushilft und dir einen Blick durch den Türspalt in den Raum der Toleranz, Demut und Gelassenheit ermöglicht.

Also google ich Josefa und staune nicht schlecht. Josefa ist die weibliche Form des männlichen Vornamens Josef, das ist hebräisch und bedeutet: Gott fügt hinzu / möge vermehren.

Gott fügt hinzu. Was für eine Losung für diesen Tag! Josef hieß der Mann von Maria, biologisch dürfte er für die Vermehrung zuständig gewesen sein, die einen gewissen Jesus als vorläufiges Ergebnis hervorbrachte.
Gott möge vermehren. Gesagt, getan.

Der Begriff Gott ist nur bedingt einer, zu dem ich Zugang habe.
Gott ist für mich tief in meinem Nichts und unendlich weit im Alles.

Und daraus schließe ich, dass das, was ich tue, mein Schaffen, mein Schöpfen, mein Sein, ein Teil des Ganzen ist. Ich schließe daraus, dass ich genau das tue, was passt – auch wenn ich meiner Natur gemäß zweifle und hadere, zuweilen und besonders, was mein Schreiben, meine Dichtereien angeht.

Wozu, warum, Gedichte und Geschichten? Sie retten schließlich nicht die Welt!

Das vielleicht nicht.
Aber sie lassen für einen Moment innehalten. Sie piksen vielleicht etwas an. Ein Gefühl. Eine Erinnerung. Eine Idee. Und wer liest, der kann in dieser Zeit des Lesens keinen anderen Blödsinn verzapfen – wie zum Beispiel zu viele Hühner in zu kleine Ställe sperren und flächendeckend Gift versprühen.

Und dafür gebührt der unlängst ins Nirvana entschwundenen Autorin auf jeden Fall das bronzene Huhn!

Magie ist da, wo man sie sehen will, was mich zum Schlusssatz kommen lässt, den ich heute, an diesem Josefa Tag den glorreichen Bay City Rollers überlasse. You made me believe in Magic.

Bye Bye Baby 😉

©ideenlese


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Allgemein, Poesie

Ach Tag



Ach du Tag, was fange ich an,
mit dir und deinem Sinnen,
deinem Trachten,
dich in deiner Gestalt
dem zu beugen, zu bezeugen,
was ich aus dir machen könnte,
wenn ich wollte.

Denn Müssen, mein Tag,
macht mich malade, mutlos
und konfus,
so ist es gut,
dass ich heute nichts muss.

Außer putzen und waschen,
vom Erdbeereis naschen,
die Blumen begießen
und das genießen,
was Leben ist.

Ach du Tag, sei mein,
alles fein.


©ideenlese

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Allgemein, Humor, Im Fliederrausch der kleinen Dinge, Spaß

Vom Reimen und Zählen

Mach dir keinen Reim drauf,
wenn einer was zusammenreimt,
sich was zusammen braut,
dann selten ein Gedicht,
stattdessen, angedichtet,
leicht verderblich, wildwuchernd,
zum Gerücht, wabernd im Nebel
der sich nicht zu lichten gedenkt,
brodelnd auf dem offenen Herdfeuer
der Gerüchteküche.

Das halte ich für ein Gerücht,
gesagt ist gesagt, die Worte sind gefallen
wie Würfel, klagt sich an, wer sich verteidigt,
am Pranger des blinden Flecks?

Darauf kannst du zählen,
Eins und eins zusammen.
Macht zwei, nimm zwei,
und lass fünfe gerade sein,
kräht der Hahn,
es ist Mist, der bleibt,
egal ob es regnet oder schneit.

Hab acht, mit den sieben,
auf einen Streich, fett, mager,
in die Jahre gekommen,
auf kurzen Beinen unterwegs,
die Lüge, im Schlepptau die Intrige.
Führt zu Nichts.

Übermut tut manchmal richtig gut.
Nach müde kommt albern. Oder umgekehrt?
Kindermund tut Wahrheit kund.

©ideenlese

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Allgemein

Sommergewitter


Satte, schwere Tropfen,
prasseln in die feuchte Schwüle,
machen das Grün strotzend, lechzend, ächzend,
nach Kräften und Säften.

Knospen springen auf, ungebremst, ungestüm.
Süßes Verlangen, Lust auf das, was es ist,
frei von Raum, Zeit und Kalkül,
blitzt es, kracht es in die Nacht.
Sommergewitter ohne Hab acht,
die ganze Nacht.

Oh what a night,
One moment in time.
The first cut is the deepest?

The sweetest.

©ideenlese

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For Future, Humor, Intuition, Leben & Liebe, Poesie

Audi

Du möchtest lieber hören?
Träumer, du weißt, du bist ein Träumer.
Und dann ist er weg, dein Traum,
hat sich vom Acker gemacht,
war eben nur ein Traum,
für dich,
Träumer, du weißt du bist ein Träumer

Aber, wie abgefahren,
alles, was du brauchst, ist in dir,
Träumer, du dummer kleiner Träumer.
Du hast es nicht verdient?
Sag sowas nicht.
Darum geht es gar nicht.

Alles was du brauchst ist in dir.
Alles was du brauchst ist Liebe,
Liebe ist alles, was du bauchst.

Du kannst alles sehen, was du willst.
Du kannst etwas tun und alles,
Du kannst alles sein,
Freu dich.

Und alles was du braucht
Ist Liebe.
Liebe ist alles
was du brauchst.

Träumer, du weißt, du bist ein Träumer.
Mach was aus deinem Leben.
Lade dir Menschen ein, Dinge, Situationen.
Feel blessed.

Stell dir vor,
Menschen, auch du, leben im Heute,
im Hier und Jetzt.
Nichts trennt.
Stell dir vor, da ist nichts wofür es sich zu
töten
oder zu sterben lohnt.

Imagine, da ist keine feindselige Religion.
Stelle dir vor, da sind echte, wahre Wurzeln,
tief verankert,
in dir.

Imagine, stell dir vor,
alles ist in dir
Alles was du brauchst,
ist Liebe.
Leben in dir, Frieden in dir.
Laudate Dominum.

©ideenlese

Inspirationsquelle: Imagine, John Lennon/ Dreamer, Supertramp/ All you need is love, Beatles/Laudate Dominum, Mozart.
Last not least: Ergebnis meines morgendlichen Zazen.

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