Spätblüher

Aquarell, Christine 2021

Jetzt nehme ich mir, was ich kann, ich finde, ich bin jetzt mal dran und lasse meine Knospen sprießen, vom Füllhorn Freude mich begießen.

Du sagst, ich sei die Anemone, blüht spät, im Herbst, ob sich das lohne? So kurz bevor der Winter naht?

Und ich frag dich, hast du gewusst, dass eine Blume gar nichts muss? Sie blüht stets wenn sie kann, wie schon gesagt, ich bin jetzt dran.

Drum nehme ich mir diesen Kuss, mag sein, den letzten, vor dem Schluss, tauch ein im Kreislauf der Natur, richte mich nicht nach deiner Uhr.

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An meine Muse

Foto: Christine, September 2021

Es ist Freitag gegen zehn, ich will gerade duschen gehen, Handy klingelt, ich geh ran, ruft mich meine Muse an.

Fein, denk ich, bin inspiriert, weil ich weiß, was gleich passiert. Funkenflug in Hochfrequenz, ohne eine Konkurrenz.

Muses Themen ohne Gleichen, niemand kann ihr ‘s Wasser reichen. Ich hör zu und speicher ab, lache mich dabei fast schlapp.

Leben ist nicht nur ein Reim, auch die Muse sieht das ein, grüsst und ist auch schon verschwunden. Ich gestehe unumwunden, dass ich meine Muse brauch.

Und ich weiß, sie braucht mich auch.

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Geier

Den Ast von dem Olivenbaum, krallt sich ein Geier, um zu schauen, ob sich erfüllt sein jüngster Traum, hier unter dem besagten Baum.

Ihm träumte, dass an diesem Fleck, schon bald Lebendiges verreck.

So hockt er lange, ihm wird schwächlich, ihm schwant, dass er beträchtlich, von seinem Traum sich täuschen ließ.

Er magert ab, was für ein Grauen, die Ohnmacht schüttelt ihn vom Baum.

Da liegt er nun und ist am Ende. So mancher Traum führt zu ner Wende, mit der du nicht gerechnet hast. So sitze auf dem rechten Ast und warte nicht zu lange, sonst fällst du von der Stange.

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Vision completed

Foto: Christine, Sept. 2021

Frau Sonne strahlt auf meine Lider, D-Vitamin für müde Glieder. Die Biene nascht an Efeus Blüten, mögen sich Herbst und Winter hüten, mir vorschnell auf den Pelz zu rücken.

Italien, ich bin bereit, dein Dolce Vita, an der Zeit, den Koffer hurtig zu bepacken, mit drei, vier, fünf, Sex, sieben Sachen, leicht und beschwingt ins Antlitz lachen,

Der Dunkelheit und Langeweile, mach’s gut, Tristesse, ich bin in Eile.

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Dirndl Gaga

Foto: privat; bearbeitet mit Clips

Gaga Flusensieb in SockenhautSiebenleben unvertrautBlahblahmann mit WissensfrustHimmelsmahl ganz ohne LustElfentanz spielt LebenstraumMiezekatz auf …

Kleine Art LXIII – Gaga

Amüsiert inspiriert vom „Pfefferminzprinzen im Wissensfrust“, Lyrikblogger Dichterling

Dirndl Gaga

Es hebt den Busen, streckt den Bauch, ist guten Tuches und aus Brauch, besticht es durchaus generell, Betrachters Blick gewöhnlich schnell.

Es kann mit bunten Blumen glänzen oder sich eher schlicht kredenzen, selbst jenen, die mitunter rüde, spielt es stets smart an Stachels Sieben- Tage-Bart.

Jedoch ist unter all den feschen, oft eins dabei, das kann selbst sprechen, und dadurch etwas gaga sein; entblößt es manch pikante Stelle und schlägt damit enorme Welle, Schäume empörter Neidereien:

Wie kann sie nur so gaga sein? So durchgeknallt direkt, Oh Nein! Wie kann sie denn ein Dirndl wagen, als Jeans und Pulli-Typ zu tragen?

Dirndl Gaga hör ich sagen, Weil‘s geht und weil ich‘s einfach kann! Was geht es euch eigentlich an?

Es hebt den Busen, streckt den Bauch, ein bisschen gaga ist es auch, zeigt Herz und hat gewissen Witz, oazapft is.

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Der kleine Mut

Foto: Martina Brüne, Kunstraum 300

Er lernte gerade selber laufen, allein ein Erdbeereis zu kaufen, mit Sahne, drunter und viel drauf und träumte von dem großen Lauf, den er aus eigner Kraft mal schafft.

Er lernte gerade, Ich zu sagen, sich mal zu zeigen, was zu wagen und spürte, das tut richtig gut, hey, Ich bin Knut, der kleine Mut. Und wenn ich erstmal größer bin, krieg ich ganz andre Dinge hin.

Die Zeit verging und Knut begann, Fuß zu fassen und fing an, manches zu tun, andres zu lassen, erkannte, es gibt kein Zurück und großer Mut führt oft ins Glück. So wuchs er Stück für Stück.

Jetzt kauft sich Knut ganz ohne Scham, denn darauf kommt es gar nicht an, ein riesengroßes Sahneeis und denkt sich still, Jawoll, vom Glück weiche ich keinen Zoll. Ich weiß ab jetzt, was mir gut tut, lächelt, grüßt freundlich und wünscht Mut,

Danke liebe Martina, für die Inspiration am Morgen. Sahneeis für meine mutige Seele! 🍦

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Ruhestand

Im Ruhestand, gelobtes Land, da fang ich an zu leben. Als Pensionist da kann ich dann erzittern und erbeben.

Wenn ich die Arbeit erst beende, dann lass ich’s richtig krachen. Dann werd ich dies und jenes tun, dann fang ich an zu lachen.

Gelobtes Land, der Ruhestand, für diese und für jenen, für etliche verbranntes Pfand, zu spät für dieses Leben.

Im Hier und Jetzt, praktisch nur heute, könnt ihr gestalten, sein, Mensch, Leute!

Wenn du nicht lebst und liebst, gleich jetzt in der Sekunde, dann schlägt nicht erst im Ruhestand dir deine Todesstunde.

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Des Dichters Frau und deren Mann

Des Dichters Sinnen ist, als Mann, zu finden Eine, die sodann, wie er, des Dichtens kundig, schwelgt, als Muse möglichst niemals welkt, im Geiste frisch so wie im Fleische, ihm möglichst gut das Wasser reiche.

Der Dichterin geht es nicht anders, sie denkt ganz gern, Der Mann, der kann was, dichten und in anderen Dingen, die zu zweit famos gelingen.

Ist sie schlau wird sie nicht scheuen, auf den Dichtermann sich freuen, der irgendwo auf dieser Welt, sicher schon Ausschau nach ihr hält.

Die Frau von einem Dichter ist, hier formuliert simpel und schlicht, ne Dichterfrau, die dichten kann, am liebsten für ihr‘n Dichtermann.

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Elfe

Wenn ich eine Elfe wär, flög ich ständig um dich her, schüttete dir Glitterstaub über über auf dein Haupt.

Könnt ich eine Fee nur sein, zaubern, und betörend fein, dich mit Input überfluten, schützen dich auf deinen Routen.

Hätte ich ne Superkraft, oder einen Zaubersaft, oder irgendeine Macht, zöge ich es in Betracht, Wünsche flux dir zu erfüllen.

Nix von dem hab ich zu schenken, außer stets an dich zu denken, selbstverständlich auch zu fühlen. Wenn du lächelst, kannst du‘s spüren.

(c) ideenlese

Ohne Dich

Wie wär es wohl, so frag ich mich, gewesen, so ganz ohne dich, wie wär es wohl, die nächste Frage, wärest du nicht an diesem Tage, hereingeflogen in mein Leben?

Wie wär es wohl, wenn ich nicht weiß, wo du heut wohnst und wie du heißt, was dir gefällt und auch was nicht, wie wäre es wohl ohne dich?

Wie wär es wohl, wenn du verschwindest, und das auch gar nicht erst begründest, ganz einfach weg bist ohne Grüße? Ich glaub, ich kriegte kalte Füße und Schüttelfrost dazu.

Wer wäre ich denn ohne dich? Ich wäre ich. Zwar jämmerlich für Ewigkeiten, zu schwach um Essen zu bereiten, zu traurig um zu lächeln gar. Und trotzdem wäre ich noch da.

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Schnecke auf Speed

Fernab von Zeitdruck oder Uhr, kroch langsam stets auf ihrer Spur, nur scheinbar ziellos um die Ecke, Cleopatra, die kleine Schnecke.

Zu gleicher Zeit, Zufall das alles, machte sich Speed, genannt Gonzales, aus andrer Richtung schnellstens auf und glitt auf Cleos Schleimspur aus.

Untröstlich und voll Mitgefühl, lud Schnecke Speed zu einem Spiel, just in ihr tiny Häuschen ein.

Sie sang ein Lied, er fand es super, stieg ein in Schneckes super trooper und tanzte mit ihr um die Ecke. Auf Speed ist seither unsere Schnecke.

Gonzales Speed, ganz aus dem Haus, nahm seinerseits das Tempo raus, was schließlich, kurz ums Eck gedacht, gemeinsam Kriechen möglich macht.

(c) Ideenlese

Violeta


Es stand ein Veilchen auf dem Brett,
war schön, war blau, war sittsam nett.
So stand es dort recht schmuck herum,
und Tag für Tag gingen so um.

Das Veilchen wurde ziemlich trocken,
und konnte weder blühen noch rocken.
Auch seine Farbe wurde blasser,
Warum?
Auch Veilchen brauchen Wasser.

Es war schon Winter, tiefer Frost,
aus Veilchen wurde nun Kompost.
Das war jedoch noch nicht das Ende,
denn dann – Chapeau – kam eine Wende.

Denn unseres Veilchens DNA,
schon immer Wildes Veilchen war.
So teilte es sein strahlend Ich,
in Feldern von Vergissmeinnicht.

Ein Veilchen, das braucht keinen Topf,
es hat einen ganz eigenen Kopf.
Braucht Sonne, Wasser, Wind und Liebe.
Für Schönheit,  Blau und Lebenstriebe.

© ideenlese






Romeo & Julia

Zwei Augen und sein ganzes Herz, die warf beharrlich, ohne Scherz, Bro Romeo mit sinnlich Sinn, der Julia zur Ansicht hin.

Julias Herz schlug stetig höher, und sie spürte froh und fröher, dass vorgenannter Freier Geist, den Weg zur Liebe ihr nun weist.

Doch diese hier? Oh nein, mitnichten, schrieb todestragische Geschichten,
zwei Menschen tauschten in der Not, die Liebe ein, gegen den Tod.

Was man nun daraus schließen kann, ist, ob divers ob Frau ob Mann,
die Liebe, wenn man sie erkennt, nicht lange um den Einlass flennt.

Ihr ist es völlig einerlei, ob man gebunden oder frei, ob’s einem passt oder grad nicht, auch welchen Dialekt man spricht, das alles stört die Liebe nicht.

Sie ist robust, lässt sich nicht scheuchen, es ist nicht möglich, zu entfleuchen.
Die Liebe ist. Manchmal auch schwer, doch ist sie weg, wünscht man sie her.

Und schenkt sie frei und sinnlich froh, wie Julia einst Romeo.

(c) ideenlese

Das weisse kleid

Das weiße Kleid

Da flattert es, das weiße Kleid,
ganz frei von Muss und Sollen,
fein wiegt es sich verspielt im Tanz
ganz rein und ohne Wollen.

Da strömt er ein, der Wind aus Süd,
auch er ein freier Geist,
der hin und wieder, wenn’s ihn lockt
nach Norden gerne reist.

Da leuchtet er, der rote Mohn,
mitten in Feld und Wiesen, im Leben
schwelgt er, einfach so, der Leichtsinn
sei gepriesen.

Da denkt sich einer, quel plaisir,
das Rot, das Kleid und Wind,
des Schicksals Macht hinzugefügt,
mal eben ganz geschwind.

So landet denn der rote Mohn
auf weißem Leinengrunde,
der Wind frischt auf erkannt im Nu
das ist jetzt meine Stunde.

Da fügt es sich, das weiße Kleid,
im Koffer, neue Ära,
Hut und Bikini neben sich,
im Flieger nach Madeira.

©ideenlese