Portugal is calling III

Foto: privat, Cascais, Portugal, März 2022

Das Zielgebiet lockt mit kuscheligen Temperaturen. In den heißen Wellen zwischen 29 und 45 Grad Celsius, laut Wetterapp, werde ich mich schweißbaden (müssen), eigentlich ist mir das viel zu heiß für all die Erkundungen und Ausflüge, die ich mir vorgenommen habe.

Meine Wohlfühltemperatur liegt bei 25 Grad, was meine Abenteuerlust jedoch nicht im Geringsten beeindrucken kann. Stiefel und Rollkragenpulli, beim Besuch im Frühjahr wärmende Begleiter, werden beim kommenden Tripp jedenfalls zuhause bleiben und keine Rolle spielen.

Sonnenhut, Badeanzüge und Bikinis haben hingegen gute Chancen, in vier Wochen ihren großen Auftritt zu haben. Gestern war Casting.

Das triste Dasein in der hintersten Schrankecke endete, wenn auch nicht für alle, so doch für die talentierten unter ihnen. Sie dürfen mit, sie bekommen Hauptrollen, in denen sie sich farbenfroh und unbekümmert über selbstkritische Kommentare und Blicke hinwegsetzen und bedeckt halten werden, was sich bedeckt halten möchte, und sie werden im besten Fall gemeinsam mit mir eine akzeptable Figur machen.

Mein Bemühen, der portugiesischen Sprache auf die Schliche zu kommen, gestaltet sich etwas zäh.
Das mag auch daran liegen, dass ich alles, was mich interessiert ohne Zeitverzug können möchte.
Und zwar richtig, die Mühen auf dem Weg dahin jedoch zu umgehen weiß.
Da beißt sich die Katze in den eigenen Schwanz.

Den wichtigsten Satz habe ich allerdings drauf: Onde está o sanitário? Gesprochen: Odsche schta o ßaitario?
Wo ist die Toilette?

Ich bleibe beharrlich in Sachen nasaler SingSang.
Für Heute „Chau“








Sonntagsnonsensebettgereimtes

Sonntagfrüh, noch nicht mal acht,
Vögel zwitschern, aufgewacht,
Rest von Träumen, torkeln trunken,
in Gedanken noch versunken,
Tee gebraut, nach Hund geschaut,
barfuß durch Garten, Tee zieht,
warten,
Futter in Napf und dann, stapf stapf,
zurück ins Bett, drauf reimt sich nett
aber auch fett, will ich nicht sein,
Schlaf nochmal ein, der Tee wird kalt,
träume vom Wald mit Wasserfall
in Portugal.

(c) ideenlese

Portugal is calling II

Foto: privat

In fünf Wochen werde ich mich zum zweiten Mal in diesem Jahr auf den Weg nach Portugal machen.

Schon während meines ersten Besuches im Frühjahr entschied ich, dass ich zurückkehren würde.

Ich habe mich in diesem Land, der Gegend und der kleinen Stadt so wohl und glücklich gefühlt wie an keinem anderen Ort bisher, mit Ausnahme von Rom und einer Lodge namens Mount Edgo in Namibia.

Im Unterschied zum letzten Mal werde ich die Reise mit dem Auto machen. Das steigert den Abenteuerfaktor des Alleinreisens um etliche Aufregungspunkte.

Die erste Etappe plane ich bis Tours in Frankreich zu fahren. Am nächsten Tag ist die Weiterreise bis Burgos in Spanien geplant und an Tag drei dann die Ankunft am Zielort in der Region Alentejo.

Bis vor einigen Tagen war ich hin- und hergerissen. Ich hatte keine Zweifel an der Reise ansich, wohl aber an der Art und überlegte ob es nicht besser sei, zu fliegen.

Allein mit dem Auto knapp 2500 Kilometer je Strecke zu fahren ist mutig- finde ich jedenfalls – und sicherlich sehr anstrengend.

Aber ja, ich will es genau so. Und allmählich setzt das feine Kribbeln der Vorfreude ein. Aus den Erfahrungen des ersten Besuches gelernt, mache ich mich aktuell mit den einhundert wichtigsten portugiesischen Vokabeln und Redewendungen vertraut und frische meine lückenhaften Kenntnisse in Englisch und Französisch auf.

Netflix und YouTube sei Dank gelingt das auf unterhaltsame und amüsante Art.

An dieser Stelle werde ich regelmäßig berichten: Von den Vorbereitungen, der Reise und meinen Erlebnissen.

Divirta-se! Viel Spaß 😉

Dancing with myself

Dieser Text enthält nicht nur Spuren von Ironie und Galgenhumor. Er strotzt geradezu davor!

Wenn nix weiter hilft, dance with yourself, schreibt Steffen mir, verlinkt mich mit Billy Idol und versorgt mich mit etlichen Daumen hoch, Herz-, Umarmungs-,Bier-, Wein- und Cocktail Emojies.

Ja Emotionen kann ich. Schwache Nerven? Check. Drama? Aber gerne doch. Sentimentale Orgien? Gimme more. Schließlich kann man so wunderbar schnulzige Gedichte schreiben, wenn das Herz wund, zerfetzt und halbtod schwächelnd auf kaltem Beton pulsiert.

Krieg, Klima und andere Katastrophen machen aus mir seit Tagen einen schluchzenden Alien. Schlimmer noch, eine in Mitleid und Weltschmerz ersaufende, graumelierte Maus.

Ich kann also aus dem Vollen schöpfen und mich den schmachtenden und leckenden Zungen durchdrehender Geschehnisse vollumfänglich hingeben.

Eine Sinnkrise ist doch erst dann herrlich ergiebig, wenn sie sich an einem flankierenden Umfeld reiben und sich on top mit einer ordentlichen Tüte Selbstmitleids zudröhnen kann.

Während ich mit dem Idols Billy das Lattenrost in Schwingung versetze höre ich von weit her den lieblichen Ruf meines Mitbewohners Frrrüüühstück!!!

Well I wait so long for my love vibration and move me and myselft die Treppe hinunter, mache mir einen superxxlstrong Kaffee, was sich auch als sinnvoll erweist, denn kaum habe ich es mir in der freudigen Erwartung gemütlich gemacht, gleich in mein halbes Hönigbrötchen beißen zu dürfen, beginnt mein Gegenüber, mich in gesellschaftspolitische Themen zu verstricken. Bin isch roter Faden? Nope.

Ungünstiges Timing, sehr ungünstig, ungünstigst ever, befinde ich mich doch in den lustvollen Nachwehen köstlich schmerzhafter Emotionskontraktionen.

Ich diskutiere nicht mehr, höre ich mich mit beängstigend ruhiger Stimme sagen, ich befinde mich in einem privaten Schweigeseminar. Just for your Info.

Und wie willst du den Hund rufen, wenn er wieder irgendeinen Scheiß macht? Mit Telepathie?
Die Sanfte in mir bekommt die erste Hitzewallung und verlangt aus tiefster Sehnsucht nach narkotisierenden Wattebäuschen; gerne stinkend und klebend wie Federn auf Pech und Schwefel, die sich dem Gegenüber anhaften mögen. Telepathie. Ganz genau.
Gib mir ein Äon.

Und überhaupt – ich gebe dir eine Stunde. Länger hältst du sowieso nicht durch. Du kannst gar nicht anders, als deine Sprüche in die Welt zu pusten! Das wäre ja der zuverlässige Hinweis auf dein vollendetes Ableben, wenn du deine lieblichen Ideen nicht mehr verbreiten würdest.Verbal, viral und überhaupt.

Ich setze meine Sonnenbrille auf, lächle und winke mit königlicher Geste zum gegenüberliegenden Tischende. Das werden wir ja sehen, liegt mir auf den Lippen und ich kann mich nur knapp zurückhalten, es nicht laut zu sagen. Uhrenvergleich: Minute eins ist noch nicht um.

Zurück im Bett, Notebook auf den Oberschenkeln, Billy in Dauerschleife auf den Ohren und Kuschelhäschen auf dem Bauch, huscht mir ein Lächeln übers gequollene Antlitz, und ein Kichern erbarmt sich meinem erbärmlichen Zustand.

Da erscheint er auch schon. Zuverlässig und wie immer strahlend schön. Der Favorit unter meinen zahlreichen Liebhabern; mein unkaputtbarer Humor. Durchtrainiert, kein Gramm zu viel auf den Rippen, volles, hüftlanges Haar, das volle Programm.
Er küsst mich, wie nur er es kann und steckt mir dann den Ring unserer unendlichen Verbindung an den Mittelfinger. Ich hatte die beiden, also sexy Humor samt Ring, in die Komposttonne geworfen. Intellektuelle Fehlleistung at its best, denn Humor und Edelmetall sind bekanntlich unkompostierbare Helfer in verzweifelten Phasen.

Geht doch.

Und während sich Emotion und Intellekt zaghaft bei den Händen nehmen und sich, wie schon tausendmal zuvor verliebt versprechen, von nun an wirklich und bis ans Ende … in guten wie in schlechten Zeiten….. blablabla, höre ich mich laut singen Heaven must be missin‘ an angel; Selbstverliebtheit for runnaways.

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Portugal/ Alentejo Reise März 2022

Viel schreiben und lesen wollte ich während meiner Zeit in Portugal.
Beides tat ich kaum.

Stattdessen habe ich mir Zeit genommen. Sehr viel Zeit. Zeit zum Aufstehen, Zeit zum Ruhen und Schlafen, Zeit zum Kaffeekochen, Zeit, mir in aller Ruhe Mahlzeiten zuzubereiten, Zeit zum Sitzen und zum Schauen, Zeit, kommen zu lassen was kommen wollte und gehen zu lassen, was gehen wollte.

Einfach war das nicht.
Viel mit sich selbst zu sein und sonst nichts, verlockt mit euphorischen Höhen und zerrt in melancholische Abgründe.
Mein Tagebuch spricht Bände. Denn seine Seiten waren die einzigen, die ich beschrieb; auch beschrie, beweinte, betrauerte, bejammerte ich sie. Doch genau das wollte ich. Theoretisch. Schauen und probieren, wie es so ist mit mir überwiegend allein unterwegs zu sein in einem anderen Land.

Wie es ist, alle Alltagspflichten abzulegen. Wie es ist, wenn kein Hund morgens am Bett steht und sein Morgenlied jault. Wie es ist, wenn weder Waschmaschine noch Spülmaschine noch sonst irgendein Gerät zum Zwecke angeblicher Arbeitserleichterung sich elektronisch zu Wort meldet? Piiiieeep, fertig, räum mich aus. Wie es ist, ein anderes Leben zu führen als das, was ich bisher führte.

Einen Reisebericht wird es nicht geben. Nicht jetzt. Die Verarbeitung dieser sehr intensiven Zeit ist noch in vollem Gange. Nur so viel: Ich habe mich zuhause gefühlt in diesem wunderbaren Alentejo mit seinen magischen Landschaften. Ich habe mich zutiefst willkommen gefühlt. Intuition und Liebe haben mich nach Portugal geführt. Sie werden es wieder tun.

Ich hatte alles, was ich zum Leben brauchte. Ich lebte einfach. Ich lebte einfach. Ich lebte intensiv. Unbehelligt von Informationsflut, Angst, Krieg und Katastrophen.
Ich war neun Tage glücklich in diesem Land der freundlichsten Menschen, die mir bisher begegnet sind.

Jetzt bin ich zurück in Deutschland. Jedenfalls ein Teil von mir, denn der andere hat sich sein Leben in Portugal eingerichtet.
Ob ich auch zurück auf Ideenlese bin, das weiß ich noch nicht und gebe den Dingen Zeit.

Calma calma.
Immer mit der Ruhe.


Portugal is calling

Van Girls, Mandy Raasch , erschienen 2019 im Bruckmann Verlag, München (unbezahlte Werbung)

Der Countdown läuft. In vierunddreißig Tagen beginnt mein persönliches Abenteuer. Ich werde das erste Mal seit knapp vierzig Jahren allein eine Reise antreten. Ganz allein. Sogar der Hund bleibt zuhause.

Die Flüge sind gebucht, Unterkunft und Mietwagen ebenfalls, für neun Tage werde ich auf mich gestellt mit mir allein unterwegs sein.

Mein Ziel ist Portugal. Von Lissabon aus starte ich in Richtung Alentejo in Ostportugal. Und dann? Ja dann sehe ich weiter.

Diese Reise ist der Einstieg in ein geplantes Experiment, das zum Ziel hat, mehrere Wochen oder Monate im Jahr in einem Van allein zu reisen und zu leben. Der Winter in Deutschland ist mir zu lang, zu grau und viel zu unterkühlt.

Ich brauche Sonne, Abenteuer, Freiheit. Und ich brauche Begegnungen, die nur dann zustande kommen, wenn man allein unterwegs ist.

Als junge Frau hatte ich den Traum, nach Ecuador zu reisen, nur mit dem Nötigsten und fernab von touristischen Pfaden. Allein.
Die Angst vor der eigenen Courage, eine frühe Mutterschaft und das sich anschließende Familienleben kamen dazwischen.

Die Kinder sind inzwischen erwachsen, berufliche und sonstige Verpflichtungen sind überschaubar, es kann also losgehen. Jetzt!

Was für viele Menschen selbstverständlich sein mag, nämlich allein zu reisen, ist es für mich nicht. Für mich ist es ein großes Ding, das mir Herzklopfen macht. Einerseits aus Vorfreude, andererseits aus Angst, dass es schief läuft, ich mich überfordert fühle oder es mit mir selbst gar nicht so gut aushalte wie ich bisher immer annahm.

Aber worauf soll ich warten, wenn meine Sehnsucht und mein Fernweh sich vehement und immer stärker zu Wort melden?

Ich glaube, dass uns im Leben das begegnet, was wir für unser persönliches Wachstum brauchen. So ist es für mich kein Zufall, dass mir das Buch von Mandy Raasch in die Hände fiel.

Mandy lebt und arbeitet in einem Campervan und schreibt in ihrem Buch Van Girls darüber, wie sich das freie Leben im Van gestaltet. Sie tut dies keineswegs blauäugig oder in gefilterter Instagram Manier.

Neben vielen praktischen Tipps, Vorschläge für Reiserouten für Anfängerinnen und solche Frauen, die schon länger unterwegs sind, inspirieren mich die Interviews, die sie mit Frauen geführt hat, die sich zwar in Alter und persönlichem Background sehr unterscheiden, die sich jedoch in einem Punkt einig sind: Ich hätte es viel früher machen müssen!

Dieses Buch ist für mich eine Offenbarung, ein Mutmacher, und zwar nicht nur im Hinblick auf das Alleinreisen und Alleinleben im Campervan.
Dieses Buch ist ein frischer, einfühlsamer und klarer Aufruf, das eigene Leben in die Hand zu nehmen und sich daran zu erinnnern, dass Ängste und Beschränkungen meistens nur im eigenen Kopf stattfinden.

Übrigens werde ich während der Reise meinen Geburtstag feiern. Ich werde achtundfünfzig. Eine Zahl die zeigt, dass es nie zu spät ist, sich auf den Weg zu machen, Neues zu erfahren, etwas zu wagen und die jedenfall mir bewußt macht, dass das letzte Lebensdrittel in vollem Gange ist und mit Leben erfüllt werden möchte. Und zwar genau so, wie die jeweiligen Umstände es zulassen.

Ich bin auf dem Weg. In meinem Tempo, in meinem Rythmus, mit einem Rucksack voller Erfahrungen, die ich bis jetzt in meinem Leben gemacht habe. Schöne und schmerzhafte.
Manche konnte ich abwerfen und mich dem Gefühl der Freiheit und Erleichterung hingeben. Andere treiben hartnäckig ihren Schabernack mit mir.

Eine Reise ist kein Urlaub.
Und wie war das mit dem Ponyhof und dem Leben?

Das Leben ist wie eine Reise. Im besten Fall lebendig. Im allerbesten Fall so frei und einfach wie möglich. Und wenn es superb läuft, hinterlässt man ein paar Spuren und nicht bloß Staub.

Love & Peace,
Christine