Leave me alone

Foto: Christine, 2021, September

Leave me alone for a while, cause I need just to shine, in my own and true style.

So leave me for ages, there are none dangers, to lose kind of love, nothing above.

I leave you alone for a while, just to show, what we are, for ages and ages so far.

(c) ideenlese

Ich brauche dich nicht

Ich brauche dich nicht, damit du mein Ego mit Champagner abfüllst, duselig machst von sich selbst, ihm schmeichelst, es anbetest wie ein Götzenbild.

Ich brauche dich nicht, als Ideal, geschniegelt und geleckt, wie aus dem Ei gepellt, glatt wie Mamor, eine immer gleiche Statue, glänzend und stark.

Ich brauche dich in deinem Schmerz, deiner Erschöpfung, deiner Müdigkeit. Mit all deinen Wunden und Narben, in deinen schwächsten Momenten, in deinen dunkelsten Stunden, deiner Angst, deinem Zweifel.

Ich brauche dich wie einen Spiegel meiner Seele, brauche dich auf den Schlachtfeldern der Kämpfe, die meine und deine sind, wie sie schon immer unsere waren.

Ich brauche dich in allen Facetten der Liebe. So brauche ich dich. So brauche ich mich. So brauchen wir uns.

(c) ideenlese

Inner Picture

Christine, 21/09/12

Turned into space, in me, I see true colors of soul. My inner image shines out of space into space.

Entering the universe, in you, I see your soul, your colors. Mix with my belief that we are from space, in space.

Forever and ever. One.

(c) ideenlese

Let‘s rock!

You know who brought you into this world. Child of mother and father.

You feel that your real origin is elsewhere. You come from everywhere.

You are part of the greatest.

Let’s rock the universe. Now!

Don’t waste any more time.

Rock your life

(c) ideenlese

The old house

The old house. I was there once more, in the old house, the stairs rotten from the tides, dust, darkness, a place long gone, a time long gone.

You lead me through the rooms I lived in, you say that dreams come true in them and the search ends.

Your rooms, your dreams, your search, not mine. Because a long time ago I closed the doors to the rooms of doubt, search, resentment and greed.

This old house is not my house, it’s yours.

My heart is healed, my rhythm is beating. Nothing that I lack, nothing that I need, no searching, no finding.

My pain is mine. I am the woman in the yellow dress with the red flower in my hand. It is no longer my house, it is your house.

Clean up and ventilate.

(c)ideenlese

Thanks to Stefan for the inspiration of inner pictures 🙏

So’ham & Der Schabernack

Einen Tag nach der Migräneattacke geht es zur Sache. Ein kunterbuntes Drunter und Drüber tobt über die Flure der grauen Masse im Oberstübchen. Gedanken spielen Blinde Kuh und Hasch mich, ich bin der Frühling. Flöhe hüten ist einfacher, als diesen Kindergarten der Schlaumeier und Neunmalklugen unter der Schädeldecke im Zaum zu halten.

Legionen von Absurditäten in nächtlichen Traumsequenzen: Inferno, Armageddon, Tsunami; und danach: Stille. Nüscht mehr! Niente. Nada. 

Wenn der Schmerz abebbt, wird es klar. Einsichten von betörender Schlichtheit. Schön, wie ein Butterbrot, wie ein Bergsee, wie ein unerwartetes Lächeln.
Diese Zeit währt kurz, wie ein flüchtiger Flirt.  Es ist eine Zeit, in der mich der Schabernack verführt und meinen Verstand lahmlegt. Guter Typ.

Er nimmt meine Hand, dreht die Musik laut auf, Abba, Bay City Rollers & Co., archaische Trigger und lässt meine Hüften die einzig wahre Sprache sprechen. Er verführt mich zu Tätigkeiten, die dank ihrer Einfachheit Juwelen für das Sein sind. Klo putzen, bügeln, wischen und das alles in Zeitlupe.

Mein Schabernack haut mir auf die Finger, sobald ich zu irgendeinem Fachbuch greifen, wissenschaftliche Dokumentationen auf arte und 3Sat starten will, oder sonst einer wichtigen und ernsthaften Beschäftigung nachgehen will.

Er schüttelt mir die Kissen auf, drückt mich mit sanfter Gewalt in dieselben, legt sich neben mich und flüstert: Die Wirklichkeit steht nicht im Lexikon. So’ham und dein Lachen ist alles, was du brauchst.

So’ham. Ein Mantra aus dem Sanskrit, das so viel bedeutet, wie Er ist ich, Ich bin er und die Einheit von Individualseele und dem Absoluten beschreibt.

So’ham.
Schon Marianne Rosenberg hat darüber gesungen. Sie erinnert sich? Ich bin wie Du, ahaha, wir sind wie Sand und Meer, uhuhuuu, und füreinander immer nur da, hahahahaha.

Und ich schließe die Augen, lächle, atme und fühle mich mittendrin im Leben, in mir. Ich merke gerade noch, wie der Schabernack mir einen Kuss auf die Stirn gibt, mich in die Wange zwickt und mit einem So’ham, du kannst dich nicht von deinem Schabernack trennen, mitten in mein Herz hüpft.

So’ham.
Mittendrin. All in One.







Wahre Liebe

Als meine Liebe deine traf,
sie erste Blicke wagten,
und Schritte aufeinander zu,
berührten, verrückten, verzückten,
hielt die Welt den Atem an.

Als deine Liebe mit meiner spielte,
und die Haut erhitzte,
die Leidenschaft durchbrannte,
besoffen, betroffen, bekloppt,
tanzte die Welt Samba.

Als meine Liebe deine verlor,
aus dem Blick, aus dem Gespür,
standen wir bewegungslos auf der Leitung,
und weltweit fiel der Strom aus.

Als deine Liebe meine wiederfand,
behutsam, zart, bewusst,
und mehr und Rock n Roll,
zersprangen die Ketten der Welt.

Als meine Liebe mit deiner alt wurde,
sich aneinander lehnten und Geschichten
aus ihren Tagebüchern vorlasen, erkannten wir:

Wahre Liebe fordert nicht,
sie schenkt sich, sie lässt, sie fließt.
Und die Welt lächelte und schaltete auf Flutlicht.

(2000)

Tränen in der Kaffeetasse

Er ist ein großer Mensch. Kräftig gebaut, volles Haar! Ein Mann wie ein Baum. Ich halte Abstand. Wie lange eigentlich schon und wie lange noch?

Als er davon erzählt, dass er nächste Woche das zweite Mal geimpft wird und die Reise in den Urlaub gebucht hat, spüre ich, wie der Kloß in meinem Hals anschwillt und ich fast Bitte, bitte, nimm mich mit, bettele.

Ich kann einfach nicht mehr, sagt er. Seit über einem Jahr diese Situation, ich bin am Ende meiner Kräfte.
Ich kann nicht mehr, sagt er noch einmal eindringlicher.
Kurz darauf sitze ich im Auto. Ich starte Playlist und Motor.

Passend zum Ruhrpott wirft mir Herbert einen umschatteten Blick zu, schreit seinen Schmerz raus, Liebeskummer, Flugzeuge im Bauch.
Er kann nichts mehr essen, ich schon und beiße beherzt in meinen Kirsch-Quark-Plunder. Kirschsaft und Pudding laufen mir übers Kinn, Herbert kann sie nicht vergessen, ich tröste mit einem stillen Du musst sie auch nicht vergessen, Herbert, n Scheiß musst du.

Meine Finger sind klebrig vom süßen Gebäck und kleben am Lenkrad.
Ich drücke aufs Gas. Westernhagen übernimmt. Was solls, ich lebe! Ja ich lebe, das Leben ist gar nicht so schwer. Während er sich aus Liebe zu ihr besäuft, bleibe ich so nüchtern wie möglich und heize stattdessen grölend über die A2. Komm lass uns lieben! Immer mehr.

Sonne und Platzregen wechseln sich ab. Es blitzt und kracht.

Plötzlich bin ich zuhause. Das ging wie im Fluge. Yes, you sexy Thing, säuselt Hot Chocolate im geschmeidigen Bariton und vor meinem geistigen Auge sehe ich die schwingende Hüfte in knallengen, weißen Schlaghosen.
Thank you, Babe, flirte ich zurück.

Die Nacht bringt traumhafte Inspirationen.

Und das morgendliche Zazen ersäuft in einem Lachflash vom Feinsten. Nach drei Versuchen breche ich ab, mache mir einen Kaffee und checke meine Mails.

Ich hoffe, es geht dir gut, lese ich und dann ist es endgültig vorbei mit meiner Contenance.
Ich lasse die Tränen laufen.

Mir geht es nicht gut. Ich kann nicht mehr und will nicht mehr. Diese Pandemie macht mich mürbe, dünnhäutig, ich bin erschöpft und müde und weiß manchmal noch nicht mal mehr welcher Tag ist.

Ich habe Sehnsucht nach Begegnung, nach Gesprächen mit anderen Menschen.

Es ist mir auch egal, ob das Jammern auf hohem Niveau ist.
Es ist mir egal, ob irgendwer darüber den Kopf schüttelt.

Ich habe keinen Bock mehr darauf mich damit zu trösten, dass es andere viel schlimmer getroffen hat.
Ich kann nicht mehr.

Und das zu sagen und so geschrieben zu sehen, ist der erste Schritt zurück in ein Leben, das ich als meines bezeichne.

Impflinge, lese ich in der Zeitung. Impflinge sind Menschen, die schon mindestens einmal geimpft wurden.

Ich bin kein Impfling. Zu jung. Dauert noch.

Impfling. Ich assoziiere eine Mischung aus Schlumpf und Roboter.

Sagt mal wo kommt ihr denn her?
Aus Impfhausen bitte sehr.

Wir laden unsere Batterie, dann sind wir wieder voller Energie. Wir sind die Impf-lin-ge. Düt Düt Düt Düt.

Ich checke ein. Kraftwerk. Vorher male ich mich noch blau an.
Schlumpfhausen ist überall.



Problemlösestrategie einer Spinne

Kartoffelpuffer mit Apfelmus, dideldum, Dudeldei, wupstata, humdidum, ich bin schwanger und bekomme im August mein siebtes Kind, wie freue ich mich, Dudeldei, singt meine Nachbarin fröhlich und hüpft, in feine, bunte Flattergewänder gehüllt von einem Kaffeetassenrand zum nächsten über unseren Terrassentisch.

Schließlich breitet sie ihre feinen Flügelchen aus, beginnt vehement zu rotieren und fliegt einer Libelle gleich davon, dideldum, Dudeldei, die sieben Zwerge und ich sehen ihr nach und winken.

Lotte, die Stimme kommt mir bekannt vor, Lotte, sie wird eindringlicher, verliert ihre watteweiche Schalldämpfung, ich spüre drohendes Unheil und halte mich sicherheitshalber an meiner Decke fest.

Lotte, wachwerden!


Was? Erdbeben?

Benebelt schwebe ich von einer Welt in die andere, während ich mich frage, warum und wer es wagt, mich so aufzuscheuchen, nur weil die Erde ein bisschen wackelt.

Das Erdbeben ist gar kein Erdbeben.
Es ist der Mann, mit dem ich Bett und Tisch gefühlt seit Anbeginn aller Zeiten teile.

Du rüttelst mich und schüttelst mich, wirf Gold und Silber über mich, als Entschädigung, raune ich ihm heiser entgegen.

Hör auf damit, ich schlafe noch, setze ich streng nach.

Du hast laut gesungen, Lotte. Kartoffelpuffer mit Apfelmus und irgendwas mit dideldum; und dann hast du um dich geschlagen.

Oh, war da doch was in dem Hanf Tee, den ich mir vor dem Zubettgehen gestern Abend braute und von dem ich hoffte, das es drin ist, wohlwissend, dass es nicht drin ist.

War da doch was drin?

Das  Ziel des vollständigen Erwachens vor Augen, das Wasser läuft mir im Munde zusammen, angesichts der formidablen Idee von Kartoffelpuffer mit Apfelmus zum Frühstück, setzen sich drei Wörter und ein Fragezeichen wie eine dicke Hummel auf den Blütenkelch, wie das Tüpfelchen auf dem I wie eine Losung in mir fest.

Frag‘ die Spinne.

Frag die Spinne? Warum? Jetzt bin ich hellwach und springe aus dem Bett.

Wo ist dieses Buch mit den Krafttieren?

Wenn die Spinne heute in dein Leben gesprungen ist, lese ich, fordert sie dich auf, dein Leben zu entstauben und auch in den letzten Ecken zu putzen.

Oh nö! Bitte nicht putzen!
Wieso nicht, sagt  die Spinne, es ist Freitag und Freitag ist Putztag, um gleich nachzusetzen, sorry, das war der falsche Text.

Geht nicht noch war anderes, ich meine, hast du nicht noch ne coolere Botschaft, Spaß, eine Überraschung, was zum Spielen?

Mut ist ein großes Thema der Spinne, lese ich, als Krafttier fordert sie dich auf, all deinen Mut zusammenzunehmen und deinen Weg zu gehen.

Mut, okay, damit kann mich mehr anfangen als mit der schnöden blöden Putzerei.

Mit ihren vielen Augen schaut die Spinne in andere Dimensionen und andere Welten. Sie kann dir direkt ins Herz sehen und hilft dir dabei, deine wahren Sehnsüchte zu erkennen.

Das ist gut, das finde ich spannend.

Die Spinne lehrt dich Geduld und die Kunst des Abwartens.

Die Spinne scheint mich ganz gut zu kennen, denn sie fordert mich auf, aktiv an meinem Leben zu weben, fleißig Ideen zu spinnen und meine wahre Lebensbestimmung zu finden.

Das Krafttier Spinne verkörpert schöpferische Energie, die Lebendigkeit des Weiblichen und die Spiralenergie als Bindeglied zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Die Spinne stärkt den Kontakt zur kreativen Seite, erhöht die spirituelle Wahrnehmung, befreit aus hinderlichen Verstrickungen und hilft beim Auflösen überholter Denkmuster.

Krass das, sage ich, als mein Lieblingswachmann und ich bei einem ersten Espresso sitzen.

Problemlösestrategie, heute mal von einer Spinne, sagt eine meiner großen Lieben. Lotte, du spinnst, ich verstehe das nicht, aber ist okay.

Eben, antworte ich und klatsche einen weiteren großen Löffel Apfelmus auf meinen Frühstückskartoffelpuffer. Wie öde und langweilig wäre dein Leben ohne mich. Ich bin deine persönliche Spinne!

Freitag, der Tag der Spinne und wie gemacht, um intuitiv den Blick auf die Dinge zu justieren und alles in einem neuen Licht erstrahlen zu lassen.

Ganz ohne Putzen wird es nicht gehen.
Aber okay, irgendwas bleibt immer im Netz hängen.

Problemlösestrategie einer Spinne.









Schmerzen und die Frage nach dem Warum

Ab und zu verschiebe ich die Wärmflasche. Sie wird gebraucht. Mal oben, mal unten, mal in der Mitte.

Die Schmerztablette liegt in greifbarer Nähe. Sie ist die letzte ihrer Art in diesem Haushalt. Noch zögere ich, harre aus. Aber während ich tippe, wird deutlich, dass noch vor dem nächsten Satz die weiße Kapsel unterstützt von acht Schlucken Wasser und einem durchdachten Zusammenspiel von Reflexen durch meine Speiseröhre düsen und dann hoffentlich ihren Job machen wird.

Magen an Schmerzzentrum, mach dich locker, du Freak, Ibu ist hochdosiert und hochmotiviert eingetroffen.
Schmerzzentrum an Magen, immer mit der Ruhe, eins nach dem anderen, no pain no gain.
Magen an Schmerzzentrum, zack jetzt, die Dame in weiß eskaliert bereits.

Der Körper und der Sonntag sind sich einig. Heute legen sie mich lahm. Zäsur.
Maximaler Schmerzreiz, verteilt auf strategisch ausgeklügelte Positionen, gleich minimale Bewegungsfreiheit.

Ich schaffe es mit Mühe auf meine Meditationsbank zu klettern. Für eine halbe Stunde kann ich den Schmerz und die Gedanken tatsächlich sein lassen.

Ruhe, Stille, Kontemplation.
Und dann ist er doch wieder da. Der Schmerz im Körper.

Ich versuche zu entspannen, mich auf meine gechillte Seele zu verlassen und dem Körper Zeit zu geben, nachzuziehen. Er schmollt. Das letzte Jahr war teilweise echt die Härte und ich habe ihn vernachlässigt.

Jetzt sind die Rückenmuskeln hart, die Wadenmuskeln hart, die Achillessehne schmerzhaft geschwollen, der Nacken zum Luxusbrettchen avanciert und irgendein Nervengeflecht im Kopf hat sich zu einer Punkrock-Musikgruppe vernetzt, hämmert und kreischt, dass sich die Jochbeine biegen.

Es ist nur der Körper, denke ich. Der kriegt sich schon wieder ein, hoffe ich und verschiebe die Wärmflasche vom Lendenwirbel hoch in Richtung Schultern.

Denkste, röchelt der Körper, vonwegen nur der Körper.

Körperspuren. In den Körper hineinspüren. Gleichberechtigung. Achtsamkeit, das ist jetzt mal dran, Lotte!

Ich dachte, ich kann einfach wieder lossprinten, letzte Woche auf dem Sportplatz. Meine Runden drehen, wie immer. Ungeachtet dessen, dass sich etwas verändert hat, vor allem meine Kondition und mein Ziel. Es ist Zeit, etwas zu verändern, anzupassen, weicher werden zu lassen und wahrhaftiger.

Das was mein Körper mir zeigt, ist ein Kleinformat dessen, was wir im Großen, universell auch sehen. In unserer Art zu leben und zu lieben. Eingefahrene Spuren. Verhärtung, Erschöpfung, Müdigkeit, Erschlaffung. Desinteressen, Gier und Aggression. Mustergütige Egotouren.

Manchmal kann ich nicht nachvollziehen, woher die Worte kommen, die aus mir rausflattern. Ich lasse das jetzt so.  Wird schon irgendwie Sinn machen.

Genau wie die Furchen auf meinem Körperfeld, die ich jetzt so lange liebevoll beackern werden, bis sich Körper und Seele wieder auf Augenhöhe begegnen, sich lange und tief in die Augen sehen, sich erkennen und abfeiern bis in die Unendlichkeit und zurück.

Die Wärmflasche schiebt sich schon mal von selbst in Richtung Chakalaka* Chakra.

Schönen Sonntag.


*südafrikanische, scharf-würzige Soße 😉






Die Farbe der Weisheit

Wenn ich groß bin, werde ich Weisheit, sagt die kleine Intuition, taucht im bunten Bällebad unter und verschwindet. Meine Intuition ist klein und unscheinbar. Sie kann sich vortrefflich aus dem Staub machen, ohne dass ich es bemerke.

Sie ist also weg. Sie spielt im Bällebad, während ich mir die Farbe ins Haar schmiere, und mir ein altes Handtuch um den Kopf wickle.
Während das Zeug einwirkt, denke ich, kann ich meditieren. Fünfundzwanzig Minuten. Das ist genau die richtige Zeit. Zehn Minuten weniger als auf der Packung angegeben. Prima. Genau richtig für mein feines Haar.

Timing kann ich. Ich mach das mit Gefühl. Das läuft bei mir aus dem Bauch heraus.

Ich sitze auf dem Bänkchen, spüre meine Sitzknochen, atme leicht wie eine Sommerbrise ein und auf MU aus. Die Stille lädt mich ein und ich folge ihr und freue mich, dass es sich heute so leicht anfühlt, dass da mal kein alter Schmerz oder eine undefinierbare Traurigkeit auftauchen und um Achtsamkeit buhlen.

Als ich die Augen wieder öffne ist der Sand von über vierzig Minuten durch die Uhr gelaufen.

Fluchtartig verlasse ich die Decke, stürme ins Bad und wickle mich aus dem Handtuch.
Mein Haar ist dunkel. Sehr dunkel. Noch dunkler als dunkel. Mittelaschblond steht auf der Verpackung und irgendwas von natürlicher Pigmentierung.

Pauschal mag das zutreffen. Individuell leider nicht, leider gar nicht.

Scheiße. So war das nicht gedacht!

Fehler, denke ich, das war ein Fehler. Einer, den ich schon so oft gemacht habe. Warum, Himmel nochmal, höre ich meiner Intuition nicht zu?
Für einen Augenblick möchte ich weinen. Über die mindestens zwei Nuancen, die mein Haar zu dunkel ist und über meine Taubheit gegenüber der wahren inneren Stimme. Intuition!

Schließlich entscheide ich mich für Lachen und tröste mich damit, dass das melierte Grau, meine true Color wiederkommen wird. Schnell sogar.
Was solls. Es sind nur Haare!

Ich setze mich ans Klavier und interpretiere ein uraltes Lied Sechzig Jahre und kein bisschen weise, Aus gehabtem Schaden nichts gelernt. Sechzig Jahre auf dem Weg zum Greise Und doch sechzig Jahr‘ davon entfernt.
Dann springe ich von einem Akkord zum nächsten, von einem Jürgens zum anderen Jürgens.

Mit sechsundsechzig Jahren, da fängt das Leben an… Da föhn‘ ich äußerst lässig, Das Haar, das mir noch blieb. Ich ziehe meinen Bauch ein, Und mach auf heißer Typ.

Und während ich so vor mich hin klimpere höre ich die Ansage:

Die kleine Intuition möchte aus dem Spieleparadies abgeholt werden, die Weisheit der Intuition wird gebeten, die kleine Intuition aus dem Spieleparadies abzuholen, die Weisheit bitte jetzt ins Spieleparadies, um die kleine Intuition…

Ich komme ja schon, höre ich mich sagen, und mache mich auf den Weg ins Bällebad, um die Intuition abzuholen, sie an die Hand zu nehmen und nie wieder loszulassen.