Der Tag an dem der Philosoph mich striff

An einem Tag, es war im Mai,
ich ging auf meinem Weg,
da traf ich, völlig unverhofft,
'nen Typen, der war schräg.

Sein Haar schlohweiß, wie sein Gewand,
die Augen blau, der Blick charmant,
bat er mich drum, mal stehen zu bleiben,
er wolle mir nur kurz was zeigen.

Wie ich nun bin, kam ich ins Stutzen,
fragte mich still nach einem Nutzen,
da hob er an, er würde hoffen,
ich sei für neue Perspektiven offen.

Na gut, sprach ich, dann trau ich mich,
und sah ihm klar ins Angesicht, 
das sich mit Lächeln überzog.
Und schon begann ein Dialog.

Er bot mir an, ein Stück zu schreiten,
Bewegung, sei nicht abzustreiten,
mache den Kopf, Herz, Seele frei.
Okay, sprach ich, ich bin dabei.

Wer bist du, und wenn ja, wieviele?
Gehören Triebe stets zur Liebe?
Was ist der Wille?
Ist er frei?
War erst die Henne, dann das Ei?
Ist die Moral geprägt von Strenge?
Und Freiheit die, die Kette sprenge?

Die Zeit wurde bedeutungslos,
ermüdet fielen wir ins Moos,
schlossen die Augen, schliefen ein.
Es muss ein Traum gewesen sein.

Vielleicht aber auch nicht.
Erkenntnis ist zwar keine Pflicht.
Doch seit dem Tag bin ich erpicht,
den Dingen auf den Grund zu gehen.
Sie vielseitig mir anzusehen.
Gesetztes auch zu revidieren.
Empfehlung auch mal ausprobieren.

Seit jenem Tag in jenem Mai,
da ist viel Zeit vergangen.
Der Philosoph hat mich gelehrt,
nach jedem Tief neu anzufangen.

So ist die Ganzheit nun einmal.
Hoch auf den Berg, hinab ins Tal.
In Freude ganz so wie im Schmerz.
Dem schrägen Typ gehört mein Herz.

(c) ideenlese

Die vergessene Eile

Ich mag die Langsamkeit 
des Seins in ihrem gelassenen Innehalten.
Zeit zum Spüren,
Zeit zum Berühren.

Ich mag die mutige
und erhabene Zuversicht,
den Geist fein säuselnden Humors.

Ich mag den Takt des
langsamen Walzers,
sein Schmiegen und Turteln.

Ich mag diesen Text
und dieses Klavierspiel
von Stefan.

Sie kommen gelegen,
auf den Punkt, wie Balsam
auf den selben,
der ein wenig wund ist,
ein wenig schmerzt.

In dieser Zeit
des Fragens, des Hoffens,
der Befürchtungen.

Wie ein kleines,
sinnliches Wunder,
an dessen Erscheinen
der Glaube verloren ging.

Nur fast.

Danke Stefan.
Wundervoll.
🌺

Heute in der Frühe begrüßte mich in meinem Garten unweit des Kirschbaums eine Weinbergschnecke, die im vom Morgentau benetztem Gras ihren Walzer der …

Die vergessene Eile

Little Eros

Ein Phänomen.
Gedanken. Freudiges Gespür.
Von mir zu dir. Von dir zu mir.
Ohne Pause. Lässt mich nicht los.

Zuviel der Wonne.
Wo führt das hin? Egal. Macht Sinn.
Die Blume stirbt. Der Samen nicht.
So jedenfalls der Dichter spricht.
Recht hat er.

Ein Wort dafür. Wofür?
Keinen Schimmer. Ich denke an dich.
Mit Freude. Fast immer.

(c) ideenlese

Violeta


Es stand ein Veilchen auf dem Brett,
war schön, war blau und auch noch nett.
So stand es dort recht schmuck herum,
und Tag für Tag ging so herum.

Das Veilchen wurde ziemlich trocken,
und konnte weder blühen noch zocken.
Auch seine Farbe wurde blasser,
Warum?
Auch Veilchen brauchen Wasser.

Es war schon Winter, tiefer Frost,
aus Veilchen wurde nun Kompost.
Das war jedoch noch nicht das Ende,
denn dann, Bonheur, kam eine Wende.

Denn unseres Veilchens DNA,
schon immer Wildes Veilchen war.
So teilte es sein strahlend Ich,
in Feldern von Vergissmeinnicht.

Ein Veilchen, das braucht keinen Topf,
es hat einen ganz eigenen Kopf.
Braucht Sonne, Wasser, Wind und Liebe.
Für Schönheit,  Blau und Lebenstriebe.

© ideenlese



Spinat

Ein Teller Spinat,
der stand in der Tat,
im Traum heut vor mir.
Und fragte mich dann,
was er mir fortan
Gutes tun kann.

Ich denke, so sprach ich,
verspeisen ist Phase,
Duft von Spinat
steigt mir in die Nase.

Halt ein, mein Kind,
sprach Spinat da leise,
think twice
und entscheide dich weise.

Dann machte es Blubb,
vorbei war der Traum,
nun stehen
Spekulationen
im Raum,
welche Botschaft Spinat
im Traumbild wohl hat.

Ich jedenfalls bin
zufrieden und satt.

Schönen 1. Mai.
Spargel kann jeder.

(c) ideenlese




Spätes Wunder

Spätes Wunder, ideenlese by christine, 2022
Eines Tages, es ist Juni.
öffne ich mein Emailfach,
Absender Professor Peter,
meine Knie werden schwach.

Lang habe ich nach dir gefahndet,
hoffe, dass du es auch bist,
fünfzig Jahre sind vergangen,
habe dich so oft vermisst.

Wie gern hätte ich mein Leben,
lieber doch mit dir geteilt,
habe manche Sommernächte
heimlich nur von dir geträumt.

Ich wohnte in Nummer vierzehn,
du dicht dran in Nummer acht,
schreib mir wenn du kannst und möchtest,
was hast du bis jetzt gemacht?

Hi Prof, sehe ich mich schreiben,
mir geht's gut, ich bin okay,
und dann hüll ich mich in Schweigen,
weil ich es schon kommen seh.

Wir waren fünf, als wir uns trafen,
Kinderliebe, stark und tief,
lebte fort ein ganzes Leben,
Schicksal, dass sie uns jetzt rief.

Fünfig Jahre sind vergangen,
Leben ist, was Leben macht,
manches kann man neu anfangen,
anderes ist schon vollbracht.

Manchmal trinken wir 'nen Kaffee,
ab und zu auch einen Wein,
wollen für den Rest des Lebens
einfach miteinander sein.

Peter wohnt nicht in der vierzehn,
ich nicht mehr in Nummer acht,
Grau sind wir und doch wie Kinder,
Leben ist, was Liebe macht.

Hier geht es zum Anfang der Geschichte

(c) ideenlese 2021/2022

Flügelschläge, grüner Tee & Currywurst



Zwischen Geburt und Tod liegt ein Flügelschlag. Ich breite meine Arme aus und beginne zu schlagen. Ich ahme die Flügelschläge eines großen Vogels nach. Ich nehme mir viel Zeit und hebe und senke graziös meine Schwingen.
Meine verspannten Nackenmuskeln rufen mir zu: Fly, Baby, fly.

Was, wenn ich gleich abhebe?

Ein bisschen fliegen, für eine Weile schweben, Freiheit von all dem Zeug und Kram, von dem ich mich binden und in Beschlag nehmen lasse?

Misses Jott schnuppert an der Verlockung der Freiheit, niest vom wohligen Kribbeln in der Nase und genießt den warmen, strahlenden Duft.

Mit geschlossenen Augen spüre ich nach, wie wenig Zeit zwischen dem Auf- und Abschwingen der Flügel liegt.
Ich beschleunige und entschleunige und gleite schließlich von der Frequenz eines Kolibri Flügelchens in das behäbige Pflügen des Albatros.  Schließlich finde ich mich in der Pose eines sterbenden Schwans wieder.

Wenn ein Schwan singt, lauschen die Tiere
Wenn ein Schwan singt, schweigen die Tiere
Und sie neigen sich tief hinab, raunen sich leise zu:
Es ist ein Schwanenkönig, der in Liebe stirbt. (Karat)

Irgendwann hebt sich der Flügel nicht mehr. Und, ja, in Liebe zu sterben, das ist Vollendung.
In Liebe zu leben hat für mich den größeren Charme.

Wie viel Zeit haben wir zwischen dem Auf- und Abschwung eines Flügels? Wie viel Zeit habe ich noch?
Keine Ahnung.
Schlage ich viel zu oft mit den Flügeln? Mache ich immer noch viel zu viel Wirbel um die vermeintlich wichtigen Dinge des Lebens?

Wie wäre es, viel öfter zu segeln? Die Flügel auszubreiten und sich von Wind und Thermik tragen lassen zu lassen?
Was tue ich und vor allem was unterlasse ich in der Zeit, die ich habe. Der Flügelschlag, der zwischen Ein- und Ausatmen liegt. Bin ich am Leben, im Leben? Oder bin ich eigentlich mit meinen Gedanken und Gefühlen beschäftigt und in Vorstellungen verhaftet, die nichts oder nur sehr wenig mit dem zu tun haben, was jetzt ist und was meins ist?

Fülle ich mein Leben mit dem Credo des Müssens und Sollens? Verausgabe ich mich im Erfüllen von Erwartungen, von denen ich meine, dass sie an mich gestellt werden? Bin ich ein Wunscherfüller, ein Anerkennungsjunkie?
Suche ich unablässig nach dem ultimativen Mittel, das mich endlich glücklich macht?

Setze ich mich den abertausenden Informationen, die unablässig auf mich einhämmern wie hilflos aus, weil ich glaube, dass ich das alles wissen muss?

Ich weiß nichts, außer, dass im Kühlschrank noch eine Currywurst von vorgestern liegt, die ich jetzt essen werde. Kalt. Und dazu mache ich mir einen grünen Tee.
Komische Mischung? Ja. Komische Mischung. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.

Ist vom Tier, ist zu fett, macht Cholesterin und Heißhunger auf Schokolade, die wiederum zu viel Zucker hat und auch zu viel Fett; und der grüne Tee? So, wie du ihn trinkst ist er eigentlich tot, der muss frisch sein und das Wasser darf nicht kochen, sondern maximal 70 Grad haben und ….

… und was? Fresse halten.

Wenn es dir so wie mir geht und du immer noch viel zu oft versuchst, alles richtig zu machen, gesund zu leben, den Müll zu trennen und nebenbei noch die kleine und große Welt zu retten und dir jeden unerbetenen Ratschlag zu Herzen nimmst, dann fang an, jetzt kräftig mit den Flügeln zu schlagen und deine zuverlässige Bodenständigkeit unter dir zu lassen.

Etwas unter sich lassen. Ist das nicht auch die Bedeutung von pinkeln? Wunderbar. Ganz genau. Passt doch.

Dreh deine Lieblingsmusik auf, tanze, singe und lass mal kribbeln. Spür mal, was dir ein Kribbeln in der Nase und tiefer verursacht. Und dann welcome an dem Ort, an dem du dich selbst triffst. Da, wo es strahlend, warm und lustig ist. Da, wo du weder neue Klamotten oder anderen Schnickschnack brauchst, um dich gut zu fühlen.

Da, wo du kalte Currywurst essen und grünen Tee trinken kannst, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.
Cheerio!






2011: Der eigene Rhythmus

10 Kilometer Testlauf in unter 50 Minuten! Super. Ein Ergebnis, über das ich mich richtig freuen kann.

Nein, es ist nicht mein Erfolg und nicht mein Ergebnis. Ich las darüber in einem Laufblog, das ich hin und wieder aufsuche, weil es sich auf das Thema Laufen konzentriert und schön und schlicht den Sport „bei der Wurzel“ packt. Noch vor einem Jahr wäre mein Ehrgeiz geweckt gewesen, meine eigene 10-Kilometermarke endlich auch auf die magische „49“ zu bringen, anstatt bei „59“ zu stagnieren.

Doch fast nichts ist von diesem Bestreben übrig geblieben.

Locker und entspannt kann ich zulassen, dass andere schneller sind.

Selbstverständlich ist es mir nach wie vor wichtig, bestimmte Zielzeiten zu erreichen. Die Halbmarathondistanz in 2.12. z.B. oder den Hermannslauf unter 4 Stunden. Keine Ergebnisse, die in irgendeiner Rekordliste erscheinen und einzig dem Zweck dienen, in Bewegung zu bleiben und ein Ziel im Auge zu haben.

Ohne Ziele würde ich meinen Hintern wohl weniger bis gar nicht bewegen. Aber, da ist mehr Ruhe, mehr Gelassenheit in mein Läuferleben eingezogen. Der selbst gemachte Druck, immer schneller zu werden, obwohl der altersbedingte Zenit überschritten ist, hat sich aufgelöst.

Es ist ein wunderschönes Gefühl, beim Laufen dieses warme Strömen zu spüren, den Spaß, der Anstrengung nicht ausschließt. Einerseits. Und bei einem anderen Lauf ebenso den Intervall in der gesetzten Zeit absolvieren zu können. Eine Zeit, die meine ist. Ein Lauf, der zu mir passt. Individual running rhythm. Das Leben ist ein Lauf. Meiner und Deiner!

Liebestaumel

Benommen vom Taumel der Faszination 
des Erkennens, dass die absolute Wahrheit
jenseits aller Worte und Bilder verborgen
liegt.

Wie ein mildes Lächeln erst, im Schlaf,
das auf den Kuss des Erwachens vertraut
und im Gewandt reiner Liebe
anhebt, zu einem Lachen.

Von dort hinein in den Taumel der Freude,
berauscht von der klaren Sicht jenseits aller Worte und Bilder.

(c) ideenlese 2021





Ein Fest

Manchmal steh ich auf dem Schlauch, 
ganz ohne Ahnung, aber auch,
den Ahnen auf der heißen Spur,
ein kleines Stückchen
fehlt mir nur.

Der Tritt in Hintern, Analyse,
paar klare Worte, Expertise,
das Grauen der direkten Art,
mit tiefer Zuneigung gepaart,
Rundumpaket nach Dallschafart.

Dann weiß ich gleich,
wer mir vertraut, Herz über Kopf
ins Innen schaut, wem ich mich
nackt zu zeigen traue,
auf dass er meine Seele schaue,
mich nimmt mit allem Zipp und Zapp,
den ich, en masse, zu bieten hab.

Es ist ein Fest mir, ohne Frage,
und dauert an, dreihundert Tage,
gelebt in Freude, Neugier, Lassen,
geliebt,gehalten, rote Tassen.

Und war und ist mir ein Vergnügen,
dich in mein Dasein einzufügen,
gleich einem Teil in einem Puzzle,
und das ist echt mal großer Massel.
Tov.

(c) ideenlese

Haare



Aus den feinen Löchern ragen schwarze Borsten. Die bunten Plastikröhren sehen wie fette Raupen aus, die sich hellblau, rosa und zitronengelb an den Strähnen festkrallen. Auf dem Scheitel sitzen die großen, über den Ohren die mittelgroßen und im Nacken die kleinen, wie auf einer Tribüne, dicht an dicht, bis sie alle in der Schublade unter dem Waschbecken verschwinden, getrennt von den Nadeln, die wie ein langgezogenes U aussehen.

Aus den Locken wird ein Nest toupiert und in seine Mitte, wie ein aufgeplustertes Küken, ein Haarteil gesetzt. Dutzende Haarklammern verbinden das eigene Haar mit dem fremden, sie vereinen sich zu einem Turm aus Haaren und werden mit undurchdringlichen Nebelschwaden von Haarspray und Haarnetzen, fein wie Spinnweben, in Form gehalten.

Echthaar muss es sein. Niemand fragt, woher diese echten Haare kommen, wem sie gehörten. Wem gehören die Haare? Sind die Menschen, deren Haare jetzt Haarteile sind, gestorben? Oder leben sie noch? Ich traue mich nicht zu fragen, sitze in einem Babydoll aus rosa Polyester auf dem Klodeckel aus schwarzem Kunststoff und berühre vorsichtig die drei Wickler auf meinem Kopf. Sie sträuben sich. Der Druck zwischen Wickler und Haaransatz nimmt stetig ab. Und schließlich entlassen die borstigen Lockenwickler mein seidenes Kinderhaar in seine Freiheit und kullern auf den Boden, enttäuscht über die Glätte meiner Haare oder froh, ihnen entkommen zu sein? Wer weiß das schon.

Ich malträtiere mein Spinnwebenhaar mit Dauerwellenflüssigkeit die so ätzend ist, dass mir die Augen tränen und die Kopfhaut sich anfühlt, als wäre sie unter einen Flammenwerfer geraten.

Ich färbe mir die Haare mit Henna orangerot und trage eine blonde Perücke, dazu eine schwarze Sonnenbrille und sehe aus wie ein Mitglied der RAF. Mein Vater erkennt mich nicht und macht mir die Tür vor der Nase zu.

Der Preis für Locken und lange Haare, die keine langen Haare werden wollen, ist hoch. Die dünnen, feinen Haare werden noch dünner und noch feiner. Sie legen ein Veto nach dem anderen ein, flehen darum verschont zu werden und fallen schließlich aus, weil ich ihnen nicht zuhöre, weil ich sie quäle und ihnen nichts anderes übrigbleibt.

Je mehr ich lang und lockig will, desto mehr lichten sie sich. Ein Kampf, den ich verliere.

Ihr Haar ist zu zart für eine Dauerwelle, sagt mir der Frisör. Ich bleibe stur und komme nach vier Stunden mit einer Frisur nach Hause, die wie ein aufgeplatztes Sofakissen aussieht. Die Seide ist zu trockenem Stroh geworden.

Meine Kinder erkennen mich nicht wieder und verstecken sich erschrocken hinter dem Lesesessel, und meine beste Freundin wird blass und kann ihr Entsetzen nur mit Mühe verbergen.

Bis ich herausfinde, dass mein Haar ist wie es ist und zu mir passt, weil ich bin wie ich bin, vergehen drei Jahrzehnte. Und mein Haar revanchiert sich dankbar für meine Einsicht, entspannt sich, erholt sich und wird sogar etwas voller.

Silbrige Patina legt sich über die  Strähnen meiner einst  dunkelbraunen Haare, veredelt sie wie der weiße Schimmel die Salami.

Die Patina, die mich mein Leben und mich mitten drin noch einmal mit einer ganz besonderen Geschmacksnuance verwöhnt.

(c) ideenlese


Wicht ich

Will ich
meinen BH verbrennen?
Bambule feiern
zetern, flennen?

Will ich
das Andere
schrill verfluchen?
Die Schuld akribisch
grollend suchen?

Will ich
mich opfern
für die Sachen,
mein Glück abhängig
davon machen,

Wovon ich denke,
dass ich muss?

Nope.
Damit ist jetzt Schluss.

Was ist denn wichtig
für ein Leben?
To do nach Liste,
schnelles Streben?

Selbstoptimierung,
Perfektion?
Tolles Gehalt,
doch wenig Lohn?
Sich selbst erschöpfen,
Welt gleich mit?
Mal ehrlich,
hältst du da noch Schritt?

Ich kann.
Das Meiste
kann ich nicht.
Denn ich bin Mensch,
somit ein Wicht,
wie alle anderen
Wichte auch.

Mit einem Ende,
das es braucht,
um einzusehen:
Unser Leben,
fragil,
im Geben und im Nehmen.

(c) ideenlese

Im Land der Gaukler

Im Land der Gaukler
schlug ich einst die Trommel,
tanzte ihren Schritt.
Clownin in mir
und Gauklerin.
Beide tanzten mit.

Jonglage zwischen den Welten.
Schaukeln auf dem Trapez,
hoch oben,
unter dem Zeltdach
der Träume und Illusionen.

Clowns sind frei und frech,
neugierig und staunend, 
laut und leise,
zart und derb,
naiv und weise.

Behutsam gehen sie über Grenzen
und auf Reisen.
Spielerisch öffnen sie neue Räume,
im Land der Illusionen 
und Träume. 

Im Land der Gaukler
schlage ich die Trommel,
tanze ihren Schritt.
Clownin in mir,
tanzt ewig mit.

(c) ideenlese 

Frau Mauerblum & der Olivenbaum



In Mauers Schatten finden sich,
bescheiden und geflissentlich,
stets diese kleinen, zarten Blüten,
die vor der Sonne sich gern hüten.

Refugium ihr Schattenreich,
statt bunt bleiben sie gerne bleich,
da sieht sie niemand,
schlimmstenfalls
bricht ihnen jemand nur den Hals,
weil man mit Unkraut sie verwechselt,  
und daraufhin sie kurzum häckselt.
 
Jedoch, so hörte ich vor Tagen,
’nen Gartenfachmann kundig sagen,
gibt es in dieser Gattung Kraut,
mal eine, die sich etwas traut.
So auch Pauline Mauerblum,
die sich mit ihrem Mauertum
nur schwerlich anzufreunden dachte
und sehr viel lieber schallend lachte.

Vor Albernheiten jeder Prägung,
zog sie deshalb auch in Erwägung,
sich ihren lang gehegten Traum,
vom Sein unterm Olivenbaum,
statt an der Mauer zu verdorren,
als Vision nun festzuzurren.

So zupfte eine milde Hand,
sie kürzlich weg vom Mauerrand,
und pflanzte sie,
was für ein Traum,
direkt unter gewünschten Baum.
Nun blüht sie auf mit sonniger Miene,
Frau Mauerblum, genannt Pauline.

(c) ideenlese

Kaffee mit Schopenhauer

Er kommt ohne Ankündigung und nimmt selbstverständlich am Kopfende des Tisches Platz. So, als hätte er es schon immer auf diese Art getan. So, als sei es einzig und allein sein Platz, nicht dazu angetan ihm streitig gemacht werden zu können.

Offensichtlich der Aufwand, den er mit seiner Morgentoilette betrieben haben muss. Sein Haar in exzentrische Form gebracht, sein Anzug ein Kostüm, eine anmutige Zumutung, ein Aufzug, unbestechlich in seiner Eleganz längst vergangener Zeit.

Arthur, sage ich, wie schön, dich zu sehen. Es ist ein Weilchen her.

Ich straffe meinen Rücken und hebe das Kinn um einige Millimeter.
Arthurs Blick trifft mich und lässt mich Stellung und Contenance halten.

Du weißt, beste Freundin, erhebt er die Stimme, was ich vom Weibe halte, nicht wahr?
Du weißt es nur zu gut, dass ich ergo nicht darauf aus bin, hier und heute mit dir zu disputieren. Noch dazu, wo du dich ganz offenkundig nicht bemüßigt fühlst, dich meines Besuches mit angemessener Kleidung und Staffage würdig zu zeigen.

Arthur, erwidere ich so sanft wie möglich, willkommen in meiner Welt! Obschon ich deinem Geiste sicher unterlegen bin, so denke ich schon, dass uns ein kleiner, feiner Disput beiderseitigen Genuss bescheren könnte. Selbstredend geführt durch deine Brillanz. Und, geschätzter Arthur, jede Zeit hat ihre Eigenart und Mode.
Mutig fahre ich im Plauderton fort.

Deine Reise durch die Zeit hierher in mein bescheidenes Haus war lang, du musst erschöpft sein an Geist und Gliedern. Erstmal einen Kaffee? Schwarz? Mit Milch? Soja, Mandel, Hafer? Vielleicht einen Zwieback dazu? Ich habe noch einen Rest köstlichen Holundergelees im Kühlschrank.

Arthur hebt fragend und streng zugleich die rechte Augenbraue und ich meine ein winziges Zucken seiner Mundwinkel als angedeutetes Lächeln identifizieren zu können.

Schon der Anblick der weiblichen Gestalt lehrt, dass das Weib weder zu großen geistigen, noch körperlichen Arbeiten bestimmt ist, zitiert Arthur sich selbst und setzt dann fort, du darfst mir einen Kaffee andienen, meine Beste, schwarz.

Sehr gerne, lieber Arthur.

Und dann sitzen wir eine Weile beieinander und nachdem ich Arthur erklärt habe, was ein Kühlschrank ist, taut er auf und erzählt mir von seiner unglücklichen Liebe zu Karoline, damals, als er einundzwanzig und sie, elf Jahre älter als er, so unerreichbar war.
Diese unerreichbare und unerfüllte Liebe, so gibt Arthur zu, nachdem wir von Kaffee zu Portwein übergegangen sind, hat ihn zynisch werden lassen. Die Genitalien, sagt Arthur schließlich mit schwerer Zunge, die Genitalien sind viel mehr als irgendein anderes äußeres Glied des Leibes bloß dem Willen und gar nicht der Erkenntnis unterworfen.

Auch nicht der Erkenntnis der Lust und der Vereinigung  von scheinbaren Gegensätzen? frage ich nach.
Oder, frage ich weiter, als Energie höherer Instanz, die der Erkenntnis näher ist als dem individuellen Willen?

Arthur schaut mich verständnislos an und eine Träne rinnt ihm über die Wange, als er meine Hand nimmt, einen Kuss andeutet und sagt: Ach Christine, was die Weiber betrifft, so war ich diesen sehr gewogen – hätten sie mich nur haben wollen.

Und dann lassen Arthur und ich den Dingen ihren Lauf, allein die leere Portweinflasche ist unser Zeuge.

Quelle Zitate: https://www.aphorismen.de/zitat/4182





Von oben gesehen

Der Käse, ist er hoch erhitzt,
zieht Fäden stets statt Kreise.
Das Wasser, wird es richtig kalt,
gefriert schon mal zum Eise.

Die Sonne bringt es an den Tag,
der Mond hüllt sich in Schweigen,
und sieht von oben ruhig zu,
bei dem, was wir so treiben.

Der Käse, den wir fabrizieren,
verbinden und zertrennen,
den kalten Umgang unter uns,
und dann das drüber Flennen.

Die falsche Liebe und die wahre,
das Trauern nach dem Gestern,
die Predigten im Freiheitsreim,
hört, hört, Brüder und Schwestern.

Wir ziehen Fäden wie ein Käse,
blasen, sogar das Laub,
und sind vom ganzen Lärm um nichts,
auf Ohr und Herzen taub.

Der Mensch, ein dünnes Fädchen bloß,
manchmal ein loses Ende,
Erkenntnis wie ein Käse nur,
kein Ausblick auf die Wende.

Der Mond indes total verknallt,
Botschaft an seine Sonne,
Ach du, mein ewig leuchtend Stern,
du bist mir eine Wonne.

Dein helles Herz strahlt unentwegt,
auf meinen dicken Bauch,
ich liebe dich, trotz der Distanz
und weiß, du liebst mich auch.

Die alte Sonne krault dem Mond,
zärtlich Telepathie,
zuerst den Kopf, den Hintern auch
und tiefer, bis zum Knie.

Die eine spielt ihr Spiel bei Tag,
der andere bei Nacht,
so gibt es keinen Sternenkrieg,
Chapeau- echt gut gemacht.


(c) ideenlese 2022


So’ham & Der Schabernack

Einen Tag nach der Migräneattacke geht es zur Sache. Ein kunterbuntes Drunter und Drüber tobt über die Flure der grauen Masse im Oberstübchen. Gedanken spielen Blinde Kuh und Hasch mich, ich bin der Frühling. Flöhe hüten ist einfacher, als diesen Kindergarten der Schlaumeier und Neunmalklugen unter der Schädeldecke im Zaum zu halten.

Legionen von Absurditäten in nächtlichen Traumsequenzen: Inferno, Armageddon, Tsunami; und danach: Stille. Nüscht mehr! Niente. Nada. 

Wenn der Schmerz abebbt, wird es klar. Einsichten von betörender Schlichtheit. Schön, wie ein Butterbrot, wie ein Bergsee, wie ein unerwartetes Lächeln.
Diese Zeit währt kurz, wie ein flüchtiger Flirt. Es ist eine Zeit, in der mich der Schabernack verführt und meinen Verstand lahmlegt. Guter Typ.

Er nimmt meine Hand, dreht die Musik laut auf, Abba, Bay City Rollers & Co., archaische Trigger und lässt meine Hüften die einzig wahre Sprache sprechen. Er verführt mich zu Tätigkeiten, die dank ihrer Einfachheit Juwelen für das Sein sind. Klo putzen, bügeln, wischen und das alles in Zeitlupe.

Mein Schabernack haut mir auf die Finger, sobald ich zu irgendeinem Fachbuch greifen, wissenschaftliche Dokumentationen auf arte und 3Sat starten will, oder sonst einer wichtigen und ernsthaften Beschäftigung nachgehen will.

Er schüttelt mir die Kissen auf, drückt mich mit sanfter Gewalt in dieselben, legt sich neben mich und flüstert: Die Wirklichkeit steht nicht im Lexikon. So’ham und dein Lachen ist alles, was du brauchst.

So’ham. Ein Mantra aus dem Sanskrit, das so viel bedeutet, wie Er ist ich, Ich bin er und die Einheit von Individualseele und dem Absoluten beschreibt.

So’ham.
Schon Marianne Rosenberg hat darüber gesungen. Ich bin wie Du, ahaha, wir sind wie Sand und Meer, uhuhuuu, und füreinander immer nur da, hahahahaha.

Und ich schließe die Augen, lächle, atme und fühle mich mittendrin im Leben, in mir. Ich merke gerade noch, wie der Schabernack mir einen Kuss auf die Stirn gibt, mich in die Wange zwickt und mit einem So’ham, du kannst dich nicht von deinem Schabernack trennen, mitten in mein Herz hüpft.

So’ham.
Mittendrin. All in One.