Geier

Den Ast von dem Olivenbaum, krallt sich ein Geier, um zu schauen, ob sich erfüllt sein jüngster Traum, hier unter dem besagten Baum.

Ihm träumte, dass an diesem Fleck, schon bald Lebendiges verreck.

So hockt er lange, ihm wird schwächlich, ihm schwant, dass er beträchtlich, von seinem Traum sich täuschen ließ.

Er magert ab, was für ein Grauen, die Ohnmacht schüttelt ihn vom Baum.

Da liegt er nun und ist am Ende. So mancher Traum führt zu ner Wende, mit der du nicht gerechnet hast. So sitze auf dem rechten Ast und warte nicht zu lange, sonst fällst du von der Stange.

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Umnachtung

Die Bilder und Farben der Nacht flüchtig,
platzen sanft, plopp, wie Seifenblasen.
Schillernd, da und doch nicht, immer wieder.

Berstend, plong, wie der Korken auf der Flasche,
Wohnstatt des Geistes, der schmunzelnd in die Freiheit fließt,
der Enge entsagt.
Freier Wille.
Freier Geist.

Das Ende des Pferchtums zu feiern lädt er ein,
begünstigt durch Brise und Gelb und Grün und Orange,
den roten  Klatschmohn schon ahnend,
die Freude schmatzend und schlürfend,
den Tag und die Sonne tanzend zu begrüßen.

Ergüsse, Genüsse spielend erkunden,
was immer sich kund tut, das darf und kann,
die Flasche verkorkt, pfütt, darinnen Angst, Scham und Gier.

Von Bildern und Farben der Nacht, entfesselt,
dem Tag zugetan, dem Licht,
verliebt über alle Gezeiten hinweg.
Umnachtung?
Plopp, Frühlingserwachen.