Spätblüher

Aquarell, Christine 2021

Jetzt nehme ich mir, was ich kann, ich finde, ich bin jetzt mal dran und lasse meine Knospen sprießen, vom Füllhorn Freude mich begießen.

Du sagst, ich sei die Anemone, blüht spät, im Herbst, ob sich das lohne? So kurz bevor der Winter naht?

Und ich frag dich, hast du gewusst, dass eine Blume gar nichts muss? Sie blüht stets wenn sie kann, wie schon gesagt, ich bin jetzt dran.

Drum nehme ich mir diesen Kuss, mag sein, den letzten, vor dem Schluss, tauch ein im Kreislauf der Natur, richte mich nicht nach deiner Uhr.

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Der kleine Mut

Foto: Martina Brüne, Kunstraum 300

Er lernte gerade selber laufen, allein ein Erdbeereis zu kaufen, mit Sahne, drunter und viel drauf und träumte von dem großen Lauf, den er aus eigner Kraft mal schafft.

Er lernte gerade, Ich zu sagen, sich mal zu zeigen, was zu wagen und spürte, das tut richtig gut, hey, Ich bin Knut, der kleine Mut. Und wenn ich erstmal größer bin, krieg ich ganz andre Dinge hin.

Die Zeit verging und Knut begann, Fuß zu fassen und fing an, manches zu tun, andres zu lassen, erkannte, es gibt kein Zurück und großer Mut führt oft ins Glück. So wuchs er Stück für Stück.

Jetzt kauft sich Knut ganz ohne Scham, denn darauf kommt es gar nicht an, ein riesengroßes Sahneeis und denkt sich still, Jawoll, vom Glück weiche ich keinen Zoll. Ich weiß ab jetzt, was mir gut tut, lächelt, grüßt freundlich und wünscht Mut,

Danke liebe Martina, für die Inspiration am Morgen. Sahneeis für meine mutige Seele! 🍦

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Love & Peace

Um meine Liebe ranken sich Gerüchte und Gedanken, sie sei umwuchert, liderlich, gar irgendwie am Schwanken.

Um all mein Denken wickelt sich derweil ein pinkes Band, es schnürt nicht, ist der Freiheit Freund, als Liebe mir bekannt.

Um all mein Sein da strahlen stets des Regenbogens Farben. Come on my friend, feel love and peace, Du darfst dich daran laben.

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Emilie

Emilie my Enemy, wie Efeu wucherst du.

Emilie my Enemy, was sagst denn du dazu?

Emilie my Enemy, wir beide sind Rivalen. Nur hab ich keine Lust dazu, allein dafür zu zahlen.

Emilie my Enemy, nimm dir von meiner Liebe.

Emilie my Enemy, im Tausch, dass ich noch bliebe.

Emilie my Enemy, komm, trinken wir ein Bier. Vielleicht wirst du mir Freundin sein und ich bleibe noch hier.

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Ich brauche dich nicht

Ich brauche dich nicht, damit du mein Ego mit Champagner abfüllst, duselig machst von sich selbst, ihm schmeichelst, es anbetest wie ein Götzenbild.

Ich brauche dich nicht, als Ideal, geschniegelt und geleckt, wie aus dem Ei gepellt, glatt wie Mamor, eine immer gleiche Statue, glänzend und stark.

Ich brauche dich in deinem Schmerz, deiner Erschöpfung, deiner Müdigkeit. Mit all deinen Wunden und Narben, in deinen schwächsten Momenten, in deinen dunkelsten Stunden, deiner Angst, deinem Zweifel.

Ich brauche dich wie einen Spiegel meiner Seele, brauche dich auf den Schlachtfeldern der Kämpfe, die meine und deine sind, wie sie schon immer unsere waren.

Ich brauche dich in allen Facetten der Liebe. So brauche ich dich. So brauche ich mich. So brauchen wir uns.

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Inner Picture

Christine, 21/09/12

Turned into space, in me, I see true colors of soul. My inner image shines out of space into space.

Entering the universe, in you, I see your soul, your colors. Mix with my belief that we are from space, in space.

Forever and ever. One.

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Ziehen

Es zieht mich zu mir hin, hinein, tief ins Sein, das mir allein gehört, mich nichts und niemand stört.

Es zieht mich an, das was ich sehe, spüre, was mich trägt, mit stillem Lächeln mich bewegt, dahin wo es mich zieht.

(c) ideenlese

Seelenmieder oder Free the shadow child

Das Telefon klingelt. Ich lasse es klingeln. Was glaubt denn dieses Smartphone, was es ist? Außerdem telefoniere ich nicht gerne. Ich weiß nie so richtig, was ich sagen soll.

Papa lese ich verschwommen, taste nach meiner Lesebrille und wische auf dem Display von links nach rechts, von unten nach oben, bis ich schließlich schnalle, dass ich einfach nur kurz die Fingerkuppe auflegen muss.

Papa? brülle ich hysterisch in mein Handy
Hallo Lotte, ich…

weiter kommt er nicht.

Ist was Schlimmes passiert, frage ich und spule in meiner Fantasie eine Katastrophe nach der anderen ab.

Es ist kurz vor der Tagesschau. Aber mein Film läuft schon.
Niemand ruft um diese Zeit noch irgendwo an. Da wo ich herkomme, telefoniert man nur im alleräußersten Notfall und überhaupt nicht, niemals nach 18 Uhr, dann ist Feierabend und die Leute wollen ihre Ruhe haben.

Und wer vor 18 Uhr den Fernseher laufen lässt, zetert es in mir weiter, der ist inakzeptabel und auf dem besten Wege zu verblöden. Gute Menschen lesen, schlechte schauen RTL2.

Oh Mann! In mir ist wieder richtig was los in der Kindergartengruppe. Mein erwachsenes Ich hat Mühe, das verängstigte Schattenkind, das gerade komplett durchdreht, im Zaum zu halten. Ritalin bitte, und zwar sofort.

Papa! hake ich gefasst nach, was ist passiert?

Na nichts, antwortet Papa. Ich wollte mich nur mal so melden, hören wie es dir geht, ob du gesund bist.

Häh? Mein Vater ruft nie an. Also selten. Meine Eltern melden sich nur, wenn es wirklich wichtig ist. Alles was nicht in die Kategorie Lebensbedrohliche Notaufnahme auf der Intensivstation, Tsunami oder Buschbrand fällt, ist es nicht wert, mitgeteilt zu werden.

Deshalb erschrecke ich meistens, wenn sie sich melden. Das kann schließlich nichts Gutes bedeuten.
Und in Corona Zeiten sowieso nicht. Papa erzählt mir unterdessen in bester Plauderlaune, dass er ein Laufband gekauft hat. Bei Amazon. Er hat es sich schicken lassen. Ging ruckzuck, zwei Tage nach der Onlinebestellung war es da. Nicht so wie früher, als man vier Wochen warten musste.

Meine Oma lässt sich auch oft etwas schicken. Tischdecken, geblümte Kittelschürzen, Bettwäsche und Handtücher für meine Aussteuer und Mieder, die hautfarben sind und vom Knie bis fast unter die Brust reichen. Oma lässt von Quelle, Klingel und Ottoversand Hamburg schicken.

Ich blättere den dicken Quellekatalog von der ersten bis zur letzten Seite durch. Das dauert ungefähr so lange, wie Oma und ihre Freundinnen zwei bis sieben Gläschen Eierlikör genossen und jede ihre Bestellkarte ausgefüllt hat.

Sammelbestellungen sind günstiger. Für eine Sammelbestellung gibt es ein großes Blatt statt einer Postkarte. Oma sammelt alle Karten ein und überträgt fein säuberlich alle Positionen auf das große Blatt.
Einmal Porto bezahlen, fünf Mieder, fünf Kittelschürzen für alle. Mädchenabend im Instagram Format anno 1970.

Nach vier Wochen bringt der Postbote ein riesiges Paket aus hellblauer Kartonage. Die Postboten bringen selten Pakete. Meistens bringen sie Briefe. Und den neuen Quellekatalog.
Was man zum Anziehen braucht, wird selbst genäht oder bei der Schneiderin in Auftrag gegeben.

Der Riesenkarton ist jetzt leer. Ich darf ihn behalten und mir daraus eine Bude aus Pappe bauen. Ich schneide Fenster und eine Tür in den Karton und male Fensterläden und eine Türklinke mit Wachsmalstiften auf die Pappe. Dann krabbele ich ausgerüstet mit Kuscheldecke und Kissen in meine neue Behausung, sehe aus dem Fenster und komme wenig später wieder rausgekrochen, um Oma zu fragen, ob sie mir ein Knäckebrot mit Butter machen kann.

Papa hat das Laufband im Schlafzimmer aufgebaut, plätschert er direkt aus der Smalltalk Quelle,  es steht neben dem Fitnessrad. Prima Sache, sagt Papa, er geht fünf Minuten, dann läuft er zwei und dann geht er wieder fünf. Super ist das. Vor allem dann, wenn mal wieder Sauwetter ist. Da will doch kein vernünftiger Mensch vor die Tür gehen und das tun sie sowieso nicht, solange sie nicht geimpf….Abbruch. Es raschelt und kruschelt und ich halte mir das Phone ein Stück vom Ohr weg.

Mama hat Papa das Telefon entrissen, ich kann gerade noch sagen, schön, dass du angerufen hast, Papa, machst du ja leider nicht so oft, da höre ich es mütterich resolut sagen.

Willst du gelten, mach dich selten. Man muss sich rarmachen, damit man etwas wert ist. Und ich gehe ja bei jedem Wetter nach draußen. Wir sind doch nicht aus Zucker. Dein Vater kauft einfach zu viel Zeug in diesem Internet.

Mama hat gesprochen und schlagartig bin ich wieder vierzehn Jahre alt. Kaum jemand aus meiner Peergroup weiß, dass ich überhaupt existiere, weil ich mich rar mache. Machen muss.

Die Fete beginnt um 18 Uhr, ich muss um Acht zuhause sein. Abzüglich der Wegstrecke bleiben mir zum Feiern ganze dreißig Minuten.
Am nächsten Morgen gehe ich in strömendem Regen und Unwetter zu Fuß zur Schule. Ich bin schließlich nicht aus Zucker.

Zwei Tage später habe ich eine Mandelentzündung und 38 Grad Fieber.
Wer feiern kann, der kann auch zur Schule! 38. Das ist fast normale Temperatur und in der Schule sitzt man die meiste Zeit.

Nein Mama, höre ich mich jetzt lauter und genervter sagen, als ich will, wenn man sich rarmacht, weiß niemand, dass es einen gibt. Sich rar zu machen heißt, nicht da zu sein! Sich rar machen ist voll Jane Austen, Mama.

Jane Austen, fragt Mama, Kind, was liest du denn da?
Warten, bis der Richtige kommt, sticken, stricken, gerader Rücken und jede Art von Wildheit unter einem bestickten Häubchen im Zaum halten, sage ich und kann an Mamas Ausatmen hören, dass sie pikiert ist und meine Ironie angekommen ist.

Ach, mein Mädchen, du warst früher schon immer so rebellisch.

Genau, denke ich, aber nur zwischen 18 und 20 Uhr und nicht an kirchlichen Feiertagen.

Gerade habe ich Selfies gemacht. Es ist nie zu spät für eine glückliche Jugend. Und ich fühle mich jung, vital und lebensfroh. Jedenfalls oft.

Eltern werden ist nicht schwer, Eltern sein dagegen sehr.

Wir haben alle unsere Geschichte, die uns zu dem gemacht hat, was wir sind. Und manchmal ist es richtig harte Arbeit, sich zu trauen, das eigene Drehbuch neu zu schreiben und den Film, der an dieser einen Stelle immer wieder stehen bleibt, weiterspielen zu lassen oder sogar einen Cut zu machen. Rausschneiden, was nicht mehr reinpasst.

Die Geschichten von anderen zu kennen ist eine großartige Sache, finde ich.  Denn dann können wir erkennen, was dahintersteckt, wenn uns jemand sagt, iss doch wenigstens das Fleisch oder Das ist doch noch gut, das kann man noch nehmen oder Erst die Arbeit, dann das Vergnügen oder Schuster bleib bei deinen Leisten oder eben auch Willst du gelten, mach dich selten.

Dahinter stecken Angst, Trauer, Scham und Schmerz. Hunger, Verlust und das pure Überleben. 

Das Schöne am Leben ist, dass wirdie meiste Zeit unseres Daseins die Möglichkeit haben, Verantwortung für uns selbst zu übernehmen und das, was unsere Eltern uns mitgegeben haben weiterzuentwickeln und für uns im besten Sinne zu heilen.

Und das sollten wir tun!

Wir sind nicht die Gefangenen von Glaubenssätzen. Wir sind keine hilflosen Kinder mehr. Wir sind frei. Es ist nie zu spät für eine gute Kindheit und glückliche Jugend.

Und deshalb mache ich jetzt noch ein Selfie oder zwei, einfach so, weil es mir Spaß macht. Und dann lege ich die Füße dahin, wo es mir beliebt.

Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst?

Sogar Papa stellt seine erstmal auf das neue Laufband. Free the shadow child.














Schmerzen und die Frage nach dem Warum

Ab und zu verschiebe ich die Wärmflasche. Sie wird gebraucht. Mal oben, mal unten, mal in der Mitte.

Die Schmerztablette liegt in greifbarer Nähe. Sie ist die letzte ihrer Art in diesem Haushalt. Noch zögere ich, harre aus. Aber während ich tippe, wird deutlich, dass noch vor dem nächsten Satz die weiße Kapsel unterstützt von acht Schlucken Wasser und einem durchdachten Zusammenspiel von Reflexen durch meine Speiseröhre düsen und dann hoffentlich ihren Job machen wird.

Magen an Schmerzzentrum, mach dich locker, du Freak, Ibu ist hochdosiert und hochmotiviert eingetroffen.
Schmerzzentrum an Magen, immer mit der Ruhe, eins nach dem anderen, no pain no gain.
Magen an Schmerzzentrum, zack jetzt, die Dame in weiß eskaliert bereits.

Der Körper und der Sonntag sind sich einig. Heute legen sie mich lahm. Zäsur.
Maximaler Schmerzreiz, verteilt auf strategisch ausgeklügelte Positionen, gleich minimale Bewegungsfreiheit.

Ich schaffe es mit Mühe auf meine Meditationsbank zu klettern. Für eine halbe Stunde kann ich den Schmerz und die Gedanken tatsächlich sein lassen.

Ruhe, Stille, Kontemplation.
Und dann ist er doch wieder da. Der Schmerz im Körper.

Ich versuche zu entspannen, mich auf meine gechillte Seele zu verlassen und dem Körper Zeit zu geben, nachzuziehen. Er schmollt. Das letzte Jahr war teilweise echt die Härte und ich habe ihn vernachlässigt.

Jetzt sind die Rückenmuskeln hart, die Wadenmuskeln hart, die Achillessehne schmerzhaft geschwollen, der Nacken zum Luxusbrettchen avanciert und irgendein Nervengeflecht im Kopf hat sich zu einer Punkrock-Musikgruppe vernetzt, hämmert und kreischt, dass sich die Jochbeine biegen.

Es ist nur der Körper, denke ich. Der kriegt sich schon wieder ein, hoffe ich und verschiebe die Wärmflasche vom Lendenwirbel hoch in Richtung Schultern.

Denkste, röchelt der Körper, vonwegen nur der Körper.

Körperspuren. In den Körper hineinspüren. Gleichberechtigung. Achtsamkeit, das ist jetzt mal dran, Lotte!

Ich dachte, ich kann einfach wieder lossprinten, letzte Woche auf dem Sportplatz. Meine Runden drehen, wie immer. Ungeachtet dessen, dass sich etwas verändert hat, vor allem meine Kondition und mein Ziel. Es ist Zeit, etwas zu verändern, anzupassen, weicher werden zu lassen und wahrhaftiger.

Das was mein Körper mir zeigt, ist ein Kleinformat dessen, was wir im Großen, universell auch sehen. In unserer Art zu leben und zu lieben. Eingefahrene Spuren. Verhärtung, Erschöpfung, Müdigkeit, Erschlaffung. Desinteressen, Gier und Aggression. Mustergütige Egotouren.

Manchmal kann ich nicht nachvollziehen, woher die Worte kommen, die aus mir rausflattern. Ich lasse das jetzt so.  Wird schon irgendwie Sinn machen.

Genau wie die Furchen auf meinem Körperfeld, die ich jetzt so lange liebevoll beackern werden, bis sich Körper und Seele wieder auf Augenhöhe begegnen, sich lange und tief in die Augen sehen, sich erkennen und abfeiern bis in die Unendlichkeit und zurück.

Die Wärmflasche schiebt sich schon mal von selbst in Richtung Chakalaka* Chakra.

Schönen Sonntag.


*südafrikanische, scharf-würzige Soße 😉