Geier

Den Ast von dem Olivenbaum, krallt sich ein Geier, um zu schauen, ob sich erfüllt sein jüngster Traum, hier unter dem besagten Baum.

Ihm träumte, dass an diesem Fleck, schon bald Lebendiges verreck.

So hockt er lange, ihm wird schwächlich, ihm schwant, dass er beträchtlich, von seinem Traum sich täuschen ließ.

Er magert ab, was für ein Grauen, die Ohnmacht schüttelt ihn vom Baum.

Da liegt er nun und ist am Ende. So mancher Traum führt zu ner Wende, mit der du nicht gerechnet hast. So sitze auf dem rechten Ast und warte nicht zu lange, sonst fällst du von der Stange.

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Vision completed

Foto: Christine, Sept. 2021

Frau Sonne strahlt auf meine Lider, D-Vitamin für müde Glieder. Die Biene nascht an Efeus Blüten, mögen sich Herbst und Winter hüten, mir vorschnell auf den Pelz zu rücken.

Italien, ich bin bereit, dein Dolce Vita, an der Zeit, den Koffer hurtig zu bepacken, mit drei, vier, fünf, Sex, sieben Sachen, leicht und beschwingt ins Antlitz lachen,

Der Dunkelheit und Langeweile, mach’s gut, Tristesse, ich bin in Eile.

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Adieu

Foto: Christine, Sept. 2022

Absehbar, klar, musste ja sein, nach Sommer stellt der Herbst sich ein. Noch plänkeln beide, weigern sich, einer zu gehen, der andere nicht.

Des Sommers Liebestrilogie, aus Lust und Freude, Fantasie, bekommt allmählich Todesflecken, zu sehen an den braunen Hecken.

Den Blättern, die gen Erde sinken, dem Saft der Trauben, den wir trinken, während wir um den Sommer trauern, das kann dauern.

Dem Herbst im satten Farbenkleid, tut Sommers Tod rein gar nicht leid, hält Hof, so ist es an der Zeit, vom Sommer Abschied nun zu nehmen.

War schön, Adieu, so ist das Leben. Und später dann, in Wintertagen, wird die Erinnerung uns tragen, durch diesen Sommer, diesen einen, wir werden wissen, lächeln, weinen und dann auf einen Frühling hoffen.

Geschichten, Leben, immer offen.

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Elfe

Wenn ich eine Elfe wär, flög ich ständig um dich her, schüttete dir Glitterstaub über über auf dein Haupt.

Könnt ich eine Fee nur sein, zaubern, und betörend fein, dich mit Input überfluten, schützen dich auf deinen Routen.

Hätte ich ne Superkraft, oder einen Zaubersaft, oder irgendeine Macht, zöge ich es in Betracht, Wünsche flux dir zu erfüllen.

Nix von dem hab ich zu schenken, außer stets an dich zu denken, selbstverständlich auch zu fühlen. Wenn du lächelst, kannst du‘s spüren.

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Die alte Liebe

Er liegt hinten rechts unter den vergilbten Liebesbriefen. Er liegt dort seit sechsunddreißig Jahren, vier Monaten und zwölf Tagen.
Einmal, ein einziges Mal, wurde er vorsichtig in die Hände genommen. Raus aus dem Schuhkarton, hinein in den Karton mit dem Rosenmuster.

Sie liegt in der gegenüberliegenden Ecke. Einst schillernd, fristet sie ihr Dasein in Angst vor Milben und Motten. Auch sie bekommt ein neues Domizil, wird mit zarten Fingerspitzen berührt und sanft umgebettet in den Rosenkarton.

Sie spürt ein Ziehen und Pulsieren in ihren feinen Fasern. Er muss hier irgendwo sein. Auf ihre Intuition kann sie sich verlassen. Sie weiß, dass er mit ihr in den Rosenkarton gelegt wurde.

Heute ist ihr Tag. Heute wagt sie es.
Das jahrzehntelange Herumliegen zwischen alten Papieren, Fotos und staubigen Kunstfaserschleifen hat sie heiser gemacht. Doch immer dann, wenn sie befürchtete, zu ersticken, hat sie sich leise geräuspert und überlebt. Sie tut es wieder. Jetzt. Sie räuspert sich. Und sie tut es lauter als all die Jahre zuvor.

Er weiß, dass er aus Blech ist. Sein goldenes Image ist ein Bluff. Doch zur Fastnacht findet er seine Anhänger. Und allemal ist es besser, als Piratenohrring in einer gelackten Rosenkiste zu liegen, als immer wieder als Konservendose auf die Welt kommen zu müssen und in schnöden Supermarktregalen herumzustehen. Gefüllt mit Erbsen, Bohnen und gezuckerten Pfirsichen.

Er hält inne. Was ist das für ein merkwürdiges Geräusch? Er lauscht konzentrierter. Es kommt aus der gegenüberliegenden Ecke. Es hört sich an wie ein Räuspern. Ein Flüstern. Nein, es ist ein leises Rufen.

Hallo, ruft sie, hallo, hören Sie mich? Ich weiß, dass Sie da sind. Hallo?

Er hat sich nicht getäuscht. Da ruft jemand mit feiner Stimme. Sein Metall nimmt die Schwingung auf.

Wer ruft mich?

Ich bin es, der Rest der Federboa, ich liege hier in der Ecke! Wir kennen uns von früher. Sie sind Herr Piratenohrring.

Federboa? Rest? Von früher? Der Rost am Scharnier seines Klipses macht seinem Gedächtnis zu schaffen.

Federboa? fragt er laut.

Ja, Federboa. Mit einigen anderen war ich ein Kostüm. Ich hieß damals Paradiesvogel und meine Besitzerin gewann den dritten Preis beim Kostümwettbewerb vor sechsunddreißig Jahren, vier Monaten und zwölf Tagen.

Es war wirklich lange her, dass sie Teil einer prämierten Verkleidung gewesen war. Nur sie hatte überlebt. Die anderen waren Stück für Stück verspielten Hundewelpen und der Altkleidersammlung zum Opfer gefallen.
Die Federboa. Natürlich! Er erinnert sich. Federn mit Grandezza waren ihm in seinem Leben nur einmal begegnet. Sie hatte ihn berührt und gekitzelt. Die schemenhaften Erinnerungen werden schärfer. Sie bringen sein Blech in Wallung.

Na da ist ja eine Überraschung, verehrte Federboa, ruft er mit tiefer Stimme in die Dunkelheit der Pappkiste hinein.

Des näckschte Highlight des Abends isch die Wahl vom beschte Koschtüm. Alle Gäscht, die mitmache möchte kummet uf de Bühn bitte.

Sechsunddreißig Jahre, vier Monate und zwölf Tage sind seither vergangen.

Wie haben Sie mich gefunden? Woher wissen Sie, dass ich auch hier in der Pappschachtel leben?

Ach, Herr Piratenohrring, ich wusste es einfach all die Jahre. Aber ich traute mich nicht, Sie anzusprechen. Ich bin etwas schüchtern. Und Sie sind noch so heil, während ich viele Federn lassen musste, seufzt die Federboa.

Aber, aber, ich bitte Sie. Wie sind beide nicht jünger und schöner geworden. Mein Blech hat auch enorm nachgelassen. Der Lack ist ab, antwortet er und spürt Ionen und Anionen in sich aufsteigen.

Erinnern Sie sich, Herr Ohrring, Sie und ich. Sie am Ohr baumelnd beim Tanz und ich, ganz nah bei Ihnen?

Und wie er sich erinnert. Eine großartige Nacht war das, an deren Ende er mit einem Versprechen vom Ohr gezogen wurde und kurz darauf in einer Handtasche landete.

Und jetzt liegen wir hier seit Jahren in diesem kitschigen Rosenkarton, jammert die Federboa.

Der Ohrring pflichtet ihr bei. Stimmt, sagt er, Sie kümmert sich überhaupt nicht ums uns. Traurig ist das, wirklich traurig.

Wissen Sie, meine Liebe, ich darf Sie doch so nennen? Manchmal habe ich abenteuerliche Gedanken. Dann möchte ich raus aus der Kiste. Raus aus dieser dunklen Gefangenschaft und noch einmal die Schwingungen von damals spüren.

Oh ja! Mir geht es auch so. Es ist so dunkel, staubig und langweilig hier drinnen. Das Papier wird immer muffiger und poröser. Und ich zerfalle zu Staub, wenn nicht bald Licht und Luft an meinen Federteint gelangt.

Es ist still im Karton. Beide hängen ihren Gedanken nach. Sie sie schließlich räuspert und das Schweigen bricht. Der Staub von über dreißig Jahren macht ihr immer noch zu schaffen.

Ich habe da so eine Idee, mein lieber Herr Ohrring. Aber bitte lachen Sie mich nicht aus. Es ist nur eine Idee.

Aber ich bitte, Sie, meine liebe Freundin! Niemals käme auch auf den Gedanken, Sie auszulachen. Ich warte gespannt auf Ihre Ausführungen.
Er kann, wenn er will und er wollte gerade sehr galant sein.
Es ist nämlich so, wisperte die Federboa, dass ich da so eine Energie in mir spüre. Nicht irgendeine Energie, sondern eine, die ihresgleichen sucht.
Ich will damit sagen, dass ich es durchaus für möglich halte, dass wir in der Lage sein könnten, wenn wir denn mit aller Kraft wollen, also, um es auf den Punkt zu bringen…

Verzeihen Sie, wenn ich Sie unterbreche, Verehrteste, aber sie meinen, dass, wenn wir unsere Schwingungen, unsere Energien, wie sie es nennen, einsetzten, dass wir dann…

Ja, gewiss. Es müsste doch möglich sein, dass, wenn wir wollen…

Ausbrechen!
Freiheit!

Raus aus dem Karton.

Frische Luft, meine liebe Freundin, frische Luft ist schon lange von Nöten.
Wie recht Sie haben, bester Freund.

Zunächst, meine Liebe, müssen wir versuchen, näher zueinander zu kommen.

Sie meinen, heraus aus der Nische? Treffpunkt Mitte?

Genau, Treffpunkt Mitte, der Ohrring entspannt sich und spricht weiter. Wir lassen uns fallen. Wir geben uns einer Trance hin. So, wie wir es damals auf dem Ball erlebt haben und…

…stellen uns ganz fest vor, dass wir uns bewegen? Noch bevor die Federboa den Satz beendet, rutscht der Ohrring in hoher Geschwindigkeit auf sie zu. Sie kann nur knapp ausweichen und schreit schrill auf.

Potz Blitz! Was war jetzt das?

Das war Energie, meine Liebe, reine Energie.
Im selben Augenblick trifft sie ein Blitz und es wird unerträglich hell in der Schachtel. Briefe werden zur Seite gelegt, lange, schlanke Finger bahnen sich ihren Weg.

Nein, schreit die Federboa, nein, Hilfe, sie holt mich. Was hat sie vor? Ich will nicht mit dem Hund spielen. Doch da ist sie schon aus seinem Blickfeld verschwunden. Sie ist frei, denkt er melancholisch, ich nicht. Die Glückliche.

Sein Leben liegt nun in ihrer Hand. Er spürt ihren Blick auf sich ruhen. Lange.

Der Ohrring. Dass sie den überhaupt noch hat. Und die Feder aus dem Kostüm ist auch noch da. Feder und Ohrring. Paradiesvogel und Pirat. Wo er wohl ist? Was er wohl macht?

Sie gibt seinen Nahmen in die Suchmaschine ein. Seine Website füllt ihren Bildschirm. Die blonden Locken gestutzt, die blauen Augen umrahmt von einem dunklen Brillengestell. Sechsunddreißig Jahre, vier Monate und zwölf Tage älter. Sie lächelt und schaltet das Notebook aus.

Auf dem Schreibtisch liegen in einer Schale aus Holz eine rote Feder und ein angelaufener Ohrring aus goldfarbenem Blech. Und wenn sie nicht verrottet sind, dann liegen sie da noch heute.

Immerhin hat sie uns nebeneinander gelegt, sagt die Federboa, erleichtert, ihn in ihrer Nähe zu haben.

Ja, brummt er, und wir sind noch nicht in der Mülltonne gelandet.

Dann, nach einer Weile, fährt er fort, bei Lichte betrachtet, meine liebe Freundin, erlauben Sie mir zu sagen, dass Sie ausgesprochen, nun, wie soll ich es ausdrücken, ausgesprochen sexy sind.

Jetzt war es raus.

Sexy? Sie finden mich sexy? Sie wird rot. Denn sie ist schüchtern. Und dass sie sexy ist, hat ihr seit sechsunddreißig Jahren, vier Monaten und zwölf Tagen niemand mehr gesagt.

Nun, meine Liebe, wenn Ihnen sexy zu drastisch ist, so lassen Sie es mich anders ausdrücken. Sie sind hübsch und strahlen eine ganz besondere Energie aus.

Wenn sie sich ihn genau ansieht, im Hellen, dann macht er eine recht gute Figur, auch noch nach sechsunddreißig Jahren, vier Monaten und zwölf Tagen.

Problemlösestrategie einer Spinne

Kartoffelpuffer mit Apfelmus, dideldum, Dudeldei, wupstata, humdidum, ich bin schwanger und bekomme im August mein siebtes Kind, wie freue ich mich, Dudeldei, singt meine Nachbarin fröhlich und hüpft, in feine, bunte Flattergewänder gehüllt von einem Kaffeetassenrand zum nächsten über unseren Terrassentisch.

Schließlich breitet sie ihre feinen Flügelchen aus, beginnt vehement zu rotieren und fliegt einer Libelle gleich davon, dideldum, Dudeldei, die sieben Zwerge und ich sehen ihr nach und winken.

Lotte, die Stimme kommt mir bekannt vor, Lotte, sie wird eindringlicher, verliert ihre watteweiche Schalldämpfung, ich spüre drohendes Unheil und halte mich sicherheitshalber an meiner Decke fest.

Lotte, wachwerden!


Was? Erdbeben?

Benebelt schwebe ich von einer Welt in die andere, während ich mich frage, warum und wer es wagt, mich so aufzuscheuchen, nur weil die Erde ein bisschen wackelt.

Das Erdbeben ist gar kein Erdbeben.
Es ist der Mann, mit dem ich Bett und Tisch gefühlt seit Anbeginn aller Zeiten teile.

Du rüttelst mich und schüttelst mich, wirf Gold und Silber über mich, als Entschädigung, raune ich ihm heiser entgegen.

Hör auf damit, ich schlafe noch, setze ich streng nach.

Du hast laut gesungen, Lotte. Kartoffelpuffer mit Apfelmus und irgendwas mit dideldum; und dann hast du um dich geschlagen.

Oh, war da doch was in dem Hanf Tee, den ich mir vor dem Zubettgehen gestern Abend braute und von dem ich hoffte, das es drin ist, wohlwissend, dass es nicht drin ist.

War da doch was drin?

Das  Ziel des vollständigen Erwachens vor Augen, das Wasser läuft mir im Munde zusammen, angesichts der formidablen Idee von Kartoffelpuffer mit Apfelmus zum Frühstück, setzen sich drei Wörter und ein Fragezeichen wie eine dicke Hummel auf den Blütenkelch, wie das Tüpfelchen auf dem I wie eine Losung in mir fest.

Frag‘ die Spinne.

Frag die Spinne? Warum? Jetzt bin ich hellwach und springe aus dem Bett.

Wo ist dieses Buch mit den Krafttieren?

Wenn die Spinne heute in dein Leben gesprungen ist, lese ich, fordert sie dich auf, dein Leben zu entstauben und auch in den letzten Ecken zu putzen.

Oh nö! Bitte nicht putzen!
Wieso nicht, sagt  die Spinne, es ist Freitag und Freitag ist Putztag, um gleich nachzusetzen, sorry, das war der falsche Text.

Geht nicht noch war anderes, ich meine, hast du nicht noch ne coolere Botschaft, Spaß, eine Überraschung, was zum Spielen?

Mut ist ein großes Thema der Spinne, lese ich, als Krafttier fordert sie dich auf, all deinen Mut zusammenzunehmen und deinen Weg zu gehen.

Mut, okay, damit kann mich mehr anfangen als mit der schnöden blöden Putzerei.

Mit ihren vielen Augen schaut die Spinne in andere Dimensionen und andere Welten. Sie kann dir direkt ins Herz sehen und hilft dir dabei, deine wahren Sehnsüchte zu erkennen.

Das ist gut, das finde ich spannend.

Die Spinne lehrt dich Geduld und die Kunst des Abwartens.

Die Spinne scheint mich ganz gut zu kennen, denn sie fordert mich auf, aktiv an meinem Leben zu weben, fleißig Ideen zu spinnen und meine wahre Lebensbestimmung zu finden.

Das Krafttier Spinne verkörpert schöpferische Energie, die Lebendigkeit des Weiblichen und die Spiralenergie als Bindeglied zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Die Spinne stärkt den Kontakt zur kreativen Seite, erhöht die spirituelle Wahrnehmung, befreit aus hinderlichen Verstrickungen und hilft beim Auflösen überholter Denkmuster.

Krass das, sage ich, als mein Lieblingswachmann und ich bei einem ersten Espresso sitzen.

Problemlösestrategie, heute mal von einer Spinne, sagt eine meiner großen Lieben. Lotte, du spinnst, ich verstehe das nicht, aber ist okay.

Eben, antworte ich und klatsche einen weiteren großen Löffel Apfelmus auf meinen Frühstückskartoffelpuffer. Wie öde und langweilig wäre dein Leben ohne mich. Ich bin deine persönliche Spinne!

Freitag, der Tag der Spinne und wie gemacht, um intuitiv den Blick auf die Dinge zu justieren und alles in einem neuen Licht erstrahlen zu lassen.

Ganz ohne Putzen wird es nicht gehen.
Aber okay, irgendwas bleibt immer im Netz hängen.

Problemlösestrategie einer Spinne.