Der Tag an dem der Philosoph mich striff

An einem Tag, es war im Mai,
ich ging auf meinem Weg,
da traf ich, völlig unverhofft,
'nen Typen, der war schräg.

Sein Haar schlohweiß, wie sein Gewand,
die Augen blau, der Blick charmant,
bat er mich drum, mal stehen zu bleiben,
er wolle mir nur kurz was zeigen.

Wie ich nun bin, kam ich ins Stutzen,
fragte mich still nach einem Nutzen,
da hob er an, er würde hoffen,
ich sei für neue Perspektiven offen.

Na gut, sprach ich, dann trau ich mich,
und sah ihm klar ins Angesicht, 
das sich mit Lächeln überzog.
Und schon begann ein Dialog.

Er bot mir an, ein Stück zu schreiten,
Bewegung, sei nicht abzustreiten,
mache den Kopf, Herz, Seele frei.
Okay, sprach ich, ich bin dabei.

Wer bist du, und wenn ja, wieviele?
Gehören Triebe stets zur Liebe?
Was ist der Wille?
Ist er frei?
War erst die Henne, dann das Ei?
Ist die Moral geprägt von Strenge?
Und Freiheit die, die Kette sprenge?

Die Zeit wurde bedeutungslos,
ermüdet fielen wir ins Moos,
schlossen die Augen, schliefen ein.
Es muss ein Traum gewesen sein.

Vielleicht aber auch nicht.
Erkenntnis ist zwar keine Pflicht.
Doch seit dem Tag bin ich erpicht,
den Dingen auf den Grund zu gehen.
Sie vielseitig mir anzusehen.
Gesetztes auch zu revidieren.
Empfehlung auch mal ausprobieren.

Seit jenem Tag in jenem Mai,
da ist viel Zeit vergangen.
Der Philosoph hat mich gelehrt,
nach jedem Tief neu anzufangen.

So ist die Ganzheit nun einmal.
Hoch auf den Berg, hinab ins Tal.
In Freude ganz so wie im Schmerz.
Dem schrägen Typ gehört mein Herz.

(c) ideenlese

Schöne Vergänglichkeit & Reprise

Schöne Vergänglichkeit Ein Weg beginnt mit ‘ner IdeeIhr Keim, er sagt sich munter: geh!So läuft sie los mit großem MutUnd stürzt sich in die …

DichtArt CXXIX – Schöne Vergänglichkeit

🌹

Once there was a rose in summer,
Was so tender and so bright,
Even in the storm of thunder,
She was there and hold you tight.

Gave you all that she could give to,
Lost herself in gentle be,
Spend you calm and lovely moments,
Strong as every oldest tree.

When the summer turned to autumn,
Roses leaves return in earth.
Only hope and deepest love flow,
Bring her back in springs rebirth.

Once there was a rose in summer,
Loveliest you ever knew,
Smell of love you will remember,
Where you’ll stay and where you’ll go.

Don’t foget the one and only,
Rose of life and full of grace,
Still her gift is every morning,
Lovely smile upon your face.

Once there was a rose in summer.

(c) ideenlese

Selfish

Selfish by christine
I don’t see
Your soul anymore

My darling

Cause you sold her
to the selfish fool
in you

I don’t feel
Your love anymore

My darling

Cause you sold her
for a ridiculous
price

I can’t stand the distance
between you and me
Such a mess of diff’rence
hanging over me

Sorry dear
Can’t do it with him

My darling

with this kind
Of stupid selfish fool

Bye my love
Will miss you within

My darling

Like I always did before

But

I don’t see
Your soul anymore

My darling

All I see
is your absent frozen smile

(c) ideenlese 2013/2022

Finally

And finally you realise 
that the whole world
is inside you.
With all its beauty and pain.
With war and peace.

And finally you realise
that everything
is inside you.
The waterfalls and
the deserts,
the fire and the ice.

And at last
you have overcome
jealousy and pride.

And forgiveness grows,
hate and love,
courage and glory
hand in hand
with doubt and trust.

And finally you
let it be
and let it flow
and shine through
your heart,
mind and soul.
Finally.

(c) ideenlese

Mann liebt

Wenn eine Frau dein Herz zerreißt,
dich umbringt,
auf die Liebe scheißt.

Wenn sie vergisst, was alles war,
dir sagt,
sie sieht jetzt alles klar,
und meint,
dass du vergangen bist.

Ein Hund,
der auf Kommando pisst,
kann hier verzweifeln,
schreit sie an:

„Es kann nicht sein,
was nicht sein kann.“
Doch ist die Last des Bruders Herz
-wohlgemeint-
ein schöner Schmerz.

Denn leidet wohl nur der daran,
der von der Liebe reden kann.
Wer niemals liebt,
dem ist es gleich.

Doch
nur wer lieben kann
ist reich.

So zeichnet es den wahren Mann,
dass er den Schmerz verschmerzen kann.
Er weint, er hasst
und will sich rächen,
doch niemals wird sein Herzen brechen.

Und niemals würde er verzagen,
stets erneut das Drahtseil wagen.
Denn Liebe ist schön, mal warm,
und mal heiß.
Ein Narr, welcher glaubt,
dass er mehr davon weiß.

aus: April Punk, 2010

Little Eros

Ein Phänomen.
Gedanken. Freudiges Gespür.
Von mir zu dir. Von dir zu mir.
Ohne Pause. Lässt mich nicht los.

Zuviel der Wonne.
Wo führt das hin? Egal. Macht Sinn.
Die Blume stirbt. Der Samen nicht.
So jedenfalls der Dichter spricht.
Recht hat er.

Ein Wort dafür. Wofür?
Keinen Schimmer. Ich denke an dich.
Mit Freude. Fast immer.

(c) ideenlese

Spür die Kür


Hin und wieder muss ich alles auf den Kopf stellen.
Hin und wieder ist jetzt. Ich räume alle Bücher aus dem Regal, baue schwankende Türme aus bedrucktem Papier und verteile sie im Raum. Tausenden von Fakten, Daten, Normen und Geschichten droht der Absturz ins Chaos.

Es muss erst schlimmer werden, bevor es besser werden kann. Stimmt das? Warum muss es erst schlimmer werden? Warum kann es nicht gut sein, besser werden, sich entwickeln, zum Besten, zur Meisterschaft?

Was würde dabei herauskommen, wenn sich aus dem Sammelsurium der einstürzenden Büchertürme neue Konstellationen ergäben?

Was, wenn sich das dicke Buch der Hundepsychologie in das grazile Notenheft des Weihnachtsoratoriums verliebt oder die schwerfällige englische Grammatik sich magisch vom gleichgesinnten Steuerrecht, neueste Ausgabe, angezogen fühlte und im Überschwank der Begierden nicht mitbekäme, dass auch Das große Gartenbuch mit Sonderteil Rosenzüchtung ein Auge auf die Unberührtheit steuerlicher Normen schmeißt?

Was, wenn das Strafrechtsbuch in einer plötzlichen Erleuchtung erkennt, dass es ohne die Erotik für Dummies nicht mehr leben kann?

Das Chaos tobt im ersten Stock und hätte schon längst in irgendeine Ordnung zurückgefunden, wenn nicht im selben Raum, an der Wand gegenüber, gleich neben dem Fenster, das Klavier seinen Platz gefunden hätte. Das Instrument verführt mich. Immer. Wenn ich groß bin, werde ich Jazzpianistin. 

Anstatt aufzuräumen spiele ich schräge Akkorde und noch schrägere Melodien. Dissonante Verzögerungen, Verhinderer der Ordnung, die dieser Raum dringend braucht. Oder? Es ist der Raum, den ich brauche, um die Zeit, die ich für mich brauche, darin verbringen zu können. Es ist mein Raum.

Mit einer leeren Wand, vor deren weißer Kulisse nichts stattfindet als die tägliche Meditation. Ich brauche die Wand im Rücken und deshalb muss das Bücherregal verschwinden.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen, raunt etwas, während ich versuche, meine Jazzkarriere mit einem Crescendo voranzutreiben. Meine Nackenmuskeln verspannen sich. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr, keckert es weiter.
Bullshit, sage ich laut. Lernen geht immer, bis ins hohe Alter. Schon mal was von neuronaler Plastizität gehört?

Ich lasse meinen Kopf Richtung Brust sinken, legen ihn leicht erst auf die linke, dann auf die rechte Seite, kreise die Schultern und schüttele mich wie ein Hund, der in einen Platzregen geraten ist.

Was, wenn sich Arbeit mit Vergnügen mischt? Wenn sie gemeinsame Sachen mache, unter eine Decke schlüpfen, nackt den Schlafsack am Lagerfeuer teilen?

So, wie es die Bücher der einstürzenden Türme gleich tun werden, weil sich die Hündin schnüffelnd zwischen die Büchertürme zwängt und ihre Rute aufgeregt in den Turbo schaltet.

Was, wenn ich das Gießkannenprinzip alter Glaubenssätze nicht anerkenne oder mich ihm sanft entwinde, entschwebe und im Gehen mit Blick über die Schulter sage, sorry, mit uns beiden, das passt nicht, versuch es ab jetzt bei jemand anderem, bitte, und Danke für Nichts.

Ich falte aus der flauschigen Kuscheldecke eine bequeme Unterlage und schiebe mir das Meditationsbänkchen unter den Hintern, schließe die Augen und atme. Ein und aus.

Spür die Kür, kommt aus dem Nichts. Spür die Kür! Und ich lächle, und mit dem Lächeln kommt die Erinnerung. Daran, dass da mehr ist zwischen Himmel und Erde. Mehr als das, was wir hier sehen und anfassen können. Dass wir mehr sind, als die materialisierte Schlacke, als die wir uns durch die Welt schieben.

Spür die Kür. Deine Kür. Da, wo du dich zutiefst berührt und bewegt fühlst, da geht es lang. Jetzt. Ohne Wenn und Aber.


Schönes Wochenende und bis bald.



Violeta


Es stand ein Veilchen auf dem Brett,
war schön, war blau und auch noch nett.
So stand es dort recht schmuck herum,
und Tag für Tag ging so herum.

Das Veilchen wurde ziemlich trocken,
und konnte weder blühen noch zocken.
Auch seine Farbe wurde blasser,
Warum?
Auch Veilchen brauchen Wasser.

Es war schon Winter, tiefer Frost,
aus Veilchen wurde nun Kompost.
Das war jedoch noch nicht das Ende,
denn dann, Bonheur, kam eine Wende.

Denn unseres Veilchens DNA,
schon immer Wildes Veilchen war.
So teilte es sein strahlend Ich,
in Feldern von Vergissmeinnicht.

Ein Veilchen, das braucht keinen Topf,
es hat einen ganz eigenen Kopf.
Braucht Sonne, Wasser, Wind und Liebe.
Für Schönheit,  Blau und Lebenstriebe.

© ideenlese



Wenn du denkst

Du lehnst dich nur mal kurz zurück,
spürst nach, Herberts Sekundenglück,
denkst, eben ist es echt ganz gut,
peng, kriegste wieder auf den Hut.

Was denn nun noch, stöhnst du,
pardon, warum denn mir,
vor den Ballon?
Hab Schnauze und Agenda voll,
ist gut jetzt, find ich echt nicht toll.

Doch irgendwie scheint irgendwas,
boshaft gefüllt, gleich einem Fass,
voll Pech, dich zu sich hinzulocken,
schon wieder Katastrophe rocken.

Warum es dicke kommt im Leben,
ich kann’s nicht sagen, nicht erheben.
Und komme zu dem doofen Schluss,
dass man oft vieles durchstehen muss,
das nicht zu überwinden scheint,
worüber man erschüttert weint.

Es hilft dann kein Kalenderspruch,
und auch kein Esoterikspuk,
kein Trost, kein Zuspruch, ohne Frage,
ist schlicht beschissen
manche Lage.

Und wenn du denkst,
schlimmer geht’s nimmer,
im Tunnel ist es duster,
röhrt es dich tiefen Tones an,
Hast du denn schon dein Booster?

Spätestens dann spürst du in dir,
die Lebenssäfte brodeln,
ergreifst dich selbst am eigenen Schopf,
beginnst Leben zu hobeln.

Ne Hühnerleiter ist das Leben,
recht kurz und voller Kacke,
Eins an der Waffel hat es auch
und eine große Macke.

(c) ideenlese

Ende

In Aussicht gestellt,
wie der Blick, der von einem
Ufer des Sees, schweift,
zum anderen.

Erwartet und doch gehofft,
auf Zeit, gemeinsame, wofür?
Liebes Leben, Traumes Tanz.

Es dann ersehnt, das Ende,
von Schmerz, von Zweifel,
so sicher wie der Tod,
und leise die Frage, schweift,

Hat das Ende ein Ende?

Endloser Anfang
ohne Aussicht auf den See.
Der Blick erinnert nur,
schweift, trübe,
von einem zum anderen

Ende.


(c) ideenlese

Nimm mich

Schicksal, ach Schicksal, übernimm du das Steuer, irgendwie ist mir mein Leben zu teuer, die Schläge, die du mir zuweilen verpasst, ganz ehrlich, du Schicksal, hast ganz schön geprasst. 

Nun denn, meine Liebe, mal Butter bei Fische, es ist ziemlich selten, dass ich mich einmische, auch bin ich nicht von der schlagenden Zunft, dagegen ne Freundin von klarer Vernunft.

Nimmst du mich, nehm ich dich sehr gern an die Hand, geh mit dir durch die Steppe, über Wiesen, an den Strand. Schick dir Leute vorbei, die Freunde du nennst und sorge dafür, dass du lebst und nicht pennst.

Wir wissen nicht, ob wir Naturgesetz sind, manchmal sind wir sehend, ein andermal blind, dann führen wir selbst uns geschickt hinters Licht.
Und nennen es Schicksal, doch ist es das nicht.

Was Ursache und was die Wirkung ist, ob Anfang gleichzeitig schon Ende bemisst, es ist immer dein Leben, das dich tritt, das dich küsst und in dem du auch ein Entscheider bist.

Nimm mich, ach nimm mich, mein Leben, mein Sein, und ich nehme dich im Schmerz und im Freuen.

(c) ideenlese

Spätes Wunder

Spätes Wunder, ideenlese by christine, 2022
Eines Tages, es ist Juni.
öffne ich mein Emailfach,
Absender Professor Peter,
meine Knie werden schwach.

Lang habe ich nach dir gefahndet,
hoffe, dass du es auch bist,
fünfzig Jahre sind vergangen,
habe dich so oft vermisst.

Wie gern hätte ich mein Leben,
lieber doch mit dir geteilt,
habe manche Sommernächte
heimlich nur von dir geträumt.

Ich wohnte in Nummer vierzehn,
du dicht dran in Nummer acht,
schreib mir wenn du kannst und möchtest,
was hast du bis jetzt gemacht?

Hi Prof, sehe ich mich schreiben,
mir geht's gut, ich bin okay,
und dann hüll ich mich in Schweigen,
weil ich es schon kommen seh.

Wir waren fünf, als wir uns trafen,
Kinderliebe, stark und tief,
lebte fort ein ganzes Leben,
Schicksal, dass sie uns jetzt rief.

Fünfig Jahre sind vergangen,
Leben ist, was Leben macht,
manches kann man neu anfangen,
anderes ist schon vollbracht.

Manchmal trinken wir 'nen Kaffee,
ab und zu auch einen Wein,
wollen für den Rest des Lebens
einfach miteinander sein.

Peter wohnt nicht in der vierzehn,
ich nicht mehr in Nummer acht,
Grau sind wir und doch wie Kinder,
Leben ist, was Liebe macht.

Hier geht es zum Anfang der Geschichte

(c) ideenlese 2021/2022

Feuchtwiesen


Tabus verlieren im Humor und in der Liebe an Bedeutung. Freiheit, die ich meine. Tabus verlieren auch im Krieg ihren Status, was als Anmerkung reichen muss, reichen soll.

Ich habe Angst, klar, wer kann sich davon freisprechen?

Dass die Vögel des Kummers um deinen Kopf herumfliegen kannst du nicht ändern; aber dass sie Nester in deinem Haar bauen, das kannst du verhindern, steht in meinem Poesiealbum, datiert 1972. Es braucht fünfzig Jahre, um erwachsen zu werden, und mehr, um zu begreifen, jedenfalls ein wenig.

Was kann ich wirklich verhindern und was wirklich bewegen?

In Phasen der Dürre sind es Menschen, die lieben und das Erinnern und intuitive Erkennen darüber freilegen, dass es das Fließen ist, was uns alle lebendig sein lässt mit allem was gerade ist.

Menschen, die lieben, leben und leben lassen, die auch sterben lassen, gehen lassen können, die schwach sind und stark aus ihren Verletzungen erwachsen und deshalb immer offener und bewusster werden.


Menschen, die für sich geradestehen, auch wenn gerade der Boden unter ihren Füßen bebt und das Herz flattert.

Wie nutzen wir die Inspiration, die auf den imaginären Feuchtwiesen in uns Blüten treibt?
Welche gemeinsame Sache nehmen wir ins Visier? Und was könnte nicht alles dabei herauskommen?

Fragen sind wie Küsse (ebd. Carmen Kindl-Beilfuß).
Es kann gar nicht lange genug geküsst und gar nicht zu wenig gefragt werden. Finde ich. Und gelacht natürlich auch – gerade jetzt, gerade hier, und vor allem heute!

(c) ideenlese 2014, überarbeitete Version 2022

Gezeitenwende

Stille wiegt mich in die Zeit,
aus der ich gefallen war,
weit hinausgelehnt aus dem Fenster,
gesprengter Zeitrahmen.

Stille zeitigt meine Zeit,
lebendigen Spiels, Zeitzeichen,
die zeitlos dem Puls der Zeit huldigen.

Stille, am Nerv der Zeit getroffen,
liegt sie, Ruhezeit, bis zum richtigen
Zeitpunkt, Segen des Zeitlichen einkehrt,
von ewig Zeit zu Ewigkeit.

As time goes by.

(c) ideenlese


Fügung

Was du nicht willst,
das man dir tu,
das fügst du leider jenen zu,
die dich von Herzen gerne haben
und die den Krug
zum Brunnen tragen,
bis Ersterer schlussendlich bricht,
und Zweiter ausgetrocknet ist.

Wer viel zu viel gegeben hat,
der kann dann nur noch nehmen.
Und braucht zum Heilen seiner Seele,
ein unersättlich Geben,
der dreht sich nur noch um sich selber,
da lachen doch die Kälber.

Absurdes Menscheln,
blinde Flecken,
die Liebe sehnt sich nach Verstecken,
vor all dem Schaumgeschlage,
und stellt sich still die Frage,
muss ich jetzt echt verrecken?

Und als sie schon im Siechen liegt,
hört sie von weither dieses Lied,
es kriecht zu ihr ins kühle Moos,
hörst du es auch?
Es heißt The Rose.


(c) ideenlese



2011: Der eigene Rhythmus

10 Kilometer Testlauf in unter 50 Minuten! Super. Ein Ergebnis, über das ich mich richtig freuen kann.

Nein, es ist nicht mein Erfolg und nicht mein Ergebnis. Ich las darüber in einem Laufblog, das ich hin und wieder aufsuche, weil es sich auf das Thema Laufen konzentriert und schön und schlicht den Sport „bei der Wurzel“ packt. Noch vor einem Jahr wäre mein Ehrgeiz geweckt gewesen, meine eigene 10-Kilometermarke endlich auch auf die magische „49“ zu bringen, anstatt bei „59“ zu stagnieren.

Doch fast nichts ist von diesem Bestreben übrig geblieben.

Locker und entspannt kann ich zulassen, dass andere schneller sind.

Selbstverständlich ist es mir nach wie vor wichtig, bestimmte Zielzeiten zu erreichen. Die Halbmarathondistanz in 2.12. z.B. oder den Hermannslauf unter 4 Stunden. Keine Ergebnisse, die in irgendeiner Rekordliste erscheinen und einzig dem Zweck dienen, in Bewegung zu bleiben und ein Ziel im Auge zu haben.

Ohne Ziele würde ich meinen Hintern wohl weniger bis gar nicht bewegen. Aber, da ist mehr Ruhe, mehr Gelassenheit in mein Läuferleben eingezogen. Der selbst gemachte Druck, immer schneller zu werden, obwohl der altersbedingte Zenit überschritten ist, hat sich aufgelöst.

Es ist ein wunderschönes Gefühl, beim Laufen dieses warme Strömen zu spüren, den Spaß, der Anstrengung nicht ausschließt. Einerseits. Und bei einem anderen Lauf ebenso den Intervall in der gesetzten Zeit absolvieren zu können. Eine Zeit, die meine ist. Ein Lauf, der zu mir passt. Individual running rhythm. Das Leben ist ein Lauf. Meiner und Deiner!

Bei aller Liebe



Liebe ist langweilig.

Dieser Satz brachte mir in den 2010er Jahren einen Minishitstorm aus Kreisen spirituell überzeugter Menschen ein. Liebe und Spiritualität. An welcher Stelle des Rankings besprochener Themen stehen sie aktuell? Ich weiß es nicht. Vielleicht sind sie tatsächlich Langeweiler verglichen mit Themen und Entwicklungen, die uns allen seit geraumer Zeit in ausgeklügelter Einseitigkeit geboten werden.

Liebe ist Bindungsenergie.
Ein weiterer Satz aus naher Vergangenheit, der ein stilles Häh in mir auslöst. Und was ein Häh bei mir initiiert, macht mich neugierig, und ich beginne zu graben und freizulegen und gehe mit Schippchen und Eimerchen auf Exkursion.

Mit Liebe kenne ich mich aus. Oder? Kenne ich die Liebe? Ich liebe, also bin?  Bin ich eine Liebende?
Geht so.
Liebe ist individuell. Und sie ist eine Illusion. Wie individuell ist die Liebe? Ist Liebe eine Illusion? Liebe hat viele Facetten. Welche Facetten hat die Liebe? Die Liebe. Welche?

Je weiter ich in diesem Erdenleben fortschreite, desto weniger bin ich an Wissen interessiert, das institutionellen Quellen entspringt. Je älter ich werde, und wie wir alle werde ich ununterbrochen und ständig älter, desto mehr kommt die Wahrheit der Intuition ins Spiel. Ins Spiel des Lebens und ins Spiel der Liebe.

Ich stelle zunehmend Moral und all ihre Normen und Regeln in Frage.
Und dabei spüre ich eine innere Diskrepanz, was nicht überrascht, denn wir alle lernen lebenslang und bewegen uns in kulturell gewachsenen Normen, Regeln und Mustern. Steter Tropfen höhlt den Stein.

Das ist vollkommen in Ordnung. Aber es ist nur die eine Seite der Medaille. Es gibt eine andere. Eine, die alles umfasst.

Und alles heißt, wir müssen und sollen als lernende Wesen auch unser Denken in einen sich entwickelnden und ausdehnenden Prozess integrieren, uns offenhalten, auch für Neues und erstmal Ungewohntes, Unbequemes. Okay. Einen Scheiß müssen wir. Worte in ihrem begrenzten Potenzial.

Nur weil wir etwas gewohnt sind, weil Dinge schon immer so waren, heißt das nicht, dass es sinnvoll ist, sie so zu belassen. Das gilt für alles! Was kann alles dabei herauskommen, wenn wir ohne Tabus und moralische Einschränkungen denken?

Hinterfragen Sie! Hinterfragen Sie alles; und hinterfragen Sie vor allen Experten, Wissenschaft und betitelte Koryphäen und ergänzen Sie um Ihre eigenen Denkergebnisse. Die Intuition muss in allem zu Wort kommen.

Ein Satz, den mir mein Lieblingsprofessor mit auf den Weg gegeben hat.
Übrigens war er im hohen Rat der Wissenschaft immer ein Außenseiter, einer, der hinterfragte, Systeme in Frage stellte. Ein großartiger Lehrer und Pädagoge.

Liebe, die ebenbürtig im Verbund mit einem vernünftigen Verstand steht, der sich bemüht, flexibel und offen zu werden, zu sein und zu bleiben und erstmal mit Schippchen und Eimerchen auf eine Exkursion geht:

Bei aller Liebe, das könnte gut werden!

Liebestaumel

Benommen vom Taumel der Faszination 
des Erkennens, dass die absolute Wahrheit
jenseits aller Worte und Bilder verborgen
liegt.

Wie ein mildes Lächeln erst, im Schlaf,
das auf den Kuss des Erwachens vertraut
und im Gewandt reiner Liebe
anhebt, zu einem Lachen.

Von dort hinein in den Taumel der Freude,
berauscht von der klaren Sicht jenseits aller Worte und Bilder.

(c) ideenlese 2021





Wut

Gleich nachdem es geschah,
war ich ihr ganz nah.
Ihr heißer Atem zischte mich an,
fauchte,
Funken stoben,
glühend,
von ganz unten
bis ganz oben.
Und zurück.

Fast hätte sie es geschafft,
zu inkarnieren,
in Worte, lauthals, grob, ohne Sinn
formulieren,
was Emotionen diktieren,
Zensur,
kauert, in einer Ecke
im dunklen Flur.

Es ist wie es ist,
dauert, bedauert,
leckt wild die Wunden,
zerreißt sich in Fetzen
bis sie sich vollständig entladen
hat.
Ausgepowert,
dem Gipfel ganz nah,
ausgerutscht.
Flutsch!

Auf dem W,
einem schnöden,
beliebigen
W,
das sich dreht und wendet,
auf die Füße stellt,
Bodenhaftung,
aufrechter Weitblick
Tiefblick,
ins Wesenliche.

Transformation.
Aus Wut wird Mut.

(c) ideenlese



Haare



Aus den feinen Löchern ragen schwarze Borsten. Die bunten Plastikröhren sehen wie fette Raupen aus, die sich hellblau, rosa und zitronengelb an den Strähnen festkrallen. Auf dem Scheitel sitzen die großen, über den Ohren die mittelgroßen und im Nacken die kleinen, wie auf einer Tribüne, dicht an dicht, bis sie alle in der Schublade unter dem Waschbecken verschwinden, getrennt von den Nadeln, die wie ein langgezogenes U aussehen.

Aus den Locken wird ein Nest toupiert und in seine Mitte, wie ein aufgeplustertes Küken, ein Haarteil gesetzt. Dutzende Haarklammern verbinden das eigene Haar mit dem fremden, sie vereinen sich zu einem Turm aus Haaren und werden mit undurchdringlichen Nebelschwaden von Haarspray und Haarnetzen, fein wie Spinnweben, in Form gehalten.

Echthaar muss es sein. Niemand fragt, woher diese echten Haare kommen, wem sie gehörten. Wem gehören die Haare? Sind die Menschen, deren Haare jetzt Haarteile sind, gestorben? Oder leben sie noch? Ich traue mich nicht zu fragen, sitze in einem Babydoll aus rosa Polyester auf dem Klodeckel aus schwarzem Kunststoff und berühre vorsichtig die drei Wickler auf meinem Kopf. Sie sträuben sich. Der Druck zwischen Wickler und Haaransatz nimmt stetig ab. Und schließlich entlassen die borstigen Lockenwickler mein seidenes Kinderhaar in seine Freiheit und kullern auf den Boden, enttäuscht über die Glätte meiner Haare oder froh, ihnen entkommen zu sein? Wer weiß das schon.

Ich malträtiere mein Spinnwebenhaar mit Dauerwellenflüssigkeit die so ätzend ist, dass mir die Augen tränen und die Kopfhaut sich anfühlt, als wäre sie unter einen Flammenwerfer geraten.

Ich färbe mir die Haare mit Henna orangerot und trage eine blonde Perücke, dazu eine schwarze Sonnenbrille und sehe aus wie ein Mitglied der RAF. Mein Vater erkennt mich nicht und macht mir die Tür vor der Nase zu.

Der Preis für Locken und lange Haare, die keine langen Haare werden wollen, ist hoch. Die dünnen, feinen Haare werden noch dünner und noch feiner. Sie legen ein Veto nach dem anderen ein, flehen darum verschont zu werden und fallen schließlich aus, weil ich ihnen nicht zuhöre, weil ich sie quäle und ihnen nichts anderes übrigbleibt.

Je mehr ich lang und lockig will, desto mehr lichten sie sich. Ein Kampf, den ich verliere.

Ihr Haar ist zu zart für eine Dauerwelle, sagt mir der Frisör. Ich bleibe stur und komme nach vier Stunden mit einer Frisur nach Hause, die wie ein aufgeplatztes Sofakissen aussieht. Die Seide ist zu trockenem Stroh geworden.

Meine Kinder erkennen mich nicht wieder und verstecken sich erschrocken hinter dem Lesesessel, und meine beste Freundin wird blass und kann ihr Entsetzen nur mit Mühe verbergen.

Bis ich herausfinde, dass mein Haar ist wie es ist und zu mir passt, weil ich bin wie ich bin, vergehen drei Jahrzehnte. Und mein Haar revanchiert sich dankbar für meine Einsicht, entspannt sich, erholt sich und wird sogar etwas voller.

Silbrige Patina legt sich über die  Strähnen meiner einst  dunkelbraunen Haare, veredelt sie wie der weiße Schimmel die Salami.

Die Patina, die mich mein Leben und mich mitten drin noch einmal mit einer ganz besonderen Geschmacksnuance verwöhnt.

(c) ideenlese


Wicht ich

Will ich
meinen BH verbrennen?
Bambule feiern
zetern, flennen?

Will ich
das Andere
schrill verfluchen?
Die Schuld akribisch
grollend suchen?

Will ich
mich opfern
für die Sachen,
mein Glück abhängig
davon machen,

Wovon ich denke,
dass ich muss?

Nope.
Damit ist jetzt Schluss.

Was ist denn wichtig
für ein Leben?
To do nach Liste,
schnelles Streben?

Selbstoptimierung,
Perfektion?
Tolles Gehalt,
doch wenig Lohn?
Sich selbst erschöpfen,
Welt gleich mit?
Mal ehrlich,
hältst du da noch Schritt?

Ich kann.
Das Meiste
kann ich nicht.
Denn ich bin Mensch,
somit ein Wicht,
wie alle anderen
Wichte auch.

Mit einem Ende,
das es braucht,
um einzusehen:
Unser Leben,
fragil,
im Geben und im Nehmen.

(c) ideenlese

Langeweile

Sie weilte kurz
dann zog sie sich
in voller Länge aus.
Nackte Routine
nun im Blick.
Anregung
schlich sich raus.

Da ist sie lang,
so sagt man mir,
und weist mich,
wissend Blick.
Ich mach mich auf
suche nach ihr,
sie ist
mein Gegenstück.

Wenn eine Weile
lang und leer
an Oberflächen sucht,
dann geh ich durch
der Hintertür,
dann bin ich
auf der Flucht.

(c) ideenlese 2022






Im Land der Gaukler

Im Land der Gaukler
schlug ich einst die Trommel,
tanzte ihren Schritt.
Clownin in mir
und Gauklerin.
Beide tanzten mit.

Jonglage zwischen den Welten.
Schaukeln auf dem Trapez,
hoch oben,
unter dem Zeltdach
der Träume und Illusionen.

Clowns sind frei und frech,
neugierig und staunend, 
laut und leise,
zart und derb,
naiv und weise.

Behutsam gehen sie über Grenzen
und auf Reisen.
Spielerisch öffnen sie neue Räume,
im Land der Illusionen 
und Träume. 

Im Land der Gaukler
schlage ich die Trommel,
tanze ihren Schritt.
Clownin in mir,
tanzt ewig mit.

(c) ideenlese 

Woman

 If you want me 
to recognize you
as a man,
act like one.

if you want me
to be your wife,
don't treat me
like a mother.

Without a doubt
I am strong.

But can I reveal
my weakness
to a seven-year-old?

Can I give
my devotion
to a boy?

I'm not the saint
for you,
not the mother
and not the hooker.

I am a woman.

If you don't see that,
you're not my man.

A man
who shows me
his weakness,

a man
who knows
how to take,

a man
just an honest man
who loves
deeply and tenderly.

Me,
the woman
who promised herself
to love.

(c) ideenlese 2022

Fragen an die dicke Frau

Dicke Frau
Manchmal, wenn ich wütend bin
manchmal, wenn ich traurig bin
manchmal, wenn der Frust mich quält
Weine, weil rein gar nichts geht.

Manchmal, wenn ich ängstlich bin
manchmal, wenn ich böse bin
manchmal, wenn der Zweifel beisst
Weine, weil es mich zerreißt.

Manchmal, wenn ich nicht mehr will
manchmal, werd ich starr und still.
Manchmal mache ich dann zu,
geh kaputt, will meine Ruh.

Manchmal bin ich dann so schlau
und befrag die dicke Frau:
Hilf mir, gib mir bitte Rat!
Und dann schreitet sie zur Tat.

Komm, sagt sie, an meinen Busen.
Was?, frag ich,
Ja ja, komm schmusen.
Und dann lass dich einfach gehen.
Mensch kann nur als Mensch bestehen,
wenn Gefühl er sich erlaubt,
sich des Dunklen nicht beraubt.

Wut und Hass und Groll und Schmerz
gehn auf Niere, Leber, Herz,
wenn wir sie nicht anerkennen,
toben, schreien, lästern, flennen.
Gib ihnen stets Raum und Zeit
denn sie sind dein Alltagskleid.

Manchmal, wenn ich fröhlich bin
manchmal, wenn ich glücklich bin
manchmal, wenn mir was gelingt
Freu ich mich und bin beschwingt.
Singe für die weise Frau.
Sie ist dick und sie ist schlau.

(c) ideenlese 2022

Tragbar

Trag mir nichts nach
und auch nicht vor.
Schenk mir ganz einfach
nur dein Ohr.

Und wenn‘s dir nicht
zu viel erscheint,
auch Herz, Verstand
und Lebenszeit.

Lass uns vom Staunen
oft berühren
und gegenseitig
uns verführen.

Zu freiem Geist
tiefem Vertrauen
zu Toleranz und
offenem Schauen.

Dann trägt uns Liebe,
Freundschaft plus,
dann trägt uns Wille
und nicht Muss.

(c) ideenlese 2022

Frau Mauerblum & der Olivenbaum



In Mauers Schatten finden sich,
bescheiden und geflissentlich,
stets diese kleinen, zarten Blüten,
die vor der Sonne sich gern hüten.

Refugium ihr Schattenreich,
statt bunt bleiben sie gerne bleich,
da sieht sie niemand,
schlimmstenfalls
bricht ihnen jemand nur den Hals,
weil man mit Unkraut sie verwechselt,  
und daraufhin sie kurzum häckselt.
 
Jedoch, so hörte ich vor Tagen,
’nen Gartenfachmann kundig sagen,
gibt es in dieser Gattung Kraut,
mal eine, die sich etwas traut.
So auch Pauline Mauerblum,
die sich mit ihrem Mauertum
nur schwerlich anzufreunden dachte
und sehr viel lieber schallend lachte.

Vor Albernheiten jeder Prägung,
zog sie deshalb auch in Erwägung,
sich ihren lang gehegten Traum,
vom Sein unterm Olivenbaum,
statt an der Mauer zu verdorren,
als Vision nun festzuzurren.

So zupfte eine milde Hand,
sie kürzlich weg vom Mauerrand,
und pflanzte sie,
was für ein Traum,
direkt unter gewünschten Baum.
Nun blüht sie auf mit sonniger Miene,
Frau Mauerblum, genannt Pauline.

(c) ideenlese