Portugal is calling IV

Vierundzwanzig Tage und der Rest von heute, dann geht es los.

Die Sonne stahlt, es ist heiß in Deutschland, jedenfalls in der Region, in der ich lebe; und mal alle klimatischen Veränderungen und ihre Auswirkungen außer Acht gelassen, ist das für mich eine gute Vorbereitung auf die Temperaturen, die voraussichtlich im Süden herrschen werden.

Während es, laut Wetter App, heute an meinem Zielort regnet, sitze ich in der Sonne und lerne Vokabeln und Redewendungen, um mich auch sprachlich ein wenig akklimatisieren zu können.

Schon heute Morgen im Bett, bei Tee und Obst, lauschte ich Leos Podcast und traue mir dank seiner Lektionen inzwischen zu, mir einen Kaffee bestellen und mich dafür bedanken zu können.
Auch Pizza und ein Gläschen Weißwein dürfte klappen.
Und wenn es zwei oder drei werden, also Weißwein, nicht Pizza, dann weiß ich auch, zumindest theoretisch, das portugiesische Links vom portugiesischen Rechts zu unterscheiden.

Außer von Leo, dem schmucken Portugiesen, lasse ich mich mit Büchlein und Website von Sprachenlernenmalanders supporten.

Hier finde ich auch Spanisch und Französisch. Da meine Reise mich auch durch diese Länder führen wird, kann es ja nicht schaden, wenn ich rot von weiß und links von rechts sprachlich zu unterscheiden lerne.

Inzwischen habe ich mich – leider gehört das dazu – auch schon mit der Rückreise befasst und mir zwei Stopps ausgesucht. Ein kleines Hotel direkt am Strand, nahe San Sebastian im spanischen Baskenland und Reims in Frankreich.

An beiden Orten war ich schon einmal und bin schon sehr gepannt, welche Erinnerungen mich zum Schmunzeln bringen werden.

Last not least findet die Sommergeraderobe den Weg in die Waschmaschine und wieder heraus. Kurze Hosen, Kleidchen und Röcke! Wie schön, dass sie endlich mal an die Luft kommen.

Portugal is calling III

Foto: privat, Cascais, Portugal, März 2022

Das Zielgebiet lockt mit kuscheligen Temperaturen. In den heißen Wellen zwischen 29 und 45 Grad Celsius, laut Wetterapp, werde ich mich schweißbaden (müssen), eigentlich ist mir das viel zu heiß für all die Erkundungen und Ausflüge, die ich mir vorgenommen habe.

Meine Wohlfühltemperatur liegt bei 25 Grad, was meine Abenteuerlust jedoch nicht im Geringsten beeindrucken kann. Stiefel und Rollkragenpulli, beim Besuch im Frühjahr wärmende Begleiter, werden beim kommenden Tripp jedenfalls zuhause bleiben und keine Rolle spielen.

Sonnenhut, Badeanzüge und Bikinis haben hingegen gute Chancen, in vier Wochen ihren großen Auftritt zu haben. Gestern war Casting.

Das triste Dasein in der hintersten Schrankecke endete, wenn auch nicht für alle, so doch für die talentierten unter ihnen. Sie dürfen mit, sie bekommen Hauptrollen, in denen sie sich farbenfroh und unbekümmert über selbstkritische Kommentare und Blicke hinwegsetzen und bedeckt halten werden, was sich bedeckt halten möchte, und sie werden im besten Fall gemeinsam mit mir eine akzeptable Figur machen.

Mein Bemühen, der portugiesischen Sprache auf die Schliche zu kommen, gestaltet sich etwas zäh.
Das mag auch daran liegen, dass ich alles, was mich interessiert ohne Zeitverzug können möchte.
Und zwar richtig, die Mühen auf dem Weg dahin jedoch zu umgehen weiß.
Da beißt sich die Katze in den eigenen Schwanz.

Den wichtigsten Satz habe ich allerdings drauf: Onde está o sanitário? Gesprochen: Odsche schta o ßaitario?
Wo ist die Toilette?

Ich bleibe beharrlich in Sachen nasaler SingSang.
Für Heute „Chau“








Portugal is calling II

Foto: privat

In fünf Wochen werde ich mich zum zweiten Mal in diesem Jahr auf den Weg nach Portugal machen.

Schon während meines ersten Besuches im Frühjahr entschied ich, dass ich zurückkehren würde.

Ich habe mich in diesem Land, der Gegend und der kleinen Stadt so wohl und glücklich gefühlt wie an keinem anderen Ort bisher, mit Ausnahme von Rom und einer Lodge namens Mount Edgo in Namibia.

Im Unterschied zum letzten Mal werde ich die Reise mit dem Auto machen. Das steigert den Abenteuerfaktor des Alleinreisens um etliche Aufregungspunkte.

Die erste Etappe plane ich bis Tours in Frankreich zu fahren. Am nächsten Tag ist die Weiterreise bis Burgos in Spanien geplant und an Tag drei dann die Ankunft am Zielort in der Region Alentejo.

Bis vor einigen Tagen war ich hin- und hergerissen. Ich hatte keine Zweifel an der Reise ansich, wohl aber an der Art und überlegte ob es nicht besser sei, zu fliegen.

Allein mit dem Auto knapp 2500 Kilometer je Strecke zu fahren ist mutig- finde ich jedenfalls – und sicherlich sehr anstrengend.

Aber ja, ich will es genau so. Und allmählich setzt das feine Kribbeln der Vorfreude ein. Aus den Erfahrungen des ersten Besuches gelernt, mache ich mich aktuell mit den einhundert wichtigsten portugiesischen Vokabeln und Redewendungen vertraut und frische meine lückenhaften Kenntnisse in Englisch und Französisch auf.

Netflix und YouTube sei Dank gelingt das auf unterhaltsame und amüsante Art.

An dieser Stelle werde ich regelmäßig berichten: Von den Vorbereitungen, der Reise und meinen Erlebnissen.

Divirta-se! Viel Spaß 😉

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Portugal/ Alentejo Reise März 2022

Viel schreiben und lesen wollte ich während meiner Zeit in Portugal.
Beides tat ich kaum.

Stattdessen habe ich mir Zeit genommen. Sehr viel Zeit. Zeit zum Aufstehen, Zeit zum Ruhen und Schlafen, Zeit zum Kaffeekochen, Zeit, mir in aller Ruhe Mahlzeiten zuzubereiten, Zeit zum Sitzen und zum Schauen, Zeit, kommen zu lassen was kommen wollte und gehen zu lassen, was gehen wollte.

Einfach war das nicht.
Viel mit sich selbst zu sein und sonst nichts, verlockt mit euphorischen Höhen und zerrt in melancholische Abgründe.
Mein Tagebuch spricht Bände. Denn seine Seiten waren die einzigen, die ich beschrieb; auch beschrie, beweinte, betrauerte, bejammerte ich sie. Doch genau das wollte ich. Theoretisch. Schauen und probieren, wie es so ist mit mir überwiegend allein unterwegs zu sein in einem anderen Land.

Wie es ist, alle Alltagspflichten abzulegen. Wie es ist, wenn kein Hund morgens am Bett steht und sein Morgenlied jault. Wie es ist, wenn weder Waschmaschine noch Spülmaschine noch sonst irgendein Gerät zum Zwecke angeblicher Arbeitserleichterung sich elektronisch zu Wort meldet? Piiiieeep, fertig, räum mich aus. Wie es ist, ein anderes Leben zu führen als das, was ich bisher führte.

Einen Reisebericht wird es nicht geben. Nicht jetzt. Die Verarbeitung dieser sehr intensiven Zeit ist noch in vollem Gange. Nur so viel: Ich habe mich zuhause gefühlt in diesem wunderbaren Alentejo mit seinen magischen Landschaften. Ich habe mich zutiefst willkommen gefühlt. Intuition und Liebe haben mich nach Portugal geführt. Sie werden es wieder tun.

Ich hatte alles, was ich zum Leben brauchte. Ich lebte einfach. Ich lebte einfach. Ich lebte intensiv. Unbehelligt von Informationsflut, Angst, Krieg und Katastrophen.
Ich war neun Tage glücklich in diesem Land der freundlichsten Menschen, die mir bisher begegnet sind.

Jetzt bin ich zurück in Deutschland. Jedenfalls ein Teil von mir, denn der andere hat sich sein Leben in Portugal eingerichtet.
Ob ich auch zurück auf Ideenlese bin, das weiß ich noch nicht und gebe den Dingen Zeit.

Calma calma.
Immer mit der Ruhe.