Dazwischen – Interpretationen

Dazwischen Hoch gelebt und tief gefallen – alles gegeben, alles genommen; den Himmel erlebt und die Hölle erfahren – viel gewonnen, viel zerronnen; …

DichtArt CXXVII – Dazwischen
between low an high
between earth and sky

between stay and go
between jam and flow

between young and old
between hot and cold

the between in me
for eternity

between now and past
just one soul at last

nothing in between
between you and me

for eternity.

(c) ideenlese 2022

Die große Mutter

Für Lieselotte


Ihr Herz weit und stark,
entspannt,
warm und strömend.
Ihr Wissen aus Tiefen,
ganz einfach betörend.

In Klarheit genossen
und in Konsequenz,
gelassenes Hoffen
mit Kuchen kredenzt.

Ihr Blick hell,
erkennend,
mit Seelengespür.
Ihr Haus eine Heimat,
mit offener Tür.

Ihr Babbeln frei raus
und gemeinhin
ne Flotte.
Ich glaube,
so war sie,
sehr groß.
Lieselotte.

Ich hörte von ihr,
hätte sie gern gekannt.
Mag sein es gelingt,
andere Zeit, anderes Land.

Dann brüht sie Darjeeling,
mit Kandis und Sahne,
Zigaretten dabei,
so ist sie, die Ahne.

(c) ideenlese

Flügelschläge, grüner Tee & Currywurst



Zwischen Geburt und Tod liegt ein Flügelschlag. Ich breite meine Arme aus und beginne zu schlagen. Ich ahme die Flügelschläge eines großen Vogels nach. Ich nehme mir viel Zeit und hebe und senke graziös meine Schwingen.
Meine verspannten Nackenmuskeln rufen mir zu: Fly, Baby, fly.

Was, wenn ich gleich abhebe?

Ein bisschen fliegen, für eine Weile schweben, Freiheit von all dem Zeug und Kram, von dem ich mich binden und in Beschlag nehmen lasse?

Misses Jott schnuppert an der Verlockung der Freiheit, niest vom wohligen Kribbeln in der Nase und genießt den warmen, strahlenden Duft.

Mit geschlossenen Augen spüre ich nach, wie wenig Zeit zwischen dem Auf- und Abschwingen der Flügel liegt.
Ich beschleunige und entschleunige und gleite schließlich von der Frequenz eines Kolibri Flügelchens in das behäbige Pflügen des Albatros.  Schließlich finde ich mich in der Pose eines sterbenden Schwans wieder.

Wenn ein Schwan singt, lauschen die Tiere
Wenn ein Schwan singt, schweigen die Tiere
Und sie neigen sich tief hinab, raunen sich leise zu:
Es ist ein Schwanenkönig, der in Liebe stirbt. (Karat)

Irgendwann hebt sich der Flügel nicht mehr. Und, ja, in Liebe zu sterben, das ist Vollendung.
In Liebe zu leben hat für mich den größeren Charme.

Wie viel Zeit haben wir zwischen dem Auf- und Abschwung eines Flügels? Wie viel Zeit habe ich noch?
Keine Ahnung.
Schlage ich viel zu oft mit den Flügeln? Mache ich immer noch viel zu viel Wirbel um die vermeintlich wichtigen Dinge des Lebens?

Wie wäre es, viel öfter zu segeln? Die Flügel auszubreiten und sich von Wind und Thermik tragen lassen zu lassen?
Was tue ich und vor allem was unterlasse ich in der Zeit, die ich habe. Der Flügelschlag, der zwischen Ein- und Ausatmen liegt. Bin ich am Leben, im Leben? Oder bin ich eigentlich mit meinen Gedanken und Gefühlen beschäftigt und in Vorstellungen verhaftet, die nichts oder nur sehr wenig mit dem zu tun haben, was jetzt ist und was meins ist?

Fülle ich mein Leben mit dem Credo des Müssens und Sollens? Verausgabe ich mich im Erfüllen von Erwartungen, von denen ich meine, dass sie an mich gestellt werden? Bin ich ein Wunscherfüller, ein Anerkennungsjunkie?
Suche ich unablässig nach dem ultimativen Mittel, das mich endlich glücklich macht?

Setze ich mich den abertausenden Informationen, die unablässig auf mich einhämmern wie hilflos aus, weil ich glaube, dass ich das alles wissen muss?

Ich weiß nichts, außer, dass im Kühlschrank noch eine Currywurst von vorgestern liegt, die ich jetzt essen werde. Kalt. Und dazu mache ich mir einen grünen Tee.
Komische Mischung? Ja. Komische Mischung. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.

Ist vom Tier, ist zu fett, macht Cholesterin und Heißhunger auf Schokolade, die wiederum zu viel Zucker hat und auch zu viel Fett; und der grüne Tee? So, wie du ihn trinkst ist er eigentlich tot, der muss frisch sein und das Wasser darf nicht kochen, sondern maximal 70 Grad haben und ….

… und was? Fresse halten.

Wenn es dir so wie mir geht und du immer noch viel zu oft versuchst, alles richtig zu machen, gesund zu leben, den Müll zu trennen und nebenbei noch die kleine und große Welt zu retten und dir jeden unerbetenen Ratschlag zu Herzen nimmst, dann fang an, jetzt kräftig mit den Flügeln zu schlagen und deine zuverlässige Bodenständigkeit unter dir zu lassen.

Etwas unter sich lassen. Ist das nicht auch die Bedeutung von pinkeln? Wunderbar. Ganz genau. Passt doch.

Dreh deine Lieblingsmusik auf, tanze, singe und lass mal kribbeln. Spür mal, was dir ein Kribbeln in der Nase und tiefer verursacht. Und dann welcome an dem Ort, an dem du dich selbst triffst. Da, wo es strahlend, warm und lustig ist. Da, wo du weder neue Klamotten oder anderen Schnickschnack brauchst, um dich gut zu fühlen.

Da, wo du kalte Currywurst essen und grünen Tee trinken kannst, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.
Cheerio!






Dancing with myself

Dieser Text enthält nicht nur Spuren von Ironie und Galgenhumor. Er strotzt geradezu davor!

Wenn nix weiter hilft, dance with yourself, schreibt Steffen mir, verlinkt mich mit Billy Idol und versorgt mich mit etlichen Daumen hoch, Herz-, Umarmungs-,Bier-, Wein- und Cocktail Emojies.

Ja Emotionen kann ich. Schwache Nerven? Check. Drama? Aber gerne doch. Sentimentale Orgien? Gimme more. Schließlich kann man so wunderbar schnulzige Gedichte schreiben, wenn das Herz wund, zerfetzt und halbtod schwächelnd auf kaltem Beton pulsiert.

Krieg, Klima und andere Katastrophen machen aus mir seit Tagen einen schluchzenden Alien. Schlimmer noch, eine in Mitleid und Weltschmerz ersaufende, graumelierte Maus.

Ich kann also aus dem Vollen schöpfen und mich den schmachtenden und leckenden Zungen durchdrehender Geschehnisse vollumfänglich hingeben.

Eine Sinnkrise ist doch erst dann herrlich ergiebig, wenn sie sich an einem flankierenden Umfeld reiben und sich on top mit einer ordentlichen Tüte Selbstmitleids zudröhnen kann.

Während ich mit dem Idols Billy das Lattenrost in Schwingung versetze höre ich von weit her den lieblichen Ruf meines Mitbewohners Frrrüüühstück!!!

Well I wait so long for my love vibration and move me and myselft die Treppe hinunter, mache mir einen superxxlstrong Kaffee, was sich auch als sinnvoll erweist, denn kaum habe ich es mir in der freudigen Erwartung gemütlich gemacht, gleich in mein halbes Hönigbrötchen beißen zu dürfen, beginnt mein Gegenüber, mich in gesellschaftspolitische Themen zu verstricken. Bin isch roter Faden? Nope.

Ungünstiges Timing, sehr ungünstig, ungünstigst ever, befinde ich mich doch in den lustvollen Nachwehen köstlich schmerzhafter Emotionskontraktionen.

Ich diskutiere nicht mehr, höre ich mich mit beängstigend ruhiger Stimme sagen, ich befinde mich in einem privaten Schweigeseminar. Just for your Info.

Und wie willst du den Hund rufen, wenn er wieder irgendeinen Scheiß macht? Mit Telepathie?
Die Sanfte in mir bekommt die erste Hitzewallung und verlangt aus tiefster Sehnsucht nach narkotisierenden Wattebäuschen; gerne stinkend und klebend wie Federn auf Pech und Schwefel, die sich dem Gegenüber anhaften mögen. Telepathie. Ganz genau.
Gib mir ein Äon.

Und überhaupt – ich gebe dir eine Stunde. Länger hältst du sowieso nicht durch. Du kannst gar nicht anders, als deine Sprüche in die Welt zu pusten! Das wäre ja der zuverlässige Hinweis auf dein vollendetes Ableben, wenn du deine lieblichen Ideen nicht mehr verbreiten würdest.Verbal, viral und überhaupt.

Ich setze meine Sonnenbrille auf, lächle und winke mit königlicher Geste zum gegenüberliegenden Tischende. Das werden wir ja sehen, liegt mir auf den Lippen und ich kann mich nur knapp zurückhalten, es nicht laut zu sagen. Uhrenvergleich: Minute eins ist noch nicht um.

Zurück im Bett, Notebook auf den Oberschenkeln, Billy in Dauerschleife auf den Ohren und Kuschelhäschen auf dem Bauch, huscht mir ein Lächeln übers gequollene Antlitz, und ein Kichern erbarmt sich meinem erbärmlichen Zustand.

Da erscheint er auch schon. Zuverlässig und wie immer strahlend schön. Der Favorit unter meinen zahlreichen Liebhabern; mein unkaputtbarer Humor. Durchtrainiert, kein Gramm zu viel auf den Rippen, volles, hüftlanges Haar, das volle Programm.
Er küsst mich, wie nur er es kann und steckt mir dann den Ring unserer unendlichen Verbindung an den Mittelfinger. Ich hatte die beiden, also sexy Humor samt Ring, in die Komposttonne geworfen. Intellektuelle Fehlleistung at its best, denn Humor und Edelmetall sind bekanntlich unkompostierbare Helfer in verzweifelten Phasen.

Geht doch.

Und während sich Emotion und Intellekt zaghaft bei den Händen nehmen und sich, wie schon tausendmal zuvor verliebt versprechen, von nun an wirklich und bis ans Ende … in guten wie in schlechten Zeiten….. blablabla, höre ich mich laut singen Heaven must be missin‘ an angel; Selbstverliebtheit for runnaways.

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Portugal/ Alentejo Reise März 2022

Viel schreiben und lesen wollte ich während meiner Zeit in Portugal.
Beides tat ich kaum.

Stattdessen habe ich mir Zeit genommen. Sehr viel Zeit. Zeit zum Aufstehen, Zeit zum Ruhen und Schlafen, Zeit zum Kaffeekochen, Zeit, mir in aller Ruhe Mahlzeiten zuzubereiten, Zeit zum Sitzen und zum Schauen, Zeit, kommen zu lassen was kommen wollte und gehen zu lassen, was gehen wollte.

Einfach war das nicht.
Viel mit sich selbst zu sein und sonst nichts, verlockt mit euphorischen Höhen und zerrt in melancholische Abgründe.
Mein Tagebuch spricht Bände. Denn seine Seiten waren die einzigen, die ich beschrieb; auch beschrie, beweinte, betrauerte, bejammerte ich sie. Doch genau das wollte ich. Theoretisch. Schauen und probieren, wie es so ist mit mir überwiegend allein unterwegs zu sein in einem anderen Land.

Wie es ist, alle Alltagspflichten abzulegen. Wie es ist, wenn kein Hund morgens am Bett steht und sein Morgenlied jault. Wie es ist, wenn weder Waschmaschine noch Spülmaschine noch sonst irgendein Gerät zum Zwecke angeblicher Arbeitserleichterung sich elektronisch zu Wort meldet? Piiiieeep, fertig, räum mich aus. Wie es ist, ein anderes Leben zu führen als das, was ich bisher führte.

Einen Reisebericht wird es nicht geben. Nicht jetzt. Die Verarbeitung dieser sehr intensiven Zeit ist noch in vollem Gange. Nur so viel: Ich habe mich zuhause gefühlt in diesem wunderbaren Alentejo mit seinen magischen Landschaften. Ich habe mich zutiefst willkommen gefühlt. Intuition und Liebe haben mich nach Portugal geführt. Sie werden es wieder tun.

Ich hatte alles, was ich zum Leben brauchte. Ich lebte einfach. Ich lebte einfach. Ich lebte intensiv. Unbehelligt von Informationsflut, Angst, Krieg und Katastrophen.
Ich war neun Tage glücklich in diesem Land der freundlichsten Menschen, die mir bisher begegnet sind.

Jetzt bin ich zurück in Deutschland. Jedenfalls ein Teil von mir, denn der andere hat sich sein Leben in Portugal eingerichtet.
Ob ich auch zurück auf Ideenlese bin, das weiß ich noch nicht und gebe den Dingen Zeit.

Calma calma.
Immer mit der Ruhe.


Aus der Schwere

So wie ein Schiff auf schwerer See,
das leichte Segel hisst,
und schwerer Mut mit leichtem
Wein sich durchaus lindern lässt.

So wie des Körpers schwere Last
viel leichter wird durch Fasten
und Leichtsinn tiefem Denkvorgang
behilflich ist beim Rasten,

So ist, was manchmal schwer erscheint,
aus andrer Perspektive,
als wenn man nach nem langen Weg
auf leichten Federn schliefe.

Die Kraft der Schwere hält uns
fest und sicher auf dem Boden.
Und manchmal sind wir schwerelos,
im Traum wird gern geflogen.

(c) ideenlese 2022

Ein Titel, zwei Gedichte.
« Aus der Schwere »
Che Chidi Chukwumerije

Gehen lassen


Es ist der Liebe Freiheit nur,
die lebt in meinem Streben,
und diese leitet mich fortan,
in Ruhe durch das Leben.

So lass ich dich nun gehen,
und eine Weile treiben,
im Strom echten Erkennens,
still bin ich, köstlich Schweigen.

Und morgens geht die Sonne auf
und abends wieder unter,
ein Glück, wenn unsere Zwischenzeit,
lebendig ist und munter.

Zum Ende, was kein Ende ist,
lass es mich deutlich sagen,
die echte Liebe werde ich
mein Lebtag in mir tragen.

(c) ideenlese