Allgemein, Poesie

Ach Tag



Ach du Tag, was fange ich an,
mit dir und deinem Sinnen,
deinem Trachten,
dich in deiner Gestalt
dem zu beugen, zu bezeugen,
was ich aus dir machen könnte,
wenn ich wollte.

Denn Müssen, mein Tag,
macht mich malade, mutlos
und konfus,
so ist es gut,
dass ich heute nichts muss.

Außer putzen und waschen,
vom Erdbeereis naschen,
die Blumen begießen
und das genießen,
was Leben ist.

Ach du Tag, sei mein,
alles fein.


©ideenlese

Standard
Poesie, Spaß

Die Pampelmuse

Sie tut mir gut,
ich schließe Frieden,
mit ihren fruchtig, fleischig,
bitter säuerlichen
Allüren, zartes Rosé,
wie dieser Tag,
mit seinem Mimosenstart,
erfüllt von melancholischem Getue,
verzehre ich verzerrten Antlitzes
die Bittersäuerliche, blind vor
dem Spritzer im Auge des Orkans,
und atme Ruhe,
die sich  über dies und das und jenes legt,
wie eine Schicht edler Salben,
nach dem Rütteln und Schütteln,
dem Wund- und Trägsein
dieser Montage,
die ihrer bedürfen, allenthalben, dringlich
dieser Muse.
Mit und ohne Pampel.

©ideenlese

Standard
Allgemein, Leben & Liebe, Poesie, Spaß

Inzidenz 34

Niemand wird mehr Lust darauf haben, etwas darüber zu lesen, wenn es vorbei ist. Mich schaudert vor den tausenden von Corona Romanen, die wir zu lesen bekommen werden.

Irgendwo, tief im Dickicht der hiesigen Gazette trat ich heute Morgen auf diese Sätze. Es war zu früh für mich, um mehr wahrzunehmen als das leise Knacken eines Astes, in dem Augenblick, in dem man im Unterholz auf ihn tritt, während man versucht, den Hausschlüssel zu finden, der einem genau hier, an dieser Stelle aus der Hosentasche gerutscht sein muss.

Das Knacken im Gestrüpp ist schnell vergessen und die Erleichterung über den gefundenen Schlüssel zu groß, als sich an den knackenden Ast zu erinnern, der einen an die richtige Stelle führte.

Als ich viel später unter der Dusche stehe, denke ich über diesen Satz nach.

Niemand wird danach mehr Lust darauf haben, sich daran zu erinnern!

Lust ist super. Aber es geht leider nicht nur um Lust, sondern darum, zu lernen, zu entwickeln, im Zweifel, um Verzeihung zu bitten, etwas wieder gut zu machen, jedenfalls so gut es geht.
Zäsuren werden erst im Nachhinein Geschichte und Geschichten.

Sich zu erinnern macht Mühe, hinzusehen, tut manchmal sehr weh und uns schreckt die Aussicht darauf, dass wir etwas ändern müssen, das unserer Lust nicht gefällt oder dass wir etwas gar nicht mehr ändern können, selbst wenn wir wollten.
Die Lust wird angesichts dieser miesepetrigen Aussichten widerspenstig und geht eine Allianz mit der Verdrängung ein.

Was passiert, wenn wir uns nicht mehr erinnern wollen oder können?
Fluch und Segen.

Wenn wir uns nicht immer wieder daran erinnern, was zu Kriegen, Zerstörung, Katastrophen und unsäglichem Leid geführt hat und immer noch führt, was passiert dann?
Nichts? Einfach weitermachen? Einfach so tun, als sei alles in Ordnung? Alles vergessen und stattdessen nachholen, was man an vermeintlich Wichtigem versäumte? An Spaß, Freiheit, Lust, Erfüllung aller möglichen Bedürfnisse?

Bitte nicht, das kann nicht gut gehen und endet im schlimmsten Fall in Verleugnung von Tatsachen und gipfelt in Versäumnissen aller möglichen Arten.

Sich erinnern zu können ist ein Geschenk, sich erinnern zu müssen eine große Herausforderung, sich erinnern zu wollen ist mutig. Das Erinnerte zu transformieren, Schlüsse daraus zu ziehen, zu lernen, das ist Leben.

Und mittenrein in den Morgen und seine Überlegungen driftet ein kleines Ehegeplänkel.

Mein Mann, morgens viel wacher als ich es je sein werden, referiert über die Inzidenzen.
Wir sind jetzt bei 34. Das ist noch ganz schön hoch, so im Vergleich, aber immerhin fallende Tendenz.

Verglichen womit, frage ich und fahre fort.
Unsere persönliche Inzidenz liegt heute auf den Tag genau auch bei 34. Tendenz steigend.



Wir sind seit 34 Jahren zusammen und seit 33,5 Jahren verheiratet, infizieren uns tagtäglich neu, halten Abstand, setzen uns ab und zu sogar Masken auf, entwickeln Antigene, husten uns was, sind verschnupft und hingen schon so manches Mal an überlebenswichtigen Tröpfen; uns ging die Luft fast aus, wir kämpften gegen bekannte und unbekannte Mutanten und wurden selbst zu welchen.

Was uns oft durch hochkritische Wellen getragen hat, war auch die Erinnerung! Eine kleine Sequenz in Wiederholungsschleife, die uns daran erinnert, was wir füreinander fühlen, wie verknallt wir waren, was wir gemeinsam geschafft haben und jeder für sich.

Und dann war da dieses leise Knacken, wie wenn man auf einen kleinen, trockenen Ast im Unterholz tritt. Knack, fanden wir den Schlüssel wieder, den wir verloren hatten, als wir irgendetwas suchten, im Unterholz, was wir dort nicht finden konnten.


©ideenlese

Standard
Allgemein, Leben & Liebe, Poesie, Spaß

Ungereimte Klarstellung


Wenn du mich interessierst,
dann stelle ich dir Fragen,
die sich trauen, was wagen.
Dann hör ich, was du sagst und wie,
dann schenke ich dir Zeit
von meiner, ein wie Wein,
nicht zu wenig, nicht zu viel,
aber rein muss er sein.

Wenn du mich interessierst,
dann schmücke ich
mit wohlbedachten Worten,
ungestüm,
unbedarft,
den Raum des Wesentlichen,
aus, wo Masken keine sind,
das alte Spiel von Mann und Frau
verstaubt und längst verblichen,
ein Bild von damals nur.

Wenn du mich interessierst
dann liegt mir was an dir,
auch wenn ich selbst nicht
weiß warum,
und auch nicht recht wofür,
dann füllst du weder Lücken,
bist kein Mittel gegen Frust.
Dann bist du hier und ich bei dir,
aus Freude und aus Lust.

Dann hüllt dein Schweigen
meines ein und meine Worte
deine.
Verstand und Herz
sind überein.
Das ist kein Scherz
ich meine das
so wie gesagt.
Wenn du mich interessierst,
dann wird auch was gewagt,
die Formen frei von Normereien,
schließen ein,
Gleiches und das was uns trennt.

Wenn du mich interessierst,
dann ist das anders, mehr, als
ein Projekt, ein Buch, ein Film.
Dann mausert sich da was,
wächst, gedeiht, zu dem,
was es ist, längst war oder ich
hab verpennt,
dass Freundschaft nicht mehr
existiert.
Dann hab ich immerhin probiert,
mich dir zu offenbaren.

Wenn du mich interessierst,
dann du, keine Beliebigkeiten,
das ist kein Trick, kein Spiel,
nicht jetzt,
auch nicht in Zeiten,
die uns verstören mögen,
müssen.
Wenn du mich interessierst,
mein Freund,
will ich auch von dir hören.

Und wenn nicht?
Dann nicht.
Dann interessiere ich mich wohl,
doch du vermutlich nicht.

©ideenlese

Standard
Allgemein, Leben & Liebe, Lernen, Poesie

Digame

Sag mir, was du willst,
denn ich spüre deinen Wunsch
unter meiner Haut.

Sag mir, was du siehst,
denn ich male meine Bilder
mit deinen Farben.

Digame.

Sag mir, welchen Weg zu gehst,
denn ich habe meine Spuren
auf ihm hinterlassen.

Sag mir, was du fühlst,
damit ich dich erkenne.

Digame.

Sag mir, was du denkt,
damit ich mit deinen Gedanken spielen kann.
Sag mir, was dich bewegt,
und ich lade den Wind der Freiheit ein,
dich auf seinen Schwingen tanzen zu lassen.

Digame

(2003) ©ideenlese

Standard