Spätblüher

Aquarell, Christine 2021

Jetzt nehme ich mir, was ich kann, ich finde, ich bin jetzt mal dran und lasse meine Knospen sprießen, vom Füllhorn Freude mich begießen.

Du sagst, ich sei die Anemone, blüht spät, im Herbst, ob sich das lohne? So kurz bevor der Winter naht?

Und ich frag dich, hast du gewusst, dass eine Blume gar nichts muss? Sie blüht stets wenn sie kann, wie schon gesagt, ich bin jetzt dran.

Drum nehme ich mir diesen Kuss, mag sein, den letzten, vor dem Schluss, tauch ein im Kreislauf der Natur, richte mich nicht nach deiner Uhr.

(c) ideenlese

Ruhestand

Im Ruhestand, gelobtes Land, da fang ich an zu leben. Als Pensionist da kann ich dann erzittern und erbeben.

Wenn ich die Arbeit erst beende, dann lass ich’s richtig krachen. Dann werd ich dies und jenes tun, dann fang ich an zu lachen.

Gelobtes Land, der Ruhestand, für diese und für jenen, für etliche verbranntes Pfand, zu spät für dieses Leben.

Im Hier und Jetzt, praktisch nur heute, könnt ihr gestalten, sein, Mensch, Leute!

Wenn du nicht lebst und liebst, gleich jetzt in der Sekunde, dann schlägt nicht erst im Ruhestand dir deine Todesstunde.

(c) ideenlese

Erstickt

Und dann geht ihr der Atem aus, man sagt sich: Ach, die Luft ist raus. Ganz plötzlich war da gar nichts mehr.

Aha? Ist es nicht länger her? Dass wir uns nicht beachtet haben, desinteressiert und lieblos waren? Der Schwur von guten, schlechten Tagen – verpufft.

Nun stehen wir am Grab der Liebe, gehofft, dass sie noch etwas bliebe, nehmen wir Abschied und verstecken, das stille Leid in Seelenecken.

Die Liebe hat sich längst erhoben, und ist von hier nach dort geflogen, macht Rast, wo sie gedeihen kann an Tat und Wort, an einem Ort, von zugewandter Zärtlichkeit.

Wenn du mich fragst, ich bin bereit, sie in die Welt hinein zu tragen, ich will es immer wieder wagen, denn Welt ist Liebe, Liebe Welt. Die kaufst du nicht mit deinem Geld!

(c) ideenlese

Promise

I promise to open my mind and soul to whatever is in the deep blue. Between the gap of science and emotion.

I promise myself to grow into the space of calm and the eternal flame.

I promise to fix my gaze in the eyes of those who share the path of love and empathy.

I promise myself to forgive and be instead of not being and letting grudge win.

I promise myself to play the song of faith and hope.

Against all odds.

(c) ideenlese

Let‘s rock!

You know who brought you into this world. Child of mother and father.

You feel that your real origin is elsewhere. You come from everywhere.

You are part of the greatest.

Let’s rock the universe. Now!

Don’t waste any more time.

Rock your life

(c) ideenlese

Hallo Tag

Welche Namen wir dir auch geben, Synonyme nur für Gedanken, Gefühle, Reprisen in Schranken verwiesen, wegen jenem und diesem.

Muster von Glauben, Erfahrungen, Erinnerungen, guten wie miesen. Immer bist du, was du bist. Spender von Möglichkeiten, die einen Weg bereiten.

Hallo Tag, du bist Schicksalstag, Zahltag, Prüfungstag, Arbeitstag, Hochzeitstag, Geburtstag und Todestag.

Du kannst Auftakt sein zu einer Sinfonie. Und du kannst ihr Schlussakkord sein. Welche Namen wir dir auch geben, Synonyme nur für das Leben.

(c) ideenlese

Herzklopfen



Das Herz schlägt den Beat, damit wir ihn wie den Ruf einer Trommel hören,
damit wir im Rhythmus dazu tanzen und leben.

Hör auf dein Herz.

Ein stilles Herz macht so viel Sinn wie Musik, die schweigt.
Ein stilles Herz macht so viel Sinn wie eine Sirene, die nicht warnen kann.
Deshalb schlägt es den Beat.

Deshalb schlägt es schneller und kräftiger.
Und deshalb gerät es aus dem Takt, wenn du nicht darauf hörst,
was es dir laut und deutlich sagt.

© ideenlese


Das zutiefst Menschliche

Denn das Geistige in der Kunst, das Wesentliche, das Unsichtbare, das die Worte zu schönen, gut gesetzten, wohlklingenden und richtigen macht, das kann man nur mit dem Nous (der Geist) erklären.

Das zutiefst Menschliche. Das, was uns Menschen ausmacht.

Was würde man denn einem Außerirdischen sagen, der fragt:

Was habt ihr Menschen denn ins Universum eingebracht? Wir würden mit ihm nicht über die Naturgesetze reden. Bei denen sind wir ja der Meinung, dass sie überall im Universum die gleichen sind.

Nein – wir würden ihm unsere Gedichte vorlesen, unsere Musik vorspielen, ihm unsere Bilder zeigen.

Lesch/Vossenkuhl, Die Großen Denker, Philosophie im Dialog, Heyne, 2011.