Die vergessene Eile

Ich mag die Langsamkeit 
des Seins in ihrem gelassenen Innehalten.
Zeit zum Spüren,
Zeit zum Berühren.

Ich mag die mutige
und erhabene Zuversicht,
den Geist fein säuselnden Humors.

Ich mag den Takt des
langsamen Walzers,
sein Schmiegen und Turteln.

Ich mag diesen Text
und dieses Klavierspiel
von Stefan.

Sie kommen gelegen,
auf den Punkt, wie Balsam
auf den selben,
der ein wenig wund ist,
ein wenig schmerzt.

In dieser Zeit
des Fragens, des Hoffens,
der Befürchtungen.

Wie ein kleines,
sinnliches Wunder,
an dessen Erscheinen
der Glaube verloren ging.

Nur fast.

Danke Stefan.
Wundervoll.
🌺

Heute in der Frühe begrüßte mich in meinem Garten unweit des Kirschbaums eine Weinbergschnecke, die im vom Morgentau benetztem Gras ihren Walzer der …

Die vergessene Eile

24 Millionen

Tageszeitung, Seite 3,
Politik, Skandal, Geschrei,
angezeigt im Vollformat,
nicht ganz sauber aber smart.

Große Lettern, bunte Bilder,
Ablenkung gestimmt uns milder.
Lullt uns ein und macht uns taub.
Der Verstand, dörrend im Staub.

Tageszeitung, Seite 3,
Randnotiz nur, vogelfrei,
Splitter, so die Überschrift,
weil es nicht so wichtig ist.

24 Millionen in Äthiopien
und Sudan, Kenia, Somalia,
Menschen, die vergessen werden
in den vielen Kriegsgebährden.

Rheinmetall im Liefermodus,
schwere Waffen noch als Bonus,
was zählt da der Hungertod?
Friss wer kann, ganz ohne Not.

Tageszeitung, Seite 3,
mir wird schlecht, und Morgenbrei
tritt spontan den Rückweg an,
weil das echt nicht wahr sein kann.

(c) ideenlese

Macht

Den großen Krieg beenden?
Kann ich nicht.

Die große Gier abwenden?
Kann ich nicht.

Den großen Hunger stillen?
Kann ich nicht.

Das große Bewusstsein wecken?
Kann ich nicht.

Die große Wahrheit finden?
Kann ich nicht.

Die große Menschheit gründen?
Kann ich nicht.

Den großen Egoismus überwinden?
Kann ich nicht.

Die großen Lügen aufdecken?
Kann ich nicht.

Die große Dummheit erhellen?
Kann ich nicht.

Allein.
Wir alle müssten es wollen und tun.


Ich kann im Kleinen.
Du kannst im Kleinen.

Den kleinen Frieden schließen.
Können wir.

Die kleine Demut üben.
Können wir.

Das kleine Bewusstsein schärfen.
Können wir.

Die kleine Dummheit erkennen.
Können wir.

Den kleinen Mut einsetzen.
Können wir.

Die kleine Liebe pflegen,
bis sie so groß ist, dass
sie die Begegnung mit der
großen Angst nicht mehr
fürchtet.

Ich kann nichts anderes.
Tun im Kleinen.

Kannst du was anderes tun?
Als tun im Kleinen?

Allein?
Wir alle müssten es tun.

Was wäre das für eine Macht.

(c) ideenlese

Ohne Wenn und Aber

Wenn ich eine Staatsfrau wäre,
läge alles im Bestreben,
dass in meinem kleinen Staat,
jeder was zu essen hat.
Ferner jeder, der denn kann,
ganz egal, ob Frau ob Mann,
einen Sinn in Arbeit fände
und nicht sein Talent verschwende.

Wenn ich eine Staatsfrau wäre,
würd ich wollen, echt, ich schwöre,
dass es allen gut ergänge,
mit viel Freiheit, ohne Zwänge,
wohnen und gut leben könnte,
von der Wiege bis zur Rente.

Wenn ich eine Staatsfrau wäre,
wär‘s mir dann nicht eine Ehre,
Wohl zu schaffen statt Kriegsheere?
Gutes Klima, Transparenz, anstatt
Machtimpertinenz?
Müsste ich nicht dafür sorgen,
mir nicht zu viel Geld zu borgen?
Worte meinen, die ich sage,
Ohren auf für Weh und Klage?

Wenn ich eine Staatsfrau wär,
fiel auch mir es sicher schwer,
meine Eitelkeit zu zügeln
und Verführung auszubügeln.
Dienen anstatt Egotrip,
hielte mein Charakter mit?

Könnte ich ne Staatsfrau sein?
Meine Antwort lautet nein.
Denn ich wäre dem System
sicherlich zu unbequem
und zu nett auch obendrein.

Aber wer kann Staatsfrau sein?
Meinetwegen auch Staatsmann,
der nen Staat nice handeln kann
und dabei niemals vergisst,
dass er selbst ein Mensch nur ist.

(c) ideenlese

Stimmungsgelage

Angesichts der Weltenlage 
desolate Stimmungsplage,
aufgrund dessen ein paar Fragen,
die ich kaum zu fragen wage.

Wann hört die Verblödung auf?
Wann der opportune Lauf?
Mensch, du Laune der Natur,
kannst du echt Verwüstung nur?

Brauchst die Gier, die Macht,
die Waffen,
kannst es stets mit Hass nur
schaffen, Liebe ist was für Naive?
Ein paar schwache Narrative?

Es fällt schwer, es zu begreifen,
Äpfel und Bananen reifen,
Menschen, manche, viele, nicht.
Ende naht, auch vom Gedicht.

(c) ideenlese