Eine Liebeserklärung

Du bist eine Intellektuelle, sagte er und ich hüllte mich in beleidigtes Schweigen, denn bei mir kam an: Emotion ist bei dir Fehlanzeige.
Was soll das, fragte ich mich, muss ich mir das geben?

Hunderte Sonnenaufgänge und ebenso viele Gespräche später wird mir klar, welches Potenzial Aussagen unabhängig davon haben, ob sie wahr oder falsch sind.

Wenn sie etwas in uns ins Schwingen bringen oder uns verletzen, dann reagieren wir häufig in der Art und Weise, die wir gelernt haben, die tief in uns verwurzelt ist. Angriff oder Flucht.

Was passiert aber, wenn wir den Impuls aufnehmen? Wenn wir den Schmerz der Verletzung und die Angst davor für unser Wachstum nutzen? Wenn wir die Inspirationen pflücken, wie Blumen, und das Füllhorn der Erfahrungen mit ihren Blüten zum Überfließen bringen?

Sich angesichts einer immer bedrückender werdenden Weltlage derartige Gedanken zu machen, mutet auf den ersten Blick vielleicht naiv an. Die überbordende Emotionalität einer Intellektuellen? Als gäbe es keine anderen Probleme.

Natürlich können wir uns fragen, welchen Sinn unsere Dichtung, unsere Musik, unser künstlerischer Ausdruck hat. Wäre es nicht angesagt, über das zu schreiben, was ganz offensichtlich falsch läuft?

Und dann? Was wäre dann anders? Würde sich etwas verändern?

Ich würde bunte Blätter nehmen, sagte mir Dichterling gestern während unseres philosophischen Jour fixe.
Bunte Blätter? Verwirrung ist mein zweiter Name.

Und dann las ich über die Blätter und die Zeichen. Ich las auch die Kommentare, eine Kritik, die mich ansprang und ich fühlte, dass sie, selbst wenn sie inhaltlich richtig sein mag, irgendwie nicht ins Bild passt.

Denn worum geht es denn hier? Um korrekte Rechtschreibung, um Perfektion, um Leistung?

Das, was sich hier, im Kreise von kreativen Menschen an schöpferischer Kraft freisetzt, ist ein Geschenk von unschätzbarem Wert.

Und dass es so ist, hat seine Wurzeln in Menschen, die am Werk sind, die sich mit Verletzungen und Schmerz im Leben gut auskennen und die bereit sind, zu fliegen.
In Freude, auch in Freude!

Wie wunderbar ist es denn, sich von Kompositionen tiefster Hingabe berühren und mitnehmen zu lassen. Welch eine Bereicherung ist es, Literatur in Verbindung mit philosophischen Fragen an das Leben formvollendet präsentiert zu bekommen.

Grandios vollführte Wortakrobatik auf dem Hochseil fundierter Kenntnisse und last not least die unterhaltsame Einführung in das Reich der Gartenfrüchte, wie Dünger für die Tomatenpflanze.

Nicht zu vergessen die verschworene Community ostwestfälischer Insiderdichtung begleitet von lyrischem Klappern.

Als Überschrift habe ich Eine Liebeserklärung gewählt.
Es ist eine. An euch! Ohne eure inspirierenden Gedichte, Texte und Musikstücke, ohne eure Freundschaft, Liebe und Verbundenheit würde es dieses Buch nicht geben.

In mir, wie zum Beweis, Frieden, der, hätten wir ihn alle und immer in uns, möglicherweise die Lösung für die Probleme der Welt wäre.

In diesem Sinne und wohlwissend, dass nichts bleibt, wie es ist wünsche ich mir und euch, dass uns Kreativität, Liebe und echte Verbundenheit in unserem Leben und Wirken bleiben.

Was bleibet aber, stiften die Dichter.
Friedrich Hölderlin, aus: Andenken 1803/ 1805

Und die Liebe.
Love & Peace



Herz sticht

Wenn Du mich interessierst,
dann stelle ich Dir Fragen,
die sich trauen, die sich wagen.

Dann höre, was Du sagst,
und wie, ich, nichts anderes,
dann schenke ich Dir Zeit,
von meiner und Gedanken,
ein, wie Wein, nicht zu wenig,
nicht zu viel.

Wenn Du mich interessierst,
dann schmücke ich,
mit wohlbedachten Worten,
den Raum unserer Schnittmenge,
erforsche,
was sich dahinter,
daneben, darüber
und darunter,
bunt und gleich und anders
zeigt.

Bei Dir.
Bei mir.

Und dann,
mausert sich das Uns,
das Wir,
wächst hinein,
vielleicht,
gedeiht,
zu dem, was es ist,
schon immer war.

Und wenn nicht?
Dann nicht.
Dann interessierst du mich nicht
und ich nicht dich.

Herz sticht.

(c) ideenlese


Lied für Cherub

Du bist der mit dem Schwert.
Hüter meines Schatzes,
den ich in mir trage,
verborgen vor den Schergen
der Irrungen und Wirrungen.

Mein Schutzengel,
mein weiser Rat,
meine Stimme und
mein Schmerz.

Dieses Lied ist für dich,
Cherub,
der mir Aufbruch und Weg weist,
bis zum Schluss.

Dieses Lied ist für dich,
mein innerer Cherub,
der du mich nie verlassen wirst,
von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Du bist der mit dem Schwert,
Hüter meines Schatzes,
den ich in mir trage.

(c) ideenlese

Vom Können

Kann Tränen lachen,
Perlen weinen,
manchmal reden,
lieber schweigen.

Kann Flügel stutzen,
und doch
fliegen.
Schmerz aushalten,
Kinder kriegen.

Kann aus Worten
Farben mischen,
aus Gemüse
Kunst auftischen.

Kann in moll
und dur
was singen,
bringe Fantasie
zum Klingen.

Kann aus Rosen
Balsam rühren
und damit
dein Herz
verführen.

Kann aus Tauen
Knoten
lösen,
schick Kamele
glatt durch Ösen.

Kann Leben
lieben,
Liebe
leben,
tief und rein,
hab viel zu geben.

(c) ideenlese

Baby Love

Whoo-ah-whoo
Baby love, my baby love
I need ya, (baby, ooh, baby love) oh, how I need ya
But all you do is treat me bad
Break my heart and leave me sad
Tell me, what did I do wrong
To make you stay away so long?


Schmachtende Minne for ever.
Der Siegeszug der romantischen Liebe begann vor zirka 200 Jahren und ein Ende der bürgerlichen Institution Romantische Liebe plus Pragmatismus gleich Ehe ist nicht in Sicht. Hormongeschwängerte Manie at its best, Wahnsinn der Idealisierung und die Sehnsucht nach immerwährender Verschmelzung, Verletzungen und unerfüllbare Erwartungen als all inclusive Enttäuschungs-Paket.

Die Trennungs- und Scheidungszahlen sprechen eine deutliche Sprache. Man muss es sich leisten wollen und können. Die hochstilisierte Romantik, die Trennung und sämtliche Spielarten egogetriebener Affärchen.

Wer liebt wird verletzt. Wer liebt, verletzt. Ist das so? Muss das so sein?
Es passt nicht, wir haben uns auseinandergelebt. Passiert.
Und jetzt ist da jemand, der uns den Honig ums Maul und tiefer schmiert, den wir schon viel zu lange vermissen. Guten Appetit.

Wer kennt ihn nicht, diesen Kipppunkt zwischen Genuss und Kotzen.

Da haben wir wohl an irgendeiner Stelle nicht zugehört, nicht hingesehen und gleich den drei Affen die Kanäle dicht gemacht.

Lyrik, Filme und Musik nähren sich aus den Funken eines Strohfeuers, das hochgradig Verliebte maximal sechs Monate in den Sinuskurven von Schmerz und Lust überleben können.

Wer kann so etwas ernsthaft als erstrebenswerte Dauereinrichtung in Erwägung ziehen? Vernunft und Verliebtheit sind Gegensätze, die sich aus dem Weg gehen, die um Redewendungen wie Gegensätze ziehen sich an einen großen Bogen machen. Gleich und Gleich gesellt sich gern.

Es kommt drauf an.

Ich brauche dich, oh, ich brauche dich und alles was du tust ist, mich zu verletzen und mir mein Herz zu brechen.
Traurig lässt du mich zurück. Sag mir, was habe ich falsch gemacht.


Nüscht. Gar nichts hast du falsch gemacht. Außer vielleicht, dass du dein Herz lieber für dich hättest behalten sollen. Denn ohne Herz ist es mühsam, den Beat des Lebens zu rocken und auf den eigenen Rhythmus Acht zu geben.
Du hast es vorgezogen, dich in den Strudel der Selbstvergessenheit zu stürzen. Verbiegt, Verbogt, Vertrallala.

The price we have to pay.

Du hattest deinen Spaß, also freu dich darüber.

Aus Spaß wurde aber (oft) Ernst, und Ernst ist heute drei Jahre alt oder dreißig.
Blöder Spruch, der aber bei Lichte betrachtet gar nicht blöd ist.

Wie rettet man denn nun das Gefühl der Verliebtheit ergo die sexuelle Lust, die Faszination am Anderen hinüber in die freundschaftliche, die partnerschaftliche Liebe, angesichts des stetig verblassenden Idealbildes?

Kommunikation ist alles, sagen die einen, Lerne dich erst einmal selbst kennen und lass dich erst dann auf das Gegenüber ein, sagen die anderen. Ja wenn das so ist, bleiben wir doch am besten für uns, allein, und nehmen uns unser Leben lang Zeit, uns selbst so richtig gut kennenzulernen und uns wollüstig wie ein Brummkreisel, um uns selbst zu drehen. Mit 105 können wir dann ja immer noch den Schritt in ein Wir wagen.

Der Mensch ist ein sozial kopulierendes Wesen, Ausnahmen bestätigen die Regel, nur eine Minderheit ist wirklich fähig dauerhaft allein leben zu können. Wir brauchen zumindest Freunde und Bekannte. Wir brauchen Kontakt, Wertschätzung und Anerkennung. Wir brauchen das Gegenüber, um nicht an uns selbst zu ersticken und zu verzweifeln und um uns nicht im Dickicht auf der Suche nach unseren vielen Selbsten im dornigen Brombeergestrüpp die dünne Haut aufzuritzen.

Bleibt immer noch eine Lücke aus Sehnsüchten nach besagter Verschmelzung, Einssein, Seelenpartnerschaft.
Woher kommt sie?
Geben wir von Generation zu Generation unsere Bedürftigkeit und Vernachlässigungen weiter?

Sind wir möglicherweise wirklich Seelen in Körperhüllen, die sich ihren selbst gewählten Aufgaben stellen und in zehntausenden von Lebenszyklen ihre to Dos abarbeiten? Glauben ist nicht Wissen. Wieder eine Lücke.

Ich mag das Wort zeitgemäß nicht. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Ist das noch zeitgemäß?
Es geht in der Liebe nicht um das Konstrukt Zeit. Die Art, Beziehungen zu leben, Liebe zu leben, ist unabhängig von der Zeit. Sie ist abhängig von Bedingungen.

Ja aber, höre ich, bedingungslose Liebe, das ist es doch, was wir anstreben sollten.
Den anderen so lassen wie er ist, Null Verpflichtung, alles kann, nichts muss, es dauert, solange es dauert, Laissez-faire ma chère.

Und bitte bitte, bloß keine Abhängigkeiten.

Aha. Wer diese Art von Agape, von göttlicher Liebe oder Philia, von Nächstenliebe wirklich leben kann und will, nur keine Hemmungen. Minnegesang für Fortgeschrittene. Schmachten und mit dem Fächer wedeln in der Moderne.

Wir sind Menschen. Wir verlieben uns und wir ent-verlieben uns, heißt schlicht, der Bock auf Sex lässt nach.
Muss das zwangsläufig so sein?
Training, Fantasie und das Loslassen unangemessener Angst vor Peinlichkeit sind die drei Musketiere der Hingabe.
Wenn wir dann, quasi im Vorspiel, so pfiffig wären, uns nicht nur körperlich, sondern auch geistig aneinander zu reiben, wenn wir uns trauten, Konflikte und Meinungsverschiedenheiten konstruktiv und mit einem Mindestmaß von Ehrlichkeit auszutragen, anstatt jedes Räuspern persönlich zu nehmen, dann, ja dann…

Vielleicht würde es dann an der einen oder anderen Stelle klappen mit der Beziehung namens Romantische Liebe plus Pragmatismus.
Dauerhafte Liebesfreundschaft anstatt Schmachtminne im Quickieformat.

Vielleicht.
Einen Versuch wäre es wert. Oder zwei, drei, vier.
Oder?




Impetus

Manchmal ist er ungestüm,
und ich kann’s von Weitem sehen,
dass er etwas raushauen muss,
mein geliebter Impetus.

Quasi revolutionär
stellt er sich den Thesen quer,
die ich wäge, minus, plus,
mein geschätzter Impetus.

Fehlt mir Stein im Mosaik,
stößt er auf, an, mit Geschick,
Lücke? Wo? Gezielter Schuss,
Tja. So isser. Impetus.

Da ich jünger bin als du,
sagt er auf den Kopf mir zu,
freue dich an meinem Tun,
später hast du Zeit zum Ruhen.

Impetus streckt Zunge raus,
freches Grinsen, Augenschmaus,
viel dafür, wenig dagegen,
für mein Leben ist er Segen.

(c) ideenlese