Der Tag an dem der Philosoph mich striff

An einem Tag, es war im Mai,
ich ging auf meinem Weg,
da traf ich, völlig unverhofft,
'nen Typen, der war schräg.

Sein Haar schlohweiß, wie sein Gewand,
die Augen blau, der Blick charmant,
bat er mich drum, mal stehen zu bleiben,
er wolle mir nur kurz was zeigen.

Wie ich nun bin, kam ich ins Stutzen,
fragte mich still nach einem Nutzen,
da hob er an, er würde hoffen,
ich sei für neue Perspektiven offen.

Na gut, sprach ich, dann trau ich mich,
und sah ihm klar ins Angesicht, 
das sich mit Lächeln überzog.
Und schon begann ein Dialog.

Er bot mir an, ein Stück zu schreiten,
Bewegung, sei nicht abzustreiten,
mache den Kopf, Herz, Seele frei.
Okay, sprach ich, ich bin dabei.

Wer bist du, und wenn ja, wieviele?
Gehören Triebe stets zur Liebe?
Was ist der Wille?
Ist er frei?
War erst die Henne, dann das Ei?
Ist die Moral geprägt von Strenge?
Und Freiheit die, die Kette sprenge?

Die Zeit wurde bedeutungslos,
ermüdet fielen wir ins Moos,
schlossen die Augen, schliefen ein.
Es muss ein Traum gewesen sein.

Vielleicht aber auch nicht.
Erkenntnis ist zwar keine Pflicht.
Doch seit dem Tag bin ich erpicht,
den Dingen auf den Grund zu gehen.
Sie vielseitig mir anzusehen.
Gesetztes auch zu revidieren.
Empfehlung auch mal ausprobieren.

Seit jenem Tag in jenem Mai,
da ist viel Zeit vergangen.
Der Philosoph hat mich gelehrt,
nach jedem Tief neu anzufangen.

So ist die Ganzheit nun einmal.
Hoch auf den Berg, hinab ins Tal.
In Freude ganz so wie im Schmerz.
Dem schrägen Typ gehört mein Herz.

(c) ideenlese

Schöne Vergänglichkeit & Reprise

Schöne Vergänglichkeit Ein Weg beginnt mit ‘ner IdeeIhr Keim, er sagt sich munter: geh!So läuft sie los mit großem MutUnd stürzt sich in die …

DichtArt CXXIX – Schöne Vergänglichkeit

🌹

Once there was a rose in summer,
Was so tender and so bright,
Even in the storm of thunder,
She was there and hold you tight.

Gave you all that she could give to,
Lost herself in gentle be,
Spend you calm and lovely moments,
Strong as every oldest tree.

When the summer turned to autumn,
Roses leaves return in earth.
Only hope and deepest love flow,
Bring her back in springs rebirth.

Once there was a rose in summer,
Loveliest you ever knew,
Smell of love you will remember,
Where you’ll stay and where you’ll go.

Don’t foget the one and only,
Rose of life and full of grace,
Still her gift is every morning,
Lovely smile upon your face.

Once there was a rose in summer.

(c) ideenlese

Engel

Du sagtest „mein Engel“
und ich putzte meine Flügel.

Du sagtest „mein Sonnenschein“
und ich begann zu strahlen.

Du sagtest „meine Liebe“
und ich wurde hellhörig.

Du sagtest „Maus“ oder „Schatz“.
Und ich sagte „piep“ und ergraute.

Ich hörte dich flüstern „mein Engel“.
Und der Schmerz brachte mich fast ums.

Du sagtest zu ihr „mein Sonnenschein“.
Und ich verbrannte vor Wut.

Du nanntest sie „mein Liebe“.
Und ich lachte laut.

Du sagtest „Mäuschen“ und  „Schätzchen“ zu ihr.
Und ich wuchs über mich hinaus, wurde stark
und sagte du mir:

Ich bin ich.

(c) ideenlese

Die Puppe


Die blonde, kühle, wunderschöne,
die leblos,statisch, ohne Töne,
als Vorbild nicht das Wahre war,
gedanklich war sie immer da.

Sei schön, sei still, sei hübsch charmant,
und sei vor allem recht galant,
sollt es um deine Meinung gehen,
so stell dich brav auf deine Zehen.

Vermeide Streit und Wiederstände,
und du wirst sehen, am guten Ende,
haut dich dein großes Herz voll um!
Kein Gleichgewicht?

Tja, Schätzchen, dumm
gelaufen, doch noch nicht zu spät.
Zieh dir die Nadeln aus dem Brain
und du wirst schmerzfrei geradestehen,
zu dir und dem was dich bewegt.

Du darfst, du kann, du hast die Kraft,
die vieles kann und manches schafft.
Die Barbie ist nur Nostalgie.
Was wichtig ist, das ist dein Chi.


(c) ideenlese

24 Millionen

Tageszeitung, Seite 3,
Politik, Skandal, Geschrei,
angezeigt im Vollformat,
nicht ganz sauber aber smart.

Große Lettern, bunte Bilder,
Ablenkung gestimmt uns milder.
Lullt uns ein und macht uns taub.
Der Verstand, dörrend im Staub.

Tageszeitung, Seite 3,
Randnotiz nur, vogelfrei,
Splitter, so die Überschrift,
weil es nicht so wichtig ist.

24 Millionen in Äthiopien
und Sudan, Kenia, Somalia,
Menschen, die vergessen werden
in den vielen Kriegsgebährden.

Rheinmetall im Liefermodus,
schwere Waffen noch als Bonus,
was zählt da der Hungertod?
Friss wer kann, ganz ohne Not.

Tageszeitung, Seite 3,
mir wird schlecht, und Morgenbrei
tritt spontan den Rückweg an,
weil das echt nicht wahr sein kann.

(c) ideenlese

Dazwischen – Interpretationen

Dazwischen Hoch gelebt und tief gefallen – alles gegeben, alles genommen; den Himmel erlebt und die Hölle erfahren – viel gewonnen, viel zerronnen; …

DichtArt CXXVII – Dazwischen
between low an high
between earth and sky

between stay and go
between jam and flow

between young and old
between hot and cold

the between in me
for eternity

between now and past
just one soul at last

nothing in between
between you and me

for eternity.

(c) ideenlese 2022

Ohne Wenn und Aber

Wenn ich eine Staatsfrau wäre,
läge alles im Bestreben,
dass in meinem kleinen Staat,
jeder was zu essen hat.
Ferner jeder, der denn kann,
ganz egal, ob Frau ob Mann,
einen Sinn in Arbeit fände
und nicht sein Talent verschwende.

Wenn ich eine Staatsfrau wäre,
würd ich wollen, echt, ich schwöre,
dass es allen gut ergänge,
mit viel Freiheit, ohne Zwänge,
wohnen und gut leben könnte,
von der Wiege bis zur Rente.

Wenn ich eine Staatsfrau wäre,
wär‘s mir dann nicht eine Ehre,
Wohl zu schaffen statt Kriegsheere?
Gutes Klima, Transparenz, anstatt
Machtimpertinenz?
Müsste ich nicht dafür sorgen,
mir nicht zu viel Geld zu borgen?
Worte meinen, die ich sage,
Ohren auf für Weh und Klage?

Wenn ich eine Staatsfrau wär,
fiel auch mir es sicher schwer,
meine Eitelkeit zu zügeln
und Verführung auszubügeln.
Dienen anstatt Egotrip,
hielte mein Charakter mit?

Könnte ich ne Staatsfrau sein?
Meine Antwort lautet nein.
Denn ich wäre dem System
sicherlich zu unbequem
und zu nett auch obendrein.

Aber wer kann Staatsfrau sein?
Meinetwegen auch Staatsmann,
der nen Staat nice handeln kann
und dabei niemals vergisst,
dass er selbst ein Mensch nur ist.

(c) ideenlese

Mundus ergo sum

Den Besen schwing ich,
früh am Morgen,
und fege, gründlich,
alle Sorgen,
zusammen auf ein’ Haufen.

Sodann schau ich
den Dreck mir an,
mich nicht vor ihm
verstecken kann.

Da sehe ich den
ganzen Schmutz,
der mir stets dient,
als Putz und Schutz.

Im Fegen liegt
ein Zauber.
Danach fühl ich mich
sauber,
verschwunden blinder Fleck.
Und Morgen?
Neuer Dreck.

(c) ideenlese

Die Ewigkeit der Utopie

Mein Ideal 
von Love & Peace,
zerrinnt,
wie Sand,
in meiner Hand.

Geht ein,
und auf,
in der Wüste,
der Zeiten,
des Lebens Weiten.

Mein Ideal,
vom Ideal,
entkommen,
dem Rausch,
in Wogen, in Bausch.

Utopia in mir,
enttäuscht,
enttarnt,
ein verhärmtes Bündel?

Von Ewigkeit
zu Ewigkeit,
freier Fall,
durch das All,
Es und Nichts.

(c) ideenlese

Nimm mich

Schicksal, ach Schicksal, übernimm du das Steuer, irgendwie ist mir mein Leben zu teuer, die Schläge, die du mir zuweilen verpasst, ganz ehrlich, du Schicksal, hast ganz schön geprasst. 

Nun denn, meine Liebe, mal Butter bei Fische, es ist ziemlich selten, dass ich mich einmische, auch bin ich nicht von der schlagenden Zunft, dagegen ne Freundin von klarer Vernunft.

Nimmst du mich, nehm ich dich sehr gern an die Hand, geh mit dir durch die Steppe, über Wiesen, an den Strand. Schick dir Leute vorbei, die Freunde du nennst und sorge dafür, dass du lebst und nicht pennst.

Wir wissen nicht, ob wir Naturgesetz sind, manchmal sind wir sehend, ein andermal blind, dann führen wir selbst uns geschickt hinters Licht.
Und nennen es Schicksal, doch ist es das nicht.

Was Ursache und was die Wirkung ist, ob Anfang gleichzeitig schon Ende bemisst, es ist immer dein Leben, das dich tritt, das dich küsst und in dem du auch ein Entscheider bist.

Nimm mich, ach nimm mich, mein Leben, mein Sein, und ich nehme dich im Schmerz und im Freuen.

(c) ideenlese

Stimmungsgelage

Angesichts der Weltenlage 
desolate Stimmungsplage,
aufgrund dessen ein paar Fragen,
die ich kaum zu fragen wage.

Wann hört die Verblödung auf?
Wann der opportune Lauf?
Mensch, du Laune der Natur,
kannst du echt Verwüstung nur?

Brauchst die Gier, die Macht,
die Waffen,
kannst es stets mit Hass nur
schaffen, Liebe ist was für Naive?
Ein paar schwache Narrative?

Es fällt schwer, es zu begreifen,
Äpfel und Bananen reifen,
Menschen, manche, viele, nicht.
Ende naht, auch vom Gedicht.

(c) ideenlese



Feuchtwiesen


Tabus verlieren im Humor und in der Liebe an Bedeutung. Freiheit, die ich meine. Tabus verlieren auch im Krieg ihren Status, was als Anmerkung reichen muss, reichen soll.

Ich habe Angst, klar, wer kann sich davon freisprechen?

Dass die Vögel des Kummers um deinen Kopf herumfliegen kannst du nicht ändern; aber dass sie Nester in deinem Haar bauen, das kannst du verhindern, steht in meinem Poesiealbum, datiert 1972. Es braucht fünfzig Jahre, um erwachsen zu werden, und mehr, um zu begreifen, jedenfalls ein wenig.

Was kann ich wirklich verhindern und was wirklich bewegen?

In Phasen der Dürre sind es Menschen, die lieben und das Erinnern und intuitive Erkennen darüber freilegen, dass es das Fließen ist, was uns alle lebendig sein lässt mit allem was gerade ist.

Menschen, die lieben, leben und leben lassen, die auch sterben lassen, gehen lassen können, die schwach sind und stark aus ihren Verletzungen erwachsen und deshalb immer offener und bewusster werden.


Menschen, die für sich geradestehen, auch wenn gerade der Boden unter ihren Füßen bebt und das Herz flattert.

Wie nutzen wir die Inspiration, die auf den imaginären Feuchtwiesen in uns Blüten treibt?
Welche gemeinsame Sache nehmen wir ins Visier? Und was könnte nicht alles dabei herauskommen?

Fragen sind wie Küsse (ebd. Carmen Kindl-Beilfuß).
Es kann gar nicht lange genug geküsst und gar nicht zu wenig gefragt werden. Finde ich. Und gelacht natürlich auch – gerade jetzt, gerade hier, und vor allem heute!

(c) ideenlese 2014, überarbeitete Version 2022

Bei aller Liebe



Liebe ist langweilig.

Dieser Satz brachte mir in den 2010er Jahren einen Minishitstorm aus Kreisen spirituell überzeugter Menschen ein. Liebe und Spiritualität. An welcher Stelle des Rankings besprochener Themen stehen sie aktuell? Ich weiß es nicht. Vielleicht sind sie tatsächlich Langeweiler verglichen mit Themen und Entwicklungen, die uns allen seit geraumer Zeit in ausgeklügelter Einseitigkeit geboten werden.

Liebe ist Bindungsenergie.
Ein weiterer Satz aus naher Vergangenheit, der ein stilles Häh in mir auslöst. Und was ein Häh bei mir initiiert, macht mich neugierig, und ich beginne zu graben und freizulegen und gehe mit Schippchen und Eimerchen auf Exkursion.

Mit Liebe kenne ich mich aus. Oder? Kenne ich die Liebe? Ich liebe, also bin?  Bin ich eine Liebende?
Geht so.
Liebe ist individuell. Und sie ist eine Illusion. Wie individuell ist die Liebe? Ist Liebe eine Illusion? Liebe hat viele Facetten. Welche Facetten hat die Liebe? Die Liebe. Welche?

Je weiter ich in diesem Erdenleben fortschreite, desto weniger bin ich an Wissen interessiert, das institutionellen Quellen entspringt. Je älter ich werde, und wie wir alle werde ich ununterbrochen und ständig älter, desto mehr kommt die Wahrheit der Intuition ins Spiel. Ins Spiel des Lebens und ins Spiel der Liebe.

Ich stelle zunehmend Moral und all ihre Normen und Regeln in Frage.
Und dabei spüre ich eine innere Diskrepanz, was nicht überrascht, denn wir alle lernen lebenslang und bewegen uns in kulturell gewachsenen Normen, Regeln und Mustern. Steter Tropfen höhlt den Stein.

Das ist vollkommen in Ordnung. Aber es ist nur die eine Seite der Medaille. Es gibt eine andere. Eine, die alles umfasst.

Und alles heißt, wir müssen und sollen als lernende Wesen auch unser Denken in einen sich entwickelnden und ausdehnenden Prozess integrieren, uns offenhalten, auch für Neues und erstmal Ungewohntes, Unbequemes. Okay. Einen Scheiß müssen wir. Worte in ihrem begrenzten Potenzial.

Nur weil wir etwas gewohnt sind, weil Dinge schon immer so waren, heißt das nicht, dass es sinnvoll ist, sie so zu belassen. Das gilt für alles! Was kann alles dabei herauskommen, wenn wir ohne Tabus und moralische Einschränkungen denken?

Hinterfragen Sie! Hinterfragen Sie alles; und hinterfragen Sie vor allen Experten, Wissenschaft und betitelte Koryphäen und ergänzen Sie um Ihre eigenen Denkergebnisse. Die Intuition muss in allem zu Wort kommen.

Ein Satz, den mir mein Lieblingsprofessor mit auf den Weg gegeben hat.
Übrigens war er im hohen Rat der Wissenschaft immer ein Außenseiter, einer, der hinterfragte, Systeme in Frage stellte. Ein großartiger Lehrer und Pädagoge.

Liebe, die ebenbürtig im Verbund mit einem vernünftigen Verstand steht, der sich bemüht, flexibel und offen zu werden, zu sein und zu bleiben und erstmal mit Schippchen und Eimerchen auf eine Exkursion geht:

Bei aller Liebe, das könnte gut werden!

Liebestaumel

Benommen vom Taumel der Faszination 
des Erkennens, dass die absolute Wahrheit
jenseits aller Worte und Bilder verborgen
liegt.

Wie ein mildes Lächeln erst, im Schlaf,
das auf den Kuss des Erwachens vertraut
und im Gewandt reiner Liebe
anhebt, zu einem Lachen.

Von dort hinein in den Taumel der Freude,
berauscht von der klaren Sicht jenseits aller Worte und Bilder.

(c) ideenlese 2021





Ein Fest

Manchmal steh ich auf dem Schlauch, 
ganz ohne Ahnung, aber auch,
den Ahnen auf der heißen Spur,
ein kleines Stückchen
fehlt mir nur.

Der Tritt in Hintern, Analyse,
paar klare Worte, Expertise,
das Grauen der direkten Art,
mit tiefer Zuneigung gepaart,
Rundumpaket nach Dallschafart.

Dann weiß ich gleich,
wer mir vertraut, Herz über Kopf
ins Innen schaut, wem ich mich
nackt zu zeigen traue,
auf dass er meine Seele schaue,
mich nimmt mit allem Zipp und Zapp,
den ich, en masse, zu bieten hab.

Es ist ein Fest mir, ohne Frage,
und dauert an, dreihundert Tage,
gelebt in Freude, Neugier, Lassen,
geliebt,gehalten, rote Tassen.

Und war und ist mir ein Vergnügen,
dich in mein Dasein einzufügen,
gleich einem Teil in einem Puzzle,
und das ist echt mal großer Massel.
Tov.

(c) ideenlese

Ciao Marleen

Ciao Marleen, schön anzusehen, das bist du, klar, und auch, fürwahr, aufrührerisch verführerisch, mit deinem Wortspiel, tief und hell, so sexy, zart, spirituell.

Ciao Marleen, dein Haar so schön, Erotik pur, dein Lippenspiel, auf Seelenspur, Chapeau Marleen, das lässt sich sehen, dir widerstehen, schwer einzusehen.

Ciao Marleen, du hast gewonnen, die Liebe, sauer und geronnen, die fließt wie Milch und Honig nun, von ihm zu dir, zieht ihre Spur ins Universum und zurück, hinein auch in sein gutes Stück.

Mach’s gut, Marleen, ich werd jetzt gehen, nimm du ihn, gerne, in der Ferne, da leuchten mir bereits die Sterne, den Weg, der meiner werden will, ein Tränchen noch, schon bin ich still.

Ciao Süße, sag ihm Grüße, nun küsst er dir statt mir die Füße, und ganz bestimmt auch noch den Rest. Ciao Ciao euch beiden, frohes Fest.

Nur kurz, noch auf ein Wort, Marleen, wir werden uns noch einmal sehen, du weißt, finalamente, denn hinten kackt die Ente!

(c) ideenlese

Wut

Gleich nachdem es geschah,
war ich ihr ganz nah.
Ihr heißer Atem zischte mich an,
fauchte,
Funken stoben,
glühend,
von ganz unten
bis ganz oben.
Und zurück.

Fast hätte sie es geschafft,
zu inkarnieren,
in Worte, lauthals, grob, ohne Sinn
formulieren,
was Emotionen diktieren,
Zensur,
kauert, in einer Ecke
im dunklen Flur.

Es ist wie es ist,
dauert, bedauert,
leckt wild die Wunden,
zerreißt sich in Fetzen
bis sie sich vollständig entladen
hat.
Ausgepowert,
dem Gipfel ganz nah,
ausgerutscht.
Flutsch!

Auf dem W,
einem schnöden,
beliebigen
W,
das sich dreht und wendet,
auf die Füße stellt,
Bodenhaftung,
aufrechter Weitblick
Tiefblick,
ins Wesenliche.

Transformation.
Aus Wut wird Mut.

(c) ideenlese



Haare



Aus den feinen Löchern ragen schwarze Borsten. Die bunten Plastikröhren sehen wie fette Raupen aus, die sich hellblau, rosa und zitronengelb an den Strähnen festkrallen. Auf dem Scheitel sitzen die großen, über den Ohren die mittelgroßen und im Nacken die kleinen, wie auf einer Tribüne, dicht an dicht, bis sie alle in der Schublade unter dem Waschbecken verschwinden, getrennt von den Nadeln, die wie ein langgezogenes U aussehen.

Aus den Locken wird ein Nest toupiert und in seine Mitte, wie ein aufgeplustertes Küken, ein Haarteil gesetzt. Dutzende Haarklammern verbinden das eigene Haar mit dem fremden, sie vereinen sich zu einem Turm aus Haaren und werden mit undurchdringlichen Nebelschwaden von Haarspray und Haarnetzen, fein wie Spinnweben, in Form gehalten.

Echthaar muss es sein. Niemand fragt, woher diese echten Haare kommen, wem sie gehörten. Wem gehören die Haare? Sind die Menschen, deren Haare jetzt Haarteile sind, gestorben? Oder leben sie noch? Ich traue mich nicht zu fragen, sitze in einem Babydoll aus rosa Polyester auf dem Klodeckel aus schwarzem Kunststoff und berühre vorsichtig die drei Wickler auf meinem Kopf. Sie sträuben sich. Der Druck zwischen Wickler und Haaransatz nimmt stetig ab. Und schließlich entlassen die borstigen Lockenwickler mein seidenes Kinderhaar in seine Freiheit und kullern auf den Boden, enttäuscht über die Glätte meiner Haare oder froh, ihnen entkommen zu sein? Wer weiß das schon.

Ich malträtiere mein Spinnwebenhaar mit Dauerwellenflüssigkeit die so ätzend ist, dass mir die Augen tränen und die Kopfhaut sich anfühlt, als wäre sie unter einen Flammenwerfer geraten.

Ich färbe mir die Haare mit Henna orangerot und trage eine blonde Perücke, dazu eine schwarze Sonnenbrille und sehe aus wie ein Mitglied der RAF. Mein Vater erkennt mich nicht und macht mir die Tür vor der Nase zu.

Der Preis für Locken und lange Haare, die keine langen Haare werden wollen, ist hoch. Die dünnen, feinen Haare werden noch dünner und noch feiner. Sie legen ein Veto nach dem anderen ein, flehen darum verschont zu werden und fallen schließlich aus, weil ich ihnen nicht zuhöre, weil ich sie quäle und ihnen nichts anderes übrigbleibt.

Je mehr ich lang und lockig will, desto mehr lichten sie sich. Ein Kampf, den ich verliere.

Ihr Haar ist zu zart für eine Dauerwelle, sagt mir der Frisör. Ich bleibe stur und komme nach vier Stunden mit einer Frisur nach Hause, die wie ein aufgeplatztes Sofakissen aussieht. Die Seide ist zu trockenem Stroh geworden.

Meine Kinder erkennen mich nicht wieder und verstecken sich erschrocken hinter dem Lesesessel, und meine beste Freundin wird blass und kann ihr Entsetzen nur mit Mühe verbergen.

Bis ich herausfinde, dass mein Haar ist wie es ist und zu mir passt, weil ich bin wie ich bin, vergehen drei Jahrzehnte. Und mein Haar revanchiert sich dankbar für meine Einsicht, entspannt sich, erholt sich und wird sogar etwas voller.

Silbrige Patina legt sich über die  Strähnen meiner einst  dunkelbraunen Haare, veredelt sie wie der weiße Schimmel die Salami.

Die Patina, die mich mein Leben und mich mitten drin noch einmal mit einer ganz besonderen Geschmacksnuance verwöhnt.

(c) ideenlese


Wicht ich

Will ich
meinen BH verbrennen?
Bambule feiern
zetern, flennen?

Will ich
das Andere
schrill verfluchen?
Die Schuld akribisch
grollend suchen?

Will ich
mich opfern
für die Sachen,
mein Glück abhängig
davon machen,

Wovon ich denke,
dass ich muss?

Nope.
Damit ist jetzt Schluss.

Was ist denn wichtig
für ein Leben?
To do nach Liste,
schnelles Streben?

Selbstoptimierung,
Perfektion?
Tolles Gehalt,
doch wenig Lohn?
Sich selbst erschöpfen,
Welt gleich mit?
Mal ehrlich,
hältst du da noch Schritt?

Ich kann.
Das Meiste
kann ich nicht.
Denn ich bin Mensch,
somit ein Wicht,
wie alle anderen
Wichte auch.

Mit einem Ende,
das es braucht,
um einzusehen:
Unser Leben,
fragil,
im Geben und im Nehmen.

(c) ideenlese

Langeweile

Sie weilte kurz
dann zog sie sich
in voller Länge aus.
Nackte Routine
nun im Blick.
Anregung
schlich sich raus.

Da ist sie lang,
so sagt man mir,
und weist mich,
wissend Blick.
Ich mach mich auf
suche nach ihr,
sie ist
mein Gegenstück.

Wenn eine Weile
lang und leer
an Oberflächen sucht,
dann geh ich durch
der Hintertür,
dann bin ich
auf der Flucht.

(c) ideenlese 2022






Somnolenz

Dauer dämmernden Gewusels,
Zwischen Welten, Traumes Fusel,
Zeit wie Zuckerwattes Fäden,
die den lockend Geist verkleben.

Ruhe, Aus, bis Weiteres,
Treiben lassen, ohne Stress,
Mittel die durch Venen rauschen,
Somnolenz mit Schmerz zu tauschen.

Weltgeschehen Randnotizen,
Menschenbilder wie Novizen,
Leistung bringen, Perfektion?
Funktionieren? Bau nen Klon.

Seele schmunzelt, Rosenrotes,
Blühend leben, das was tot ist,
Rest in Peace und sei bedankt,
Lass den Spaß jetzt aus dem Schrank!

(c) ideenlese 2022


Fragen an die dicke Frau

Dicke Frau
Manchmal, wenn ich wütend bin
manchmal, wenn ich traurig bin
manchmal, wenn der Frust mich quält
Weine, weil rein gar nichts geht.

Manchmal, wenn ich ängstlich bin
manchmal, wenn ich böse bin
manchmal, wenn der Zweifel beisst
Weine, weil es mich zerreißt.

Manchmal, wenn ich nicht mehr will
manchmal, werd ich starr und still.
Manchmal mache ich dann zu,
geh kaputt, will meine Ruh.

Manchmal bin ich dann so schlau
und befrag die dicke Frau:
Hilf mir, gib mir bitte Rat!
Und dann schreitet sie zur Tat.

Komm, sagt sie, an meinen Busen.
Was?, frag ich,
Ja ja, komm schmusen.
Und dann lass dich einfach gehen.
Mensch kann nur als Mensch bestehen,
wenn Gefühl er sich erlaubt,
sich des Dunklen nicht beraubt.

Wut und Hass und Groll und Schmerz
gehn auf Niere, Leber, Herz,
wenn wir sie nicht anerkennen,
toben, schreien, lästern, flennen.
Gib ihnen stets Raum und Zeit
denn sie sind dein Alltagskleid.

Manchmal, wenn ich fröhlich bin
manchmal, wenn ich glücklich bin
manchmal, wenn mir was gelingt
Freu ich mich und bin beschwingt.
Singe für die weise Frau.
Sie ist dick und sie ist schlau.

(c) ideenlese 2022

Tragbar

Trag mir nichts nach
und auch nicht vor.
Schenk mir ganz einfach
nur dein Ohr.

Und wenn‘s dir nicht
zu viel erscheint,
auch Herz, Verstand
und Lebenszeit.

Lass uns vom Staunen
oft berühren
und gegenseitig
uns verführen.

Zu freiem Geist
tiefem Vertrauen
zu Toleranz und
offenem Schauen.

Dann trägt uns Liebe,
Freundschaft plus,
dann trägt uns Wille
und nicht Muss.

(c) ideenlese 2022

Frau Mauerblum & der Olivenbaum



In Mauers Schatten finden sich,
bescheiden und geflissentlich,
stets diese kleinen, zarten Blüten,
die vor der Sonne sich gern hüten.

Refugium ihr Schattenreich,
statt bunt bleiben sie gerne bleich,
da sieht sie niemand,
schlimmstenfalls
bricht ihnen jemand nur den Hals,
weil man mit Unkraut sie verwechselt,  
und daraufhin sie kurzum häckselt.
 
Jedoch, so hörte ich vor Tagen,
’nen Gartenfachmann kundig sagen,
gibt es in dieser Gattung Kraut,
mal eine, die sich etwas traut.
So auch Pauline Mauerblum,
die sich mit ihrem Mauertum
nur schwerlich anzufreunden dachte
und sehr viel lieber schallend lachte.

Vor Albernheiten jeder Prägung,
zog sie deshalb auch in Erwägung,
sich ihren lang gehegten Traum,
vom Sein unterm Olivenbaum,
statt an der Mauer zu verdorren,
als Vision nun festzuzurren.

So zupfte eine milde Hand,
sie kürzlich weg vom Mauerrand,
und pflanzte sie,
was für ein Traum,
direkt unter gewünschten Baum.
Nun blüht sie auf mit sonniger Miene,
Frau Mauerblum, genannt Pauline.

(c) ideenlese

Labyrinth der Lückenschlüsse

Mittendrin im Labyrinth,
überzeugt,
dass man wohl spinnt,
weil, wo eben noch ein Weg,
plötzlich eine Wand nun steht.

Also umdrehen, neu justieren?
Einen anderen Weg probieren?
Und die Kurven und die Biegen,
irgendwie dann doch noch kriegen?

Bleibt man stehen, still und starr,
weil, was eben war,
uns von jetzt auf gleich entweicht,
und dem Leben nicht mehr gleicht,
das mal unser Leben war.

Mittendrin im Labyrinth,
eben noch ein kleines Kind,
Jugend wie im Flug vergangen,
als Erwachsener angefangen,
sind wir flux im Kreis der Greise.

Sind da jetzt noch Lebenslücken?
Ist noch was zum Geraderücken?
Etwas, das wir sehr vermissen?
Und anstatt der Ruhekissen,
wünschen wir uns Lückenschlüsse.

Mittendrin in Labyrinthen,
die mit Tücken und mit Finten,
uns in ihre Gänge locken,
und um ihren Ausgang zocken.

(c) ideenlese





Holundergelee



„Sich absolut sicher über was auch immer zu sein, ist eine gefährliche Haltung, sei es politisch oder spirituell.
Menschen, die sich unsicher sind, die keine endgültigen Gewissheiten mit sich herumtragen, sind anpassungsfähiger und flexibler.
Und damit besser geeignet, zu wachsen. Menschen, die sich ihrer Sache zu sicher sind, bleiben stehen. Ich bin lieber in Bewegung.“

Ein Teil in mir meckert gerne mal rum. Über dies und das und jenes, eindimensional bis borniert, wähnt sich im Recht, hat die Weisheit mit Löffeln gefressen und beißt gerne mal wie ein durchgeknallter Terrier, um sich.

Es passiert immer seltener, aber es passiert. Und wenn es passiert ist, dann möchte sich der Rest meines Seins vor Scham in irgendein Mauseloch verkriechen und nie wieder herauskommen.

In der ersten Schockstarre über mein Verhalten beneide ich dann diejenigen unter meinen Mitmenschen, die unreflektiert und mit vehementer Härte ihr Ding raushauen, ungefragt belehren und über absolute Standfestigkeit in ihrer Meinung verfügen. Wow! denke ich dann. Holla, die Waldfee, denke ich weiter, da brennt es im Hollerbusch, öffne die Kühlschranktür, greife nach dem Holundergelee und tauche meinen Zeigefinger hinein, um ihn mir auf dem kürzesten Weg zum Munde zu führen, und dann lasse ich mir das köstliche Gelee auf der Zunge zergehen.

Holunder kann zaubern. Holunder ist ein heiliger Baum. Er steht für die Unendlichkeit des Lebens, Tod und Wiedergeburt. Holda, auch als Frau Holle bekannt, war früher, bevor die Herren Grimm sie in ihr Märchen setzten, die Hausgöttin strahlender Güte.

Ich lasse meinen Zeigefinger noch mal in das Glas mit dem Gelee gleiten.
Denn Holunder, so sagt man, transformiert. Er lässt Krankheiten und Schwierigkeiten verschwinden und wieder Leichtigkeit ins Leben kommen.

Aller guten Dinge sind drei. Einmal noch ab ins Glas und rein in den Mund.

Holunder begünstigt das Loslassen von dem, was auf seelischer Ebene nicht mehr benötigt wird.

Suche Menschen und nicht Länder, schrieb Michael mir gestern als Kommentar.

Kein Zufall, dass das Holundergelee ein Geschenk an mich war. Ein Geschenk von Menschen, die wie ein Stück Heimat für mich sind. Menschen, die unsicher sind, die keine endgültigen Gewissheiten mit sich herumtragen. Menschen, die sich bewegen und die nicht aufhören, zu wachsen und zu fragen.

„Ein gutes Lied braucht das Mehrdimensionale“, sagt Sting, von dem auch der einleitende Text stammt, am Ende des Interviews.

Ein gutes Leben braucht das Mehrdimensionale und immer einen Finger im Holundergelee.


Von oben gesehen

Der Käse, ist er hoch erhitzt,
zieht Fäden stets statt Kreise.
Das Wasser, wird es richtig kalt,
gefriert schon mal zum Eise.

Die Sonne bringt es an den Tag,
der Mond hüllt sich in Schweigen,
und sieht von oben ruhig zu,
bei dem, was wir so treiben.

Der Käse, den wir fabrizieren,
verbinden und zertrennen,
den kalten Umgang unter uns,
und dann das drüber Flennen.

Die falsche Liebe und die wahre,
das Trauern nach dem Gestern,
die Predigten im Freiheitsreim,
hört, hört, Brüder und Schwestern.

Wir ziehen Fäden wie ein Käse,
blasen, sogar das Laub,
und sind vom ganzen Lärm um nichts,
auf Ohr und Herzen taub.

Der Mensch, ein dünnes Fädchen bloß,
manchmal ein loses Ende,
Erkenntnis wie ein Käse nur,
kein Ausblick auf die Wende.

Der Mond indes total verknallt,
Botschaft an seine Sonne,
Ach du, mein ewig leuchtend Stern,
du bist mir eine Wonne.

Dein helles Herz strahlt unentwegt,
auf meinen dicken Bauch,
ich liebe dich, trotz der Distanz
und weiß, du liebst mich auch.

Die alte Sonne krault dem Mond,
zärtlich Telepathie,
zuerst den Kopf, den Hintern auch
und tiefer, bis zum Knie.

Die eine spielt ihr Spiel bei Tag,
der andere bei Nacht,
so gibt es keinen Sternenkrieg,
Chapeau- echt gut gemacht.


(c) ideenlese 2022


Gehen lassen


Es ist der Liebe Freiheit nur,
die lebt in meinem Streben,
und diese leitet mich fortan,
in Ruhe durch das Leben.

So lass ich dich nun gehen,
und eine Weile treiben,
im Strom echten Erkennens,
still bin ich, köstlich Schweigen.

Und morgens geht die Sonne auf
und abends wieder unter,
ein Glück, wenn unsere Zwischenzeit,
lebendig ist und munter.

Zum Ende, was kein Ende ist,
lass es mich deutlich sagen,
die echte Liebe werde ich
mein Lebtag in mir tragen.

(c) ideenlese