Erinnerungen

Erinnerungen balzen,
wie ein Pfau, der sein prächtiges
Federrad schlägt,
als gäbe es kein Gestern,
kein Vergessen, Verdrängung zerstoben
zu Asche und Staub.

Erinnerungen, wie Gespenster,
gerufen aus der Vergangenheit,
kokettieren vorwitzig mit
ihrem morbiden Charme,
spielen das Ass der Verführung aus.

Erinnerungen irrlichtern, bleiben
im Versteck des Zwielichtigen,
wie verschmitzte, feiste Kobolde,
verwirrend im Triumph.

Erinnerungen, verblassend wie die
Farbe der Tinte auf alten Briefen,
Doch ohne sie würden die bittersüße
Melancholie und das Schmunzeln der
Liebe in Armut verhungern.

Erinnerungen balzen und schlagen
ihr buntes Rad aus Freude, Schmerz,
Verklärung, Angst und Sehnsucht.
Sie waren und sie sind und sie werden
sein.

Erinnerungen.

(c) ideenlese

Eine spanische Reprise auf ein englisches Gedicht

Dieses Gedicht von Dichterling hat es mir angetan. Es schwirrte in mir; es hauchte mir eine Reprise ein. Es mag einem Spanisch vorkommen. Dabei ist es nur ein kleines bisschen mystisch.

(c) Dichterling, 2022
 Reprise


El momento de vivir el amor
trae el fin de todas las luchas.

Eleva los sueños a la familiaridad.
Conciencia y experiencia
y la experiencia.

En la rendición a la verdad,
el grito se eleva a la melodía
del corazón, canta lo reprimido
sentimiento.

Y tu alma,
brillo vivo.

¿Te parece español?
Es la danza mística de la vida.

(c) ideenlese
unterstützt von Deep L

Im Moment lebendiger Liebe
zeitigt das Ende aller Kämpfe.

Erhebt die Träume
zu Vertrauten.

Umschlingen sich Bewusstsein
und Erfahrung
in Hingabe zur Wahrheit.

Und der Schrei des unterdrückten
Gefühls hebt an
zur Melodie des Herzens.

Deine Seele,
lebendiges Funkeln.

Das kommt dir spanisch vor?
Es ist die Mystik
des Lebens.

(c) ideenlese
deutscher Originaltext

Nein

Gibt es ein Wort,
das für dich sorgt,
so klar und rein
wie Nein?

Wende es an,
erfahre dann,
es wird dich just
befreien.

Erst hast du Angst,
dass du verletzt,
der andere dich
meidet.

Doch oft ist es
ein Ja zu viel,
das dir dein Sein
verleidet.

So sag ruhig
Nein
wenn du Nein
meinst.
Lass dich nicht
irritieren.

Und wenn du
merkst,
dass es gut klappt,
es öfter ruhig
probieren.

Denn wer dich
mag und wer dich liebt,
wird dich auch
weiter schätzen.

Und wer dich
nicht wertschätzen kann,
kann auch dein Nein
nicht grätzen.

Ein Nein
dessen du sicher bist,
ist stets ein Ja
für dich.



(c) ideenlese

Mit dir

Mit dir will ich den Prozess
anstatt ständig Lösungsstress.
Mit dir will ich Wege gehen,
ohne Ziele klar zu sehen.

Mit dir will ich Freundschaft pflegen
unsere Liebe achtsam hegen,
lustvoll lustig und im Sein.
Echte Nähe anstatt Schein.

Dir vertraue ich mich an,
mit dir bin ich, komme an.
Neue Seite, Buch des Lebens,
es ist spät, doch nicht vergebens.

Mit dir ist mein Leben schöner,
wenn auch nicht gerade bequemer.
Ohne dich, auf lange Sicht?
Darauf bin ich nicht erpicht.

Wenn es dir so geht wie mir,
lass uns leben, jetzt und hier,
aneinander wachsen, reifen und
auf Konventionen pfeifen.

(c) ideenlese

Die Kinder der Kinder

Sie kannten den Hunger,
sie kannten Verzicht,
sie kannten das Grauen,
viel Dunkel, kaum Licht.

Sie kannten die Angst,
sie kannten Gewalt,
sie kannten nicht Liebe,
nicht Wärme, so kalt.

Sie kannten das Sehnen,
sie kannten den Tod,
sie mussten verdrängen,
den Krieg und die Not.

Sie suchten nach Leben,
sie suchten das Glück,
sie suchten den Wohlstand,
nach vorn, nicht zurück.

Sie wollten vergessen,
sie wollten nur streben,
sie wollten, ganz einfach,
ein besseres Leben.

Sie zeugten uns Kinder,
verletzt wie sie waren,
und wir haben dann ihren
Schmerz mit ertragen.

Sie waren noch Kinder,
und wussten nicht viel,
wir waren vereint im
traumatischen Spiel.

Wir ahnten den Hunger
wir ahnten Verzicht,
wir ahnten die Ohnmacht,
verstanden sie nicht.

Sie sagten und taten,
das was sie erlitten
die Kinder der Kinder,
sich Freiheit erstritten.

Wir kennen die Angst,
wir kennen Gewalt,
wir kennen den Schmerz,
sind selber nun alt.

Wir suchen nach Spuren,
wir suchen nach Glück,
wir üben die Liebe,
nach vorn, nicht zurück.

(c) ideenlese






Die Besucherin

Sie steht vor der Tür,
sagt,
sie wolle zu mir.
Ich kenne sie,
nicht,
schaue ihr ins Gesicht,
sage,
Herzlich Willkommen,
fühle mich,
sehr beklommen.

Sie trinkt einen
Tee,
ich wähle
Kaffee.
Sie war lange weg,
sagt,
sie war im Versteck,
habe sich,
gut verstaut und nur
wenig getraut.

Habe
gut funktioniert,
angepasst,
stets pariert,
Perfektion angestrebt,
dabei wenig
gelebt,
mehr gedacht als,
gefühlt.

Plötzlich bin ich,
berührt,
spüre tief in ihr
Herz,
schaue ihr in die
Augen,
kann es erst gar nicht
glauben.

Will sie nicht
anerkennen,
der Impuls
wegzurennen,
doch sie lächelt,
charmant,
nimmt mich,
lieb,
an die Hand,
sagt,
Ich bin,
Teil von dir,
und das bleibe ich,
hier.

Nimm mich in,
deine Mitte,
Komm!
Wir gehen ein paar
Schritte.
Sie entscheidet zu,
bleiben,
bei mir.
Ich entscheide zu,
bleiben,
bei ihr.

Und dann gehen wir,
zusammen,
bis zum Schluss das
Versprechen,
keinen Stab mehr zu
brechen,
über Vielfalt des
Seins.

Sie und ich.
Wir sind.
Eins.

Sie trinkt Kaffee,
und ich wähle Tee.

(c) ideenlese