Der Tag an dem der Philosoph mich striff

An einem Tag, es war im Mai,
ich ging auf meinem Weg,
da traf ich, völlig unverhofft,
'nen Typen, der war schräg.

Sein Haar schlohweiß, wie sein Gewand,
die Augen blau, der Blick charmant,
bat er mich drum, mal stehen zu bleiben,
er wolle mir nur kurz was zeigen.

Wie ich nun bin, kam ich ins Stutzen,
fragte mich still nach einem Nutzen,
da hob er an, er würde hoffen,
ich sei für neue Perspektiven offen.

Na gut, sprach ich, dann trau ich mich,
und sah ihm klar ins Angesicht, 
das sich mit Lächeln überzog.
Und schon begann ein Dialog.

Er bot mir an, ein Stück zu schreiten,
Bewegung, sei nicht abzustreiten,
mache den Kopf, Herz, Seele frei.
Okay, sprach ich, ich bin dabei.

Wer bist du, und wenn ja, wieviele?
Gehören Triebe stets zur Liebe?
Was ist der Wille?
Ist er frei?
War erst die Henne, dann das Ei?
Ist die Moral geprägt von Strenge?
Und Freiheit die, die Kette sprenge?

Die Zeit wurde bedeutungslos,
ermüdet fielen wir ins Moos,
schlossen die Augen, schliefen ein.
Es muss ein Traum gewesen sein.

Vielleicht aber auch nicht.
Erkenntnis ist zwar keine Pflicht.
Doch seit dem Tag bin ich erpicht,
den Dingen auf den Grund zu gehen.
Sie vielseitig mir anzusehen.
Gesetztes auch zu revidieren.
Empfehlung auch mal ausprobieren.

Seit jenem Tag in jenem Mai,
da ist viel Zeit vergangen.
Der Philosoph hat mich gelehrt,
nach jedem Tief neu anzufangen.

So ist die Ganzheit nun einmal.
Hoch auf den Berg, hinab ins Tal.
In Freude ganz so wie im Schmerz.
Dem schrägen Typ gehört mein Herz.

(c) ideenlese

Schöne Vergänglichkeit & Reprise

Schöne Vergänglichkeit Ein Weg beginnt mit ‘ner IdeeIhr Keim, er sagt sich munter: geh!So läuft sie los mit großem MutUnd stürzt sich in die …

DichtArt CXXIX – Schöne Vergänglichkeit

🌹

Once there was a rose in summer,
Was so tender and so bright,
Even in the storm of thunder,
She was there and hold you tight.

Gave you all that she could give to,
Lost herself in gentle be,
Spend you calm and lovely moments,
Strong as every oldest tree.

When the summer turned to autumn,
Roses leaves return in earth.
Only hope and deepest love flow,
Bring her back in springs rebirth.

Once there was a rose in summer,
Loveliest you ever knew,
Smell of love you will remember,
Where you’ll stay and where you’ll go.

Don’t foget the one and only,
Rose of life and full of grace,
Still her gift is every morning,
Lovely smile upon your face.

Once there was a rose in summer.

(c) ideenlese

Selfish

Selfish by christine
I don’t see
Your soul anymore

My darling

Cause you sold her
to the selfish fool
in you

I don’t feel
Your love anymore

My darling

Cause you sold her
for a ridiculous
price

I can’t stand the distance
between you and me
Such a mess of diff’rence
hanging over me

Sorry dear
Can’t do it with him

My darling

with this kind
Of stupid selfish fool

Bye my love
Will miss you within

My darling

Like I always did before

But

I don’t see
Your soul anymore

My darling

All I see
is your absent frozen smile

(c) ideenlese 2013/2022

Graue Panther

Es schlichen einst
zwei graue Panther,
des Lebens Furchen
auf dem Rücken,
aus Zufall
oder schicksalhaft,
eng umeinander
mit Entzücken.

Vergessen war
für kurze Zeit,
die alte Last
das alte Leid.
Sie jagten,
spielten,
ungezwungen,
ne Gnadenfrist
Tod abgerungen.

Dann kam er,
still und leise,
nahm Pantherin
mit auf die Reise.
Nun schleicht allein
ein grauer Panther
des Lebens Furchen
eingegraben
und leckt sich
Wunden und auch
Narben.

Vergänglich wie
das Blühen der Rose,
geht Planung meistens
in die Hose
und die Kontrolle
ist d’accord.
Shit Happens,
ab durchs Himmelstor.

(c) ideenlese

Engel

Du sagtest „mein Engel“
und ich putzte meine Flügel.

Du sagtest „mein Sonnenschein“
und ich begann zu strahlen.

Du sagtest „meine Liebe“
und ich wurde hellhörig.

Du sagtest „Maus“ oder „Schatz“.
Und ich sagte „piep“ und ergraute.

Ich hörte dich flüstern „mein Engel“.
Und der Schmerz brachte mich fast ums.

Du sagtest zu ihr „mein Sonnenschein“.
Und ich verbrannte vor Wut.

Du nanntest sie „mein Liebe“.
Und ich lachte laut.

Du sagtest „Mäuschen“ und  „Schätzchen“ zu ihr.
Und ich wuchs über mich hinaus, wurde stark
und sagte du mir:

Ich bin ich.

(c) ideenlese

Die vergessene Eile

Ich mag die Langsamkeit 
des Seins in ihrem gelassenen Innehalten.
Zeit zum Spüren,
Zeit zum Berühren.

Ich mag die mutige
und erhabene Zuversicht,
den Geist fein säuselnden Humors.

Ich mag den Takt des
langsamen Walzers,
sein Schmiegen und Turteln.

Ich mag diesen Text
und dieses Klavierspiel
von Stefan.

Sie kommen gelegen,
auf den Punkt, wie Balsam
auf den selben,
der ein wenig wund ist,
ein wenig schmerzt.

In dieser Zeit
des Fragens, des Hoffens,
der Befürchtungen.

Wie ein kleines,
sinnliches Wunder,
an dessen Erscheinen
der Glaube verloren ging.

Nur fast.

Danke Stefan.
Wundervoll.
🌺

Heute in der Frühe begrüßte mich in meinem Garten unweit des Kirschbaums eine Weinbergschnecke, die im vom Morgentau benetztem Gras ihren Walzer der …

Die vergessene Eile

Macht

Den großen Krieg beenden?
Kann ich nicht.

Die große Gier abwenden?
Kann ich nicht.

Den großen Hunger stillen?
Kann ich nicht.

Das große Bewusstsein wecken?
Kann ich nicht.

Die große Wahrheit finden?
Kann ich nicht.

Die große Menschheit gründen?
Kann ich nicht.

Den großen Egoismus überwinden?
Kann ich nicht.

Die großen Lügen aufdecken?
Kann ich nicht.

Die große Dummheit erhellen?
Kann ich nicht.

Allein.
Wir alle müssten es wollen und tun.


Ich kann im Kleinen.
Du kannst im Kleinen.

Den kleinen Frieden schließen.
Können wir.

Die kleine Demut üben.
Können wir.

Das kleine Bewusstsein schärfen.
Können wir.

Die kleine Dummheit erkennen.
Können wir.

Den kleinen Mut einsetzen.
Können wir.

Die kleine Liebe pflegen,
bis sie so groß ist, dass
sie die Begegnung mit der
großen Angst nicht mehr
fürchtet.

Ich kann nichts anderes.
Tun im Kleinen.

Kannst du was anderes tun?
Als tun im Kleinen?

Allein?
Wir alle müssten es tun.

Was wäre das für eine Macht.

(c) ideenlese

Dazwischen – Interpretationen

Dazwischen Hoch gelebt und tief gefallen – alles gegeben, alles genommen; den Himmel erlebt und die Hölle erfahren – viel gewonnen, viel zerronnen; …

DichtArt CXXVII – Dazwischen
between low an high
between earth and sky

between stay and go
between jam and flow

between young and old
between hot and cold

the between in me
for eternity

between now and past
just one soul at last

nothing in between
between you and me

for eternity.

(c) ideenlese 2022

Die große Mutter

Für Lieselotte


Ihr Herz weit und stark,
entspannt,
warm und strömend.
Ihr Wissen aus Tiefen,
ganz einfach betörend.

In Klarheit genossen
und in Konsequenz,
gelassenes Hoffen
mit Kuchen kredenzt.

Ihr Blick hell,
erkennend,
mit Seelengespür.
Ihr Haus eine Heimat,
mit offener Tür.

Ihr Babbeln frei raus
und gemeinhin
ne Flotte.
Ich glaube,
so war sie,
sehr groß.
Lieselotte.

Ich hörte von ihr,
hätte sie gern gekannt.
Mag sein es gelingt,
andere Zeit, anderes Land.

Dann brüht sie Darjeeling,
mit Kandis und Sahne,
Zigaretten dabei,
so ist sie, die Ahne.

(c) ideenlese

Finally

And finally you realise 
that the whole world
is inside you.
With all its beauty and pain.
With war and peace.

And finally you realise
that everything
is inside you.
The waterfalls and
the deserts,
the fire and the ice.

And at last
you have overcome
jealousy and pride.

And forgiveness grows,
hate and love,
courage and glory
hand in hand
with doubt and trust.

And finally you
let it be
and let it flow
and shine through
your heart,
mind and soul.
Finally.

(c) ideenlese

Mann liebt

Wenn eine Frau dein Herz zerreißt,
dich umbringt,
auf die Liebe scheißt.

Wenn sie vergisst, was alles war,
dir sagt,
sie sieht jetzt alles klar,
und meint,
dass du vergangen bist.

Ein Hund,
der auf Kommando pisst,
kann hier verzweifeln,
schreit sie an:

„Es kann nicht sein,
was nicht sein kann.“
Doch ist die Last des Bruders Herz
-wohlgemeint-
ein schöner Schmerz.

Denn leidet wohl nur der daran,
der von der Liebe reden kann.
Wer niemals liebt,
dem ist es gleich.

Doch
nur wer lieben kann
ist reich.

So zeichnet es den wahren Mann,
dass er den Schmerz verschmerzen kann.
Er weint, er hasst
und will sich rächen,
doch niemals wird sein Herzen brechen.

Und niemals würde er verzagen,
stets erneut das Drahtseil wagen.
Denn Liebe ist schön, mal warm,
und mal heiß.
Ein Narr, welcher glaubt,
dass er mehr davon weiß.

aus: April Punk, 2010

Digame

Sag mir, was du willst,
denn ich spüre deinen Wunsch
unter meiner Haut.

Sag mir, was du siehst,
denn ich male meine Bilder
mit deinen Farben.

Digame.

Sag mir, welchen Weg du gehst,
denn ich habe meine Spuren
auf ihm hinterlassen.

Sag mir, was du fühlst,
damit ich dich erkenne.

Digame.

Sag mir was du denkst,
damit ich mit deinen Gedanken spielen kann.
Sag mir, was dich bewegt,
und ich lade den Wind der Freiheit ein,
und lasse dich auf seinen Schwingen tanzen.

Digame.

(c) ideenlese

Little Eros

Ein Phänomen.
Gedanken. Freudiges Gespür.
Von mir zu dir. Von dir zu mir.
Ohne Pause. Lässt mich nicht los.

Zuviel der Wonne.
Wo führt das hin? Egal. Macht Sinn.
Die Blume stirbt. Der Samen nicht.
So jedenfalls der Dichter spricht.
Recht hat er.

Ein Wort dafür. Wofür?
Keinen Schimmer. Ich denke an dich.
Mit Freude. Fast immer.

(c) ideenlese

Wenn du denkst

Du lehnst dich nur mal kurz zurück,
spürst nach, Herberts Sekundenglück,
denkst, eben ist es echt ganz gut,
peng, kriegste wieder auf den Hut.

Was denn nun noch, stöhnst du,
pardon, warum denn mir,
vor den Ballon?
Hab Schnauze und Agenda voll,
ist gut jetzt, find ich echt nicht toll.

Doch irgendwie scheint irgendwas,
boshaft gefüllt, gleich einem Fass,
voll Pech, dich zu sich hinzulocken,
schon wieder Katastrophe rocken.

Warum es dicke kommt im Leben,
ich kann’s nicht sagen, nicht erheben.
Und komme zu dem doofen Schluss,
dass man oft vieles durchstehen muss,
das nicht zu überwinden scheint,
worüber man erschüttert weint.

Es hilft dann kein Kalenderspruch,
und auch kein Esoterikspuk,
kein Trost, kein Zuspruch, ohne Frage,
ist schlicht beschissen
manche Lage.

Und wenn du denkst,
schlimmer geht’s nimmer,
im Tunnel ist es duster,
röhrt es dich tiefen Tones an,
Hast du denn schon dein Booster?

Spätestens dann spürst du in dir,
die Lebenssäfte brodeln,
ergreifst dich selbst am eigenen Schopf,
beginnst Leben zu hobeln.

Ne Hühnerleiter ist das Leben,
recht kurz und voller Kacke,
Eins an der Waffel hat es auch
und eine große Macke.

(c) ideenlese

Nimm mich

Schicksal, ach Schicksal, übernimm du das Steuer, irgendwie ist mir mein Leben zu teuer, die Schläge, die du mir zuweilen verpasst, ganz ehrlich, du Schicksal, hast ganz schön geprasst. 

Nun denn, meine Liebe, mal Butter bei Fische, es ist ziemlich selten, dass ich mich einmische, auch bin ich nicht von der schlagenden Zunft, dagegen ne Freundin von klarer Vernunft.

Nimmst du mich, nehm ich dich sehr gern an die Hand, geh mit dir durch die Steppe, über Wiesen, an den Strand. Schick dir Leute vorbei, die Freunde du nennst und sorge dafür, dass du lebst und nicht pennst.

Wir wissen nicht, ob wir Naturgesetz sind, manchmal sind wir sehend, ein andermal blind, dann führen wir selbst uns geschickt hinters Licht.
Und nennen es Schicksal, doch ist es das nicht.

Was Ursache und was die Wirkung ist, ob Anfang gleichzeitig schon Ende bemisst, es ist immer dein Leben, das dich tritt, das dich küsst und in dem du auch ein Entscheider bist.

Nimm mich, ach nimm mich, mein Leben, mein Sein, und ich nehme dich im Schmerz und im Freuen.

(c) ideenlese

Spätes Wunder

Spätes Wunder, ideenlese by christine, 2022
Eines Tages, es ist Juni.
öffne ich mein Emailfach,
Absender Professor Peter,
meine Knie werden schwach.

Lang habe ich nach dir gefahndet,
hoffe, dass du es auch bist,
fünfzig Jahre sind vergangen,
habe dich so oft vermisst.

Wie gern hätte ich mein Leben,
lieber doch mit dir geteilt,
habe manche Sommernächte
heimlich nur von dir geträumt.

Ich wohnte in Nummer vierzehn,
du dicht dran in Nummer acht,
schreib mir wenn du kannst und möchtest,
was hast du bis jetzt gemacht?

Hi Prof, sehe ich mich schreiben,
mir geht's gut, ich bin okay,
und dann hüll ich mich in Schweigen,
weil ich es schon kommen seh.

Wir waren fünf, als wir uns trafen,
Kinderliebe, stark und tief,
lebte fort ein ganzes Leben,
Schicksal, dass sie uns jetzt rief.

Fünfig Jahre sind vergangen,
Leben ist, was Leben macht,
manches kann man neu anfangen,
anderes ist schon vollbracht.

Manchmal trinken wir 'nen Kaffee,
ab und zu auch einen Wein,
wollen für den Rest des Lebens
einfach miteinander sein.

Peter wohnt nicht in der vierzehn,
ich nicht mehr in Nummer acht,
Grau sind wir und doch wie Kinder,
Leben ist, was Liebe macht.

Hier geht es zum Anfang der Geschichte

(c) ideenlese 2021/2022

Wenn Kinderliebe erwachsen wird



Es ist eine wunderschöne Erfahrung, wenn ein Gedicht seinen musikalischen Begleiter findet. Der Komponist Stefan Kraus hat mit viel Liebe und Einfühlungsvermögen ein wunderschönes Werk geschaffen.

Ich freue mich zutiefst, das Ergebnis hier präsentieren zu können!

Herzlichen Dank, lieber Stefan!

Es ist mir eine riesengroße Freude.

Stimmungsgelage

Angesichts der Weltenlage 
desolate Stimmungsplage,
aufgrund dessen ein paar Fragen,
die ich kaum zu fragen wage.

Wann hört die Verblödung auf?
Wann der opportune Lauf?
Mensch, du Laune der Natur,
kannst du echt Verwüstung nur?

Brauchst die Gier, die Macht,
die Waffen,
kannst es stets mit Hass nur
schaffen, Liebe ist was für Naive?
Ein paar schwache Narrative?

Es fällt schwer, es zu begreifen,
Äpfel und Bananen reifen,
Menschen, manche, viele, nicht.
Ende naht, auch vom Gedicht.

(c) ideenlese



Das große Ja

Was immer auch geschehen mag,
ich sag es dir ganz klar,
dass ich stets dein Komplize bin,
mit einem großen Ja!

Ich halt zu dir und steh dir bei,
egal was du auch tust,
versteh ich dich,
selbst dann, wenn nicht,
bin da, wenn du mich rufst.

Das große Ja, das Ja, genau,
gelte dir als Versprechen,
und ein Komplizen Ehrenwort,
zu halten, nicht zu brechen.

(c) ideenlese

Feuchtwiesen


Tabus verlieren im Humor und in der Liebe an Bedeutung. Freiheit, die ich meine. Tabus verlieren auch im Krieg ihren Status, was als Anmerkung reichen muss, reichen soll.

Ich habe Angst, klar, wer kann sich davon freisprechen?

Dass die Vögel des Kummers um deinen Kopf herumfliegen kannst du nicht ändern; aber dass sie Nester in deinem Haar bauen, das kannst du verhindern, steht in meinem Poesiealbum, datiert 1972. Es braucht fünfzig Jahre, um erwachsen zu werden, und mehr, um zu begreifen, jedenfalls ein wenig.

Was kann ich wirklich verhindern und was wirklich bewegen?

In Phasen der Dürre sind es Menschen, die lieben und das Erinnern und intuitive Erkennen darüber freilegen, dass es das Fließen ist, was uns alle lebendig sein lässt mit allem was gerade ist.

Menschen, die lieben, leben und leben lassen, die auch sterben lassen, gehen lassen können, die schwach sind und stark aus ihren Verletzungen erwachsen und deshalb immer offener und bewusster werden.


Menschen, die für sich geradestehen, auch wenn gerade der Boden unter ihren Füßen bebt und das Herz flattert.

Wie nutzen wir die Inspiration, die auf den imaginären Feuchtwiesen in uns Blüten treibt?
Welche gemeinsame Sache nehmen wir ins Visier? Und was könnte nicht alles dabei herauskommen?

Fragen sind wie Küsse (ebd. Carmen Kindl-Beilfuß).
Es kann gar nicht lange genug geküsst und gar nicht zu wenig gefragt werden. Finde ich. Und gelacht natürlich auch – gerade jetzt, gerade hier, und vor allem heute!

(c) ideenlese 2014, überarbeitete Version 2022

Bei aller Liebe



Liebe ist langweilig.

Dieser Satz brachte mir in den 2010er Jahren einen Minishitstorm aus Kreisen spirituell überzeugter Menschen ein. Liebe und Spiritualität. An welcher Stelle des Rankings besprochener Themen stehen sie aktuell? Ich weiß es nicht. Vielleicht sind sie tatsächlich Langeweiler verglichen mit Themen und Entwicklungen, die uns allen seit geraumer Zeit in ausgeklügelter Einseitigkeit geboten werden.

Liebe ist Bindungsenergie.
Ein weiterer Satz aus naher Vergangenheit, der ein stilles Häh in mir auslöst. Und was ein Häh bei mir initiiert, macht mich neugierig, und ich beginne zu graben und freizulegen und gehe mit Schippchen und Eimerchen auf Exkursion.

Mit Liebe kenne ich mich aus. Oder? Kenne ich die Liebe? Ich liebe, also bin?  Bin ich eine Liebende?
Geht so.
Liebe ist individuell. Und sie ist eine Illusion. Wie individuell ist die Liebe? Ist Liebe eine Illusion? Liebe hat viele Facetten. Welche Facetten hat die Liebe? Die Liebe. Welche?

Je weiter ich in diesem Erdenleben fortschreite, desto weniger bin ich an Wissen interessiert, das institutionellen Quellen entspringt. Je älter ich werde, und wie wir alle werde ich ununterbrochen und ständig älter, desto mehr kommt die Wahrheit der Intuition ins Spiel. Ins Spiel des Lebens und ins Spiel der Liebe.

Ich stelle zunehmend Moral und all ihre Normen und Regeln in Frage.
Und dabei spüre ich eine innere Diskrepanz, was nicht überrascht, denn wir alle lernen lebenslang und bewegen uns in kulturell gewachsenen Normen, Regeln und Mustern. Steter Tropfen höhlt den Stein.

Das ist vollkommen in Ordnung. Aber es ist nur die eine Seite der Medaille. Es gibt eine andere. Eine, die alles umfasst.

Und alles heißt, wir müssen und sollen als lernende Wesen auch unser Denken in einen sich entwickelnden und ausdehnenden Prozess integrieren, uns offenhalten, auch für Neues und erstmal Ungewohntes, Unbequemes. Okay. Einen Scheiß müssen wir. Worte in ihrem begrenzten Potenzial.

Nur weil wir etwas gewohnt sind, weil Dinge schon immer so waren, heißt das nicht, dass es sinnvoll ist, sie so zu belassen. Das gilt für alles! Was kann alles dabei herauskommen, wenn wir ohne Tabus und moralische Einschränkungen denken?

Hinterfragen Sie! Hinterfragen Sie alles; und hinterfragen Sie vor allen Experten, Wissenschaft und betitelte Koryphäen und ergänzen Sie um Ihre eigenen Denkergebnisse. Die Intuition muss in allem zu Wort kommen.

Ein Satz, den mir mein Lieblingsprofessor mit auf den Weg gegeben hat.
Übrigens war er im hohen Rat der Wissenschaft immer ein Außenseiter, einer, der hinterfragte, Systeme in Frage stellte. Ein großartiger Lehrer und Pädagoge.

Liebe, die ebenbürtig im Verbund mit einem vernünftigen Verstand steht, der sich bemüht, flexibel und offen zu werden, zu sein und zu bleiben und erstmal mit Schippchen und Eimerchen auf eine Exkursion geht:

Bei aller Liebe, das könnte gut werden!

Liebestaumel

Benommen vom Taumel der Faszination 
des Erkennens, dass die absolute Wahrheit
jenseits aller Worte und Bilder verborgen
liegt.

Wie ein mildes Lächeln erst, im Schlaf,
das auf den Kuss des Erwachens vertraut
und im Gewandt reiner Liebe
anhebt, zu einem Lachen.

Von dort hinein in den Taumel der Freude,
berauscht von der klaren Sicht jenseits aller Worte und Bilder.

(c) ideenlese 2021





Dancing with myself

Dieser Text enthält nicht nur Spuren von Ironie und Galgenhumor. Er strotzt geradezu davor!

Wenn nix weiter hilft, dance with yourself, schreibt Steffen mir, verlinkt mich mit Billy Idol und versorgt mich mit etlichen Daumen hoch, Herz-, Umarmungs-,Bier-, Wein- und Cocktail Emojies.

Ja Emotionen kann ich. Schwache Nerven? Check. Drama? Aber gerne doch. Sentimentale Orgien? Gimme more. Schließlich kann man so wunderbar schnulzige Gedichte schreiben, wenn das Herz wund, zerfetzt und halbtod schwächelnd auf kaltem Beton pulsiert.

Krieg, Klima und andere Katastrophen machen aus mir seit Tagen einen schluchzenden Alien. Schlimmer noch, eine in Mitleid und Weltschmerz ersaufende, graumelierte Maus.

Ich kann also aus dem Vollen schöpfen und mich den schmachtenden und leckenden Zungen durchdrehender Geschehnisse vollumfänglich hingeben.

Eine Sinnkrise ist doch erst dann herrlich ergiebig, wenn sie sich an einem flankierenden Umfeld reiben und sich on top mit einer ordentlichen Tüte Selbstmitleids zudröhnen kann.

Während ich mit dem Idols Billy das Lattenrost in Schwingung versetze höre ich von weit her den lieblichen Ruf meines Mitbewohners Frrrüüühstück!!!

Well I wait so long for my love vibration and move me and myselft die Treppe hinunter, mache mir einen superxxlstrong Kaffee, was sich auch als sinnvoll erweist, denn kaum habe ich es mir in der freudigen Erwartung gemütlich gemacht, gleich in mein halbes Hönigbrötchen beißen zu dürfen, beginnt mein Gegenüber, mich in gesellschaftspolitische Themen zu verstricken. Bin isch roter Faden? Nope.

Ungünstiges Timing, sehr ungünstig, ungünstigst ever, befinde ich mich doch in den lustvollen Nachwehen köstlich schmerzhafter Emotionskontraktionen.

Ich diskutiere nicht mehr, höre ich mich mit beängstigend ruhiger Stimme sagen, ich befinde mich in einem privaten Schweigeseminar. Just for your Info.

Und wie willst du den Hund rufen, wenn er wieder irgendeinen Scheiß macht? Mit Telepathie?
Die Sanfte in mir bekommt die erste Hitzewallung und verlangt aus tiefster Sehnsucht nach narkotisierenden Wattebäuschen; gerne stinkend und klebend wie Federn auf Pech und Schwefel, die sich dem Gegenüber anhaften mögen. Telepathie. Ganz genau.
Gib mir ein Äon.

Und überhaupt – ich gebe dir eine Stunde. Länger hältst du sowieso nicht durch. Du kannst gar nicht anders, als deine Sprüche in die Welt zu pusten! Das wäre ja der zuverlässige Hinweis auf dein vollendetes Ableben, wenn du deine lieblichen Ideen nicht mehr verbreiten würdest.Verbal, viral und überhaupt.

Ich setze meine Sonnenbrille auf, lächle und winke mit königlicher Geste zum gegenüberliegenden Tischende. Das werden wir ja sehen, liegt mir auf den Lippen und ich kann mich nur knapp zurückhalten, es nicht laut zu sagen. Uhrenvergleich: Minute eins ist noch nicht um.

Zurück im Bett, Notebook auf den Oberschenkeln, Billy in Dauerschleife auf den Ohren und Kuschelhäschen auf dem Bauch, huscht mir ein Lächeln übers gequollene Antlitz, und ein Kichern erbarmt sich meinem erbärmlichen Zustand.

Da erscheint er auch schon. Zuverlässig und wie immer strahlend schön. Der Favorit unter meinen zahlreichen Liebhabern; mein unkaputtbarer Humor. Durchtrainiert, kein Gramm zu viel auf den Rippen, volles, hüftlanges Haar, das volle Programm.
Er küsst mich, wie nur er es kann und steckt mir dann den Ring unserer unendlichen Verbindung an den Mittelfinger. Ich hatte die beiden, also sexy Humor samt Ring, in die Komposttonne geworfen. Intellektuelle Fehlleistung at its best, denn Humor und Edelmetall sind bekanntlich unkompostierbare Helfer in verzweifelten Phasen.

Geht doch.

Und während sich Emotion und Intellekt zaghaft bei den Händen nehmen und sich, wie schon tausendmal zuvor verliebt versprechen, von nun an wirklich und bis ans Ende … in guten wie in schlechten Zeiten….. blablabla, höre ich mich laut singen Heaven must be missin‘ an angel; Selbstverliebtheit for runnaways.

Ciao Marleen

Ciao Marleen, schön anzusehen, das bist du, klar, und auch, fürwahr, aufrührerisch verführerisch, mit deinem Wortspiel, tief und hell, so sexy, zart, spirituell.

Ciao Marleen, dein Haar so schön, Erotik pur, dein Lippenspiel, auf Seelenspur, Chapeau Marleen, das lässt sich sehen, dir widerstehen, schwer einzusehen.

Ciao Marleen, du hast gewonnen, die Liebe, sauer und geronnen, die fließt wie Milch und Honig nun, von ihm zu dir, zieht ihre Spur ins Universum und zurück, hinein auch in sein gutes Stück.

Mach’s gut, Marleen, ich werd jetzt gehen, nimm du ihn, gerne, in der Ferne, da leuchten mir bereits die Sterne, den Weg, der meiner werden will, ein Tränchen noch, schon bin ich still.

Ciao Süße, sag ihm Grüße, nun küsst er dir statt mir die Füße, und ganz bestimmt auch noch den Rest. Ciao Ciao euch beiden, frohes Fest.

Nur kurz, noch auf ein Wort, Marleen, wir werden uns noch einmal sehen, du weißt, finalamente, denn hinten kackt die Ente!

(c) ideenlese

Wicht ich

Will ich
meinen BH verbrennen?
Bambule feiern
zetern, flennen?

Will ich
das Andere
schrill verfluchen?
Die Schuld akribisch
grollend suchen?

Will ich
mich opfern
für die Sachen,
mein Glück abhängig
davon machen,

Wovon ich denke,
dass ich muss?

Nope.
Damit ist jetzt Schluss.

Was ist denn wichtig
für ein Leben?
To do nach Liste,
schnelles Streben?

Selbstoptimierung,
Perfektion?
Tolles Gehalt,
doch wenig Lohn?
Sich selbst erschöpfen,
Welt gleich mit?
Mal ehrlich,
hältst du da noch Schritt?

Ich kann.
Das Meiste
kann ich nicht.
Denn ich bin Mensch,
somit ein Wicht,
wie alle anderen
Wichte auch.

Mit einem Ende,
das es braucht,
um einzusehen:
Unser Leben,
fragil,
im Geben und im Nehmen.

(c) ideenlese

Woman

 If you want me 
to recognize you
as a man,
act like one.

if you want me
to be your wife,
don't treat me
like a mother.

Without a doubt
I am strong.

But can I reveal
my weakness
to a seven-year-old?

Can I give
my devotion
to a boy?

I'm not the saint
for you,
not the mother
and not the hooker.

I am a woman.

If you don't see that,
you're not my man.

A man
who shows me
his weakness,

a man
who knows
how to take,

a man
just an honest man
who loves
deeply and tenderly.

Me,
the woman
who promised herself
to love.

(c) ideenlese 2022

Fragen an die dicke Frau

Dicke Frau
Manchmal, wenn ich wütend bin
manchmal, wenn ich traurig bin
manchmal, wenn der Frust mich quält
Weine, weil rein gar nichts geht.

Manchmal, wenn ich ängstlich bin
manchmal, wenn ich böse bin
manchmal, wenn der Zweifel beisst
Weine, weil es mich zerreißt.

Manchmal, wenn ich nicht mehr will
manchmal, werd ich starr und still.
Manchmal mache ich dann zu,
geh kaputt, will meine Ruh.

Manchmal bin ich dann so schlau
und befrag die dicke Frau:
Hilf mir, gib mir bitte Rat!
Und dann schreitet sie zur Tat.

Komm, sagt sie, an meinen Busen.
Was?, frag ich,
Ja ja, komm schmusen.
Und dann lass dich einfach gehen.
Mensch kann nur als Mensch bestehen,
wenn Gefühl er sich erlaubt,
sich des Dunklen nicht beraubt.

Wut und Hass und Groll und Schmerz
gehn auf Niere, Leber, Herz,
wenn wir sie nicht anerkennen,
toben, schreien, lästern, flennen.
Gib ihnen stets Raum und Zeit
denn sie sind dein Alltagskleid.

Manchmal, wenn ich fröhlich bin
manchmal, wenn ich glücklich bin
manchmal, wenn mir was gelingt
Freu ich mich und bin beschwingt.
Singe für die weise Frau.
Sie ist dick und sie ist schlau.

(c) ideenlese 2022