Herz sticht

Wenn Du mich interessierst,
dann stelle ich Dir Fragen,
die sich trauen, die sich wagen.

Dann höre, was Du sagst,
und wie, ich, nichts anderes,
dann schenke ich Dir Zeit,
von meiner und Gedanken,
ein, wie Wein, nicht zu wenig,
nicht zu viel.

Wenn Du mich interessierst,
dann schmücke ich,
mit wohlbedachten Worten,
den Raum unserer Schnittmenge,
erforsche,
was sich dahinter,
daneben, darüber
und darunter,
bunt und gleich und anders
zeigt.

Bei Dir.
Bei mir.

Und dann,
mausert sich das Uns,
das Wir,
wächst hinein,
vielleicht,
gedeiht,
zu dem, was es ist,
schon immer war.

Und wenn nicht?
Dann nicht.
Dann interessierst du mich nicht
und ich nicht dich.

Herz sticht.

(c) ideenlese


Die Besucherin

Sie steht vor der Tür,
sagt,
sie wolle zu mir.
Ich kenne sie,
nicht,
schaue ihr ins Gesicht,
sage,
Herzlich Willkommen,
fühle mich,
sehr beklommen.

Sie trinkt einen
Tee,
ich wähle
Kaffee.
Sie war lange weg,
sagt,
sie war im Versteck,
habe sich,
gut verstaut und nur
wenig getraut.

Habe
gut funktioniert,
angepasst,
stets pariert,
Perfektion angestrebt,
dabei wenig
gelebt,
mehr gedacht als,
gefühlt.

Plötzlich bin ich,
berührt,
spüre tief in ihr
Herz,
schaue ihr in die
Augen,
kann es erst gar nicht
glauben.

Will sie nicht
anerkennen,
der Impuls
wegzurennen,
doch sie lächelt,
charmant,
nimmt mich,
lieb,
an die Hand,
sagt,
Ich bin,
Teil von dir,
und das bleibe ich,
hier.

Nimm mich in,
deine Mitte,
Komm!
Wir gehen ein paar
Schritte.
Sie entscheidet zu,
bleiben,
bei mir.
Ich entscheide zu,
bleiben,
bei ihr.

Und dann gehen wir,
zusammen,
bis zum Schluss das
Versprechen,
keinen Stab mehr zu
brechen,
über Vielfalt des
Seins.

Sie und ich.
Wir sind.
Eins.

Sie trinkt Kaffee,
und ich wähle Tee.

(c) ideenlese

Bei aller Liebe



Liebe ist langweilig.

Dieser Satz brachte mir in den 2010er Jahren einen Minishitstorm aus Kreisen spirituell überzeugter Menschen ein. Liebe und Spiritualität. An welcher Stelle des Rankings besprochener Themen stehen sie aktuell? Ich weiß es nicht. Vielleicht sind sie tatsächlich Langeweiler verglichen mit Themen und Entwicklungen, die uns allen seit geraumer Zeit in ausgeklügelter Einseitigkeit geboten werden.

Liebe ist Bindungsenergie.
Ein weiterer Satz aus naher Vergangenheit, der ein stilles Häh in mir auslöst. Und was ein Häh bei mir initiiert, macht mich neugierig, und ich beginne zu graben und freizulegen und gehe mit Schippchen und Eimerchen auf Exkursion.

Mit Liebe kenne ich mich aus. Oder? Kenne ich die Liebe? Ich liebe, also bin?  Bin ich eine Liebende?
Geht so.
Liebe ist individuell. Und sie ist eine Illusion. Wie individuell ist die Liebe? Ist Liebe eine Illusion? Liebe hat viele Facetten. Welche Facetten hat die Liebe? Die Liebe. Welche?

Je weiter ich in diesem Erdenleben fortschreite, desto weniger bin ich an Wissen interessiert, das institutionellen Quellen entspringt. Je älter ich werde, und wie wir alle werde ich ununterbrochen und ständig älter, desto mehr kommt die Wahrheit der Intuition ins Spiel. Ins Spiel des Lebens und ins Spiel der Liebe.

Ich stelle zunehmend Moral und all ihre Normen und Regeln in Frage.
Und dabei spüre ich eine innere Diskrepanz, was nicht überrascht, denn wir alle lernen lebenslang und bewegen uns in kulturell gewachsenen Normen, Regeln und Mustern. Steter Tropfen höhlt den Stein.

Das ist vollkommen in Ordnung. Aber es ist nur die eine Seite der Medaille. Es gibt eine andere. Eine, die alles umfasst.

Und alles heißt, wir müssen und sollen als lernende Wesen auch unser Denken in einen sich entwickelnden und ausdehnenden Prozess integrieren, uns offenhalten, auch für Neues und erstmal Ungewohntes, Unbequemes. Okay. Einen Scheiß müssen wir. Worte in ihrem begrenzten Potenzial.

Nur weil wir etwas gewohnt sind, weil Dinge schon immer so waren, heißt das nicht, dass es sinnvoll ist, sie so zu belassen. Das gilt für alles! Was kann alles dabei herauskommen, wenn wir ohne Tabus und moralische Einschränkungen denken?

Hinterfragen Sie! Hinterfragen Sie alles; und hinterfragen Sie vor allen Experten, Wissenschaft und betitelte Koryphäen und ergänzen Sie um Ihre eigenen Denkergebnisse. Die Intuition muss in allem zu Wort kommen.

Ein Satz, den mir mein Lieblingsprofessor mit auf den Weg gegeben hat.
Übrigens war er im hohen Rat der Wissenschaft immer ein Außenseiter, einer, der hinterfragte, Systeme in Frage stellte. Ein großartiger Lehrer und Pädagoge.

Liebe, die ebenbürtig im Verbund mit einem vernünftigen Verstand steht, der sich bemüht, flexibel und offen zu werden, zu sein und zu bleiben und erstmal mit Schippchen und Eimerchen auf eine Exkursion geht:

Bei aller Liebe, das könnte gut werden!

Langeweile

Sie weilte kurz
dann zog sie sich
in voller Länge aus.
Nackte Routine
nun im Blick.
Anregung
schlich sich raus.

Da ist sie lang,
so sagt man mir,
und weist mich,
wissend Blick.
Ich mach mich auf
suche nach ihr,
sie ist
mein Gegenstück.

Wenn eine Weile
lang und leer
an Oberflächen sucht,
dann geh ich durch
der Hintertür,
dann bin ich
auf der Flucht.

(c) ideenlese 2022