Wo?

Meist suche ich, mehrmals am Tag, den Schlüssel, wo er gestern lag, da liegt er nicht mehr, und ich sinn’: wo ist der blöde Schlüssel hin?

Meist suche ich, mal früh, mal spät, das Teil, bei dem um Geld es geht, das dunkelrote Portmonee, einmal fand ich es gar im Schnee.

Seit ein paar Tagen suche ich, den Schlüssel und die Börse nicht. Verloren hab ich offenbar, was früher mal ich selber war.

So suche ich mein kleines Wesen, Esprit und Chuzpe, viel Humor, tiefsinnig und mit offnem Ohr, ein Herz voll Liebe, Intellekt. Wo habe ich mich bloß versteckt?

Wo?

Finderlohn.

(c) ideenlese

Gezeitenwende

Stille wiegt mich in die Zeit, wie eine Melodie,
aus der ich gefallen war, ein leiser Ton nur,
weit hinausgelehnt aus dem Fenster,
gesprengter Zeitrahmen.

Stille zeitigt meine Zeit, ein Summen erst,
dann Worte,
lebendigen Spiels, Zeitzeichen tönen,
zeitlos dem Puls der Zeit huldigen sie,
dem Rhythmus der Zeiten.

Stille, am Nerv der Zeit getroffen, hohes C,
noch rau, gebrochen, zaghaft, ungestützt,
ungeschützt,
liegt sie, zwischen den Zeitlinien,
Ruhezeit, bis zum richtigen
Zeitpunkt, Segen des Zeitlichen einkehrt,
von ewig Zeit zu Ewigkeit.

As time goes by.

Gezeitenwende.

©ideenlese 2021

Land of Alma

Deep dark, painful days, go down to the ground, 
take the native language, speechless drop,
take your breath away, stunned persistence, solidification.

Your element left, revealing your energy,
you wallowed in the mud of stupidity.
Wrapped in a carpet full of weaving flaws.
You feel guilty and dirty.

How deep you have sunk. 
Then a voice, very softly at first, from afar, comes closer,
becomes clear and then you see clearly. Gifts to grow, she tells you,
gifts to grow are those dark days, the deep abysses.
 
She reminds you, that you are delicate, too delicate for scratchy wool,
for careless words and rudeness. 
Filigree as you are, there is nothing for you to do for the know-it-all, 
the self-proclaimed experts, the deluded narcissists,
you cannot do anything for the false priests and false scholars. 

Trust yourself, your inner voice that tells you what is true and what is false,
over and over again.
Forgive yourself, arise, let go of the heaviness, return home, to silence.
Rest, breathe your breath, the breath of your own kind. Take a bath in the light of forgiveness,
cleanse yourself of the filth of delusion, see who you really are. 
The time to forgive yourself is now,
at the center of pain there is peace.

You are from the land of Alma, you are too delicate for scratchy wool, for careless words and rudeness. 
Filigree as you are, there is nothing for you to do for the know-it-all, 
the self-proclaimed experts,
you cannot do anything for the false priests and false scholars. 

You can fly, fly, Lady of Alma, fly through pain , fly into the wisdom that is your wisdom and that of your people.  
You have freedom, you are freedom, true freedom. Found ages and ages ago, it’s your element. Remember who you are and you will heal.

(c) ideenlese*

*temporarily silent in my mother tongue.

Alma

Inspired by the Spanish meaning, Alma here means soul and spirit, also mind. In Italian, Alma goes back to almus, which stand for nourishing and fertile. For me personally the essential balance of human existence and beyond. Last but not least, it is about spiritual nourishment, universities are somtime called alma mater.

The old house

The old house. I was there once more, in the old house, the stairs rotten from the tides, dust, darkness, a place long gone, a time long gone.

You lead me through the rooms I lived in, you say that dreams come true in them and the search ends.

Your rooms, your dreams, your search, not mine. Because a long time ago I closed the doors to the rooms of doubt, search, resentment and greed.

This old house is not my house, it’s yours.

My heart is healed, my rhythm is beating. Nothing that I lack, nothing that I need, no searching, no finding.

My pain is mine. I am the woman in the yellow dress with the red flower in my hand. It is no longer my house, it is your house.

Clean up and ventilate.

(c)ideenlese

Thanks to Stefan for the inspiration of inner pictures 🙏

Der leise Ton

Die Sonne hat sich gerade wieder vom Meer verabschiedet. Sie wird heute strahlen und die Luft erhitzen, während das Meer für Abkühlung sorgen wird.

Es ist meine erste Berührung mit diesem Ort in dieser kleinen, wunderschönen Bucht auf der Baleareninsel Ibiza.

Mein Tag begann früh, im Morgengrauen, wobei dieser Tag nicht graute, sondern bläute. Das zarte Blau des Morgens, fast eine Ahnung nur von einer Farbe.

Ich flog mit einer sehr schönen Inspiration und neuen Ideen auf diese Insel, genieße es, Zeit zum Lesen, richtig viel Zeit zum Schreiben zu haben und – was mir einen Riesen Spaß bereitet – zu fotografieren.

Eine gute, schöne Lebensepisode, auch dazu angetan, mein Wesen, das was mich wesentlich ausmacht, nicht nur zur Kenntnis zu nehmen, sondern anzuerkennen, zu pflegen und zu schmücken.

Zarte Seiten, sanfte Züge, weniger träumend, schwelgend, willkürlich, mehr besonnen und klar. Die Flammen eines Strohfeuers, das sich zu einem vernichtenden Buschbrand aufbauscht, ist meine Quelle nicht. Der Wind, der die Flammen entfacht macht kirre und konfus. Terrain für Feuerbeschwörer oder Löschflugzeuge.

In der Stille eines warmen Feuers hingegen, steigt die Klarheit auf, die Kraft kommt aus der Ruhe und ein leiser Ton dazu, eine Melodie, gesummt oder gesungen, ein Mantra, das wohl gewollte, wohl gewählte Worte adelt.

Unter diesen Eindrücken ist heute am frühen Morgen ein kleines Gedicht entstanden.

Inspiriert auch durch zwei Männer dieser kleinen Bloggergemeinde, deren Musik und Lyrik ich schätze und die mich beide, wahrscheinlich unwissend mit ihren Werken erinnerten: an mich!

Der leise Ton

Der Ton, das Timbre, klare Tiefe, ganz leise, klar, prägnant.

Es macht mich selig und sehr froh, dass ich ihn wiederfand.

Dein Klang, dein Stimmen, Abgesang, auf lautes, grelles Schrillen, so wie Sirenen immerfort, nur kreischen wie von Sinnen.

Dein Lied ist eine Melodie der allerfeinsten Sorte, klingt weiter schwingend, füllt den Raum.

Den heiligsten der Orte – in mir.

Da wo die leisen Töne sich an Melodien stillen, da ist die Freiheit, da bin ich, da kann sich Leere füllen.

(c)ideenlese 2021

Da ich mein Notebook zuhause ließ und hier auf Ibiza mit Kladde und Stift “hantiere”, was ich sehr sehr mag, seht mir Tippfehler nach.

Das Reh

Gewagt, mutig, dem Schutz des Waldes entsagt,
ruhig der Blick, gelassen noch, entgegen,
der Gefahr, die rasend, grell und laut
vorbeizischt.

Klopfendes Pochen, Herz springt in die Läufe,
flink und zart passiert die Grenze, wachsam noch, sanft,
verharrt, bereit zur Flucht,

vor reißenden Zähnen, Jagdgetriebe der Meute,
dem mörderischen Preschen, Ende als Rehragout,
zurück,
in die Tiefe, Herzgehege, stilles Schauen, sanftes Sein,
der Atem geht ruhig, wieder, friedliches Besinnen, für eine Weile.

Das Reh.
In mir.

©ideenlese 2021