Lied für Cherub

Du bist der mit dem Schwert.
Hüter meines Schatzes,
den ich in mir trage,
verborgen vor den Schergen
der Irrungen und Wirrungen.

Mein Schutzengel,
mein weiser Rat,
meine Stimme und
mein Schmerz.

Dieses Lied ist für dich,
Cherub,
der mir Aufbruch und Weg weist,
bis zum Schluss.

Dieses Lied ist für dich,
mein innerer Cherub,
der du mich nie verlassen wirst,
von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Du bist der mit dem Schwert,
Hüter meines Schatzes,
den ich in mir trage.

(c) ideenlese

Vom Alter, Descartes und der Kunst des Bremsens

Der alternde Mensch braucht weniger Schlaf. Sieben Stunden reichen aus.

Fein, denke ich, das wäre ja mal was, sieben Stunden durchgehend zu schlafen. Aber okay, drei plus vier ergeben auch sieben und auch eins plus eins plus eins plus eins ff.

Die Nacht, diese mystische Schönheit voller dunkler Geheimnisse, hat mich aus meinem Altertum in eine Renaissance katapultiert. Love, Love, Love, schubudubi, Love, Love, Love. It‘s her, the one and only. Liebe kennt keine Bremsen.

Bremsen ist ohnehin die Vernichtung von Energie. Und wo Energie ist, da lebt es, da lebt sie, da reibt es sich geschmeidig, und im besten Fall auch ich mich, sofern ich denke, dass ich bin und bin, was ich denke. Denke ich alt, bin ich alt und greife zu Krücken aller Art. Aber will ich das? Nope. Niemand möchte das.

Ist es vernünftig, das Unvermeidliche, also das Altern und den Tod, vorauszudenken? Sich hineinzudenken und sich damit auszubremsen? Ist es nicht vernünftiger, das Tempo anzupassen, um unnötiges Bremsen zu vermeiden?

Monsieur Descartes, im Vollbesitz seiner fülligen Haarpracht und sonstigen Kräfte, die angesichts seines Alters erstaunlich sind, hat es sich auf meiner Bettkante so bequem gemacht, wie es eben geht und flüstert mir sein Cogito ergo sum ins Ohr.

Das ist wesentlich angenehmer als der kurze Besuch der Stechmücke in der Nacht zuvor, dem ich mit einer Vollbremsung, also Energievernichtung, ein abruptes Ende setzen mußte.

René lebt und ich offenbar auch, denn ich denke und zweifle und zweifle, dass ich denke und zweifle schließlich alles Zweifeln an und erschaffe mir Wirklichkeiten, wie sie wirklicher nicht sein könnten. Wow!

Angesichts derartig sprießender erkenntnistheoretischer Knospen nächtlicher Gedankenenergie verzichte ich doch gerne auf Schlafen am Stück und hauche Monsieur einen innig verbundenen Kuss auf die Stirn, Stichwort Cortex praefontalis vitalis.

Vive la vie !

(c) ideenlese 2022

Impetus

Manchmal ist er ungestüm,
und ich kann’s von Weitem sehen,
dass er etwas raushauen muss,
mein geliebter Impetus.

Quasi revolutionär
stellt er sich den Thesen quer,
die ich wäge, minus, plus,
mein geschätzter Impetus.

Fehlt mir Stein im Mosaik,
stößt er auf, an, mit Geschick,
Lücke? Wo? Gezielter Schuss,
Tja. So isser. Impetus.

Da ich jünger bin als du,
sagt er auf den Kopf mir zu,
freue dich an meinem Tun,
später hast du Zeit zum Ruhen.

Impetus streckt Zunge raus,
freches Grinsen, Augenschmaus,
viel dafür, wenig dagegen,
für mein Leben ist er Segen.

(c) ideenlese

Der vergessene Sinn – als hätten wir uns abgesprochen

Ein völlig unwichtiger Beitrag. Es mag viele Gründe geben, mit dem Älterwerden zu hadern. Doch wenn ich mich in den Komponistenforen bei Facebook …

Der vergessene Sinn

Gerade im Austausch mit Dichterling über die Zipperlein des Alters gejammert, flattert Stefans Beitrag rein. Wunderbar, wir best ager! 60 Jahre und ein bisschen weise 😉

Erinnerungen

Erinnerungen balzen,
wie ein Pfau, der sein prächtiges
Federrad schlägt,
als gäbe es kein Gestern,
kein Vergessen, Verdrängung zerstoben
zu Asche und Staub.

Erinnerungen, wie Gespenster,
gerufen aus der Vergangenheit,
kokettieren vorwitzig mit
ihrem morbiden Charme,
spielen das Ass der Verführung aus.

Erinnerungen irrlichtern, bleiben
im Versteck des Zwielichtigen,
wie verschmitzte, feiste Kobolde,
verwirrend im Triumph.

Erinnerungen, verblassend wie die
Farbe der Tinte auf alten Briefen,
Doch ohne sie würden die bittersüße
Melancholie und das Schmunzeln der
Liebe in Armut verhungern.

Erinnerungen balzen und schlagen
ihr buntes Rad aus Freude, Schmerz,
Verklärung, Angst und Sehnsucht.
Sie waren und sie sind und sie werden
sein.

Erinnerungen.

(c) ideenlese

Eine spanische Reprise auf ein englisches Gedicht

Dieses Gedicht von Dichterling hat es mir angetan. Es schwirrte in mir; es hauchte mir eine Reprise ein. Es mag einem Spanisch vorkommen. Dabei ist es nur ein kleines bisschen mystisch.

(c) Dichterling, 2022
 Reprise


El momento de vivir el amor
trae el fin de todas las luchas.

Eleva los sueños a la familiaridad.
Conciencia y experiencia
y la experiencia.

En la rendición a la verdad,
el grito se eleva a la melodía
del corazón, canta lo reprimido
sentimiento.

Y tu alma,
brillo vivo.

¿Te parece español?
Es la danza mística de la vida.

(c) ideenlese
unterstützt von Deep L

Im Moment lebendiger Liebe
zeitigt das Ende aller Kämpfe.

Erhebt die Träume
zu Vertrauten.

Umschlingen sich Bewusstsein
und Erfahrung
in Hingabe zur Wahrheit.

Und der Schrei des unterdrückten
Gefühls hebt an
zur Melodie des Herzens.

Deine Seele,
lebendiges Funkeln.

Das kommt dir spanisch vor?
Es ist die Mystik
des Lebens.

(c) ideenlese
deutscher Originaltext