Geier

Den Ast von dem Olivenbaum, krallt sich ein Geier, um zu schauen, ob sich erfüllt sein jüngster Traum, hier unter dem besagten Baum.

Ihm träumte, dass an diesem Fleck, schon bald Lebendiges verreck.

So hockt er lange, ihm wird schwächlich, ihm schwant, dass er beträchtlich, von seinem Traum sich täuschen ließ.

Er magert ab, was für ein Grauen, die Ohnmacht schüttelt ihn vom Baum.

Da liegt er nun und ist am Ende. So mancher Traum führt zu ner Wende, mit der du nicht gerechnet hast. So sitze auf dem rechten Ast und warte nicht zu lange, sonst fällst du von der Stange.

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Des Dichters Frau und deren Mann

Des Dichters Sinnen ist, als Mann, zu finden Eine, die sodann, wie er, des Dichtens kundig, schwelgt, als Muse möglichst niemals welkt, im Geiste frisch so wie im Fleische, ihm möglichst gut das Wasser reiche.

Der Dichterin geht es nicht anders, sie denkt ganz gern, Der Mann, der kann was, dichten und in anderen Dingen, die zu zweit famos gelingen.

Ist sie schlau wird sie nicht scheuen, auf den Dichtermann sich freuen, der irgendwo auf dieser Welt, sicher schon Ausschau nach ihr hält.

Die Frau von einem Dichter ist, hier formuliert simpel und schlicht, ne Dichterfrau, die dichten kann, am liebsten für ihr‘n Dichtermann.

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Elfe

Wenn ich eine Elfe wär, flög ich ständig um dich her, schüttete dir Glitterstaub über über auf dein Haupt.

Könnt ich eine Fee nur sein, zaubern, und betörend fein, dich mit Input überfluten, schützen dich auf deinen Routen.

Hätte ich ne Superkraft, oder einen Zaubersaft, oder irgendeine Macht, zöge ich es in Betracht, Wünsche flux dir zu erfüllen.

Nix von dem hab ich zu schenken, außer stets an dich zu denken, selbstverständlich auch zu fühlen. Wenn du lächelst, kannst du‘s spüren.

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Schnecke auf Speed

Fernab von Zeitdruck oder Uhr, kroch langsam stets auf ihrer Spur, nur scheinbar ziellos um die Ecke, Cleopatra, die kleine Schnecke.

Zu gleicher Zeit, Zufall das alles, machte sich Speed, genannt Gonzales, aus andrer Richtung schnellstens auf und glitt auf Cleos Schleimspur aus.

Untröstlich und voll Mitgefühl, lud Schnecke Speed zu einem Spiel, just in ihr tiny Häuschen ein.

Sie sang ein Lied, er fand es super, stieg ein in Schneckes super trooper und tanzte mit ihr um die Ecke. Auf Speed ist seither unsere Schnecke.

Gonzales Speed, ganz aus dem Haus, nahm seinerseits das Tempo raus, was schließlich, kurz ums Eck gedacht, gemeinsam Kriechen möglich macht.

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Fast ein Märchen

Rapunzels Verlustigkeit

Alter Zopf im Kopf verband,
seine Kraft komplett verkannt,
Taffes Ego, Mainstream, fit,
pfiffig, stylish, Kurzhaarschnitt.

Turm aus Elfenbein erklommen,
Intellekt bleibt unbenommen,
Wächterin mit Zauberstab,
Scherenschnitt direkt ins Grab.

Weit und breit kein Prinz verzolle,
sich und seine Prinzenrolle.
Feuers Lodern in den Gängen,
kommt heran, um Turm zu sprengen.

Haare etwas angesenkt,
immerhin der Turm gesprengt,
Herz im Himmel, Kopf im Gras,
Haare wachsen hören.


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Kleine Bärin

Mitten im Wald, traf ich sie, gestern. Auge in Auge, Seelenschwester.

Ihre Stärke ist die meine, lieben, lachen, spielen, weinen. Sein im Sein und das so meinen.

Sie will leben, frei und echt, sagt sie mir, da klopft ein Specht, dreiunddreißig mal ins Holz.

Weiterleben, will ich auch, stimm ich ein da kommt ein Wolf direkt ins Licht.

Kleine Bärin, das bin ich.

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Déjà vu

Der Wald steht in der späten Nacht, die für die Flucht sich schön gemacht, Gefährtin mir im Treueschwur, weist Mondes Sichel mir die Spur.

Fliegendes Haar, geraffte Röcke, gehetztes Tier, springt über Stöcke, voran, voran, stets durch die Zeiten, im Kreis der ewig Ewigkeiten.

Der Zeiten Spalten, längst Routine, selbes Spiel, selbe Miene, dann, endlich erkannt und doch wieder weg gerannt.

Das Meer steht in der späten Nacht, die für die Flucht sich schön gemacht. Ein Boot, mein Freund, jedoch, in seiner Mitte klafft ein Loch.

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Schlaflos

Schaf 1003 ist ausgewiesen
als eins von jenen angepriesen,
mich einzulullen mit Gezähle,
dass ich mich bald im Schlafe wähne.

Eintausendzwei gingen voran,
blökend getrieben aber dann,
versagten sie den Dienst verwegen,
so warte ich auf Schlafes Segen.

Bevor ich dich mit Schlaf beglücke,
mit Träumers hohem Gut bestücke,
hast du mir einen Dienst zu weisen,
dich von Gegrübel loszueisen.

Wer spricht, frag ich und kanns nicht lassen,
das Thema nochmal nachzufassen.
Na rate mal, Frau Neunmalschlau,
Ich bin es, Räuber Schlafes Klau.

Der Typ, oh alle Himmelsheere,
gibt sich in Penetranz die Ehre,
jetzt macht mal hin, ihr Engelschöre,
dass Schlafes Klau die Schafe schere.

Anstatt die Ruhe mir zu nehmen,
soll er sich flux und fix bequemen,
das Weite schnellstens aufzusuchen,
sonst back ich nächtens auch noch Kuchen.

Frohlockend rauschen daraufhin,
mit Zimbeln und Glockengekling,
die Engelein aus ihren Ecken,
bestücken lieblich meine Decken.

Wohlan, du Bäckerin der Nacht,
son Kuchen ist doch schnell gemacht.
Wir Wesen aus der andern Welt,
haben den Kuchen doch bestellt.

So sitze ich mit tausend Schafen,
Engel hellwach, anstatt zu schlafen,
Charmanter Räuber, frei und frisch,
nachts um zwei am Küchentisch.

©ideenlese

Hohe Zeit der Teilchenbeschleuniger

Teilchen, Götterfunken gleich, eingeladen, aufgeladen, Glanz aus Zeiten, wie Träume, schäumen, Energie tanzt Freude, reine Ode Schönheit an Leben, geboren die Liebe, Gott oh Gott, Funkenflug.

(c) ideenlese

Von Schafen und Wölfen

Seinerzeit im Herbst, vor vielen Monden,
schlichen wir im Frühling unseres Lebens,
umeinander.
Schafe, im Pelz junger Wölfe, unser Knurren
ein Blöken bloß.

Taxierend das Wagnis der ersten Liebe,
der Witterung auf die Spur gekommen,
beklommen noch und fremd,
die Seelen nur vertraut im Spiel,
taumelten wir.

Mal hier mal da, im kurzen Rausch,
rissen uns tiefe Wunden, Drama,
fanden kein Ende.
Ohne dich ging es nicht,
ohne mich dir nicht besser, ein Lauf,
blind ins gewetzte Messer.

Bis es stumpf war, wir auch,
blutleer das Uns und das Wir am Krepieren,
schwer wiegt was war.
Erinnerungen führen nichts Gutes im Schilde,
manche,
machen den Tag nicht hell,
bleiben wie Nebel hängen in altem Schmerz.

Kürzlich im Frühling, vor einigen Monden,
schlichen wir im Herbst unseres Lebens,
umeinander.
Alte Wölfe im Pelz junger Schafe,
vernarbt vom Leben, ohne einander,
streunen wir im Was wäre gewesen wenn.

Unser Blöken ein Knurren.

Im Sommer hast du dich davon geschlichen,
für immer im Kreislauf der ewigen Jagdgründe,
bist du der, der du immer schon warst.
Ein hungriger Wolf.
Und ich heule den Mond an, still und leise
und lecke heimlich meine Wunden.

©ideenlese, 2021


Das Reh

Gewagt, mutig, dem Schutz des Waldes entsagt,
ruhig der Blick, gelassen noch, entgegen,
der Gefahr, die rasend, grell und laut
vorbeizischt.

Klopfendes Pochen, Herz springt in die Läufe,
flink und zart passiert die Grenze, wachsam noch, sanft,
verharrt, bereit zur Flucht,

vor reißenden Zähnen, Jagdgetriebe der Meute,
dem mörderischen Preschen, Ende als Rehragout,
zurück,
in die Tiefe, Herzgehege, stilles Schauen, sanftes Sein,
der Atem geht ruhig, wieder, friedliches Besinnen, für eine Weile.

Das Reh.
In mir.

©ideenlese 2021

Der Wurm

Der Wurm, der sich verspäten kann,
besonnen und geschickt,
der hegt in sich heimlich den Plan,
dass Vogel ihn nicht pickt.

Die Zeit, die er gewonnen hat,
die will er prima nutzen,
und fängt sogleich behände an,
sein Image blank zu putzen.

Wenn ich es lang genug poliere,
sinniert und träumt der Kriecher,
dann bin ich bald viel besser dran,
als all die andern Viecher.

So geht er’s an, strafft seine Falten
und pellt sich aus dem Ei
fühlt sich als Tiger denn als Wurm,
im Boden vogelfrei.

Aus Spät wird Früh, die Zeit sie rennt,
Sie reicht nicht für den Mogel,
ein Wurm der bleibt doch stets ein Wurm,
da naht auch schon der Vogel.

Pick, Pick, Pick.

Du willst Moral aus der Geschichte,
als Mensch oder als Tier?
Vielleicht ist es die Frage nur,
wer sind wir und wofür?

(c)ideenlese 2021