Dünne Haut

Gestern habe ich in einem emotionalen Ausnahmezustand einiges zerlegt. Auch diesen Blog. Ich vernichtete Texte unter Tränen überzeugt davon, dass mein Geschreibe niemandem dient, nichts nützt und nur sentimentaler Kram ist.  Worte, nichts als Worte, geformt aus Gefühlen, die kommen und gehen. Laienhafte Lyrik ohne Wirkung.

Das Fass mit der Aufschrift Corona läuft längst über und in mir wie ein Hintergrundprogramm, das viel zu viel Energie zieht und deutlich spürbar mein Nervenkostüm drangsaliert. Ich bin längst nicht so gefeit, wie ich hoffte und die Verdrängung der eigenen Sensibilität hat einen hohen Preis, der irgendwann nicht mehr zu zahlen ist. Inflation? Ich glaube, man nennt dieses Geschehen Inflation. In diesem Fall eine der mentalen Art.

So wie mir geht es, das ist längt belegt, vielen Menschen, wahrscheinlich den meisten und am stärksten denen, die direkt in unterschiedlicher Weise betroffen sind.

In meinem Umfeld gibt es solche, die während oder durch das Virus geliebte Menschen verloren  haben, selbst von einer Infektion betroffen sind oder waren, den politischen Maßnahmen aufgeschlossen gegenüberstehen oder eben nicht, die auf Pflegestationen in Schulen und Kitas arbeiten und auf dem Zahnfleisch gehen und solche, für die die Demokratie zu Grabe getragen wird, angesichts einer bevorstehenden Impfpflicht und harten Sanktionen im Falle der Entscheidung, sich nicht impfen zu lassen.

Es gibt die, sie sich ohne Vorbehalte impfen lassen und gar nicht früh genug den begehrten Termin zum Boostern vereinbaren können und solche wie mich, mitten drin, die nicht auf Impfungen stehen, dafür aber sehr auf Freiheit und eigene Entscheidungen, sich aber gewissen Umständen beugen oder beugen müssen und ganz pragmatisch ein bisschen persönliche Freiheit erhalten wollen.

Als Laie auf allen Gebieten der Auswirkungen dieser Misere habe ich längst meine Objektivität anheim geben müssen, staune jedoch immer wieder darüber, in welchem Brustton der Überzeugung andere Laien ihre Statements in noch erlaubten Biertischrunden zum Besten geben.

Meine Energie läuft angesichts der Kombination zwischen Pandemie, Jahreszeit und anderen persönlichen Schmankerln auf Sparflamme. Heißt, ich diskutiere nicht mehr, widerspreche nur halbherzig, wenn Vorurteile wie zum Beispiel dem, dass die Jugendlichen sich doch bitte nicht so anstellen sollen, wenn sie jetzt mal ein Jahr nicht feiern können, unreflektiert angesichts einer längst vergangenen eigenen Jugend, trötend wie ein Elefant im Porzellanladen herausposaunt werden.

Von Anfang an gab es keinen Zweifel an der Tatsache, dass die Freiheit des Einzelnen massiv ausgehebelt wurde. Wer mehr darüber erfahren möchte, der greife gerne zum Grundgesetz und blättere ein wenig darin herum. Kein Hexenwerk, sofern man bis Drei zählen und ein wenig lesen und das Gelesene in seinen Grundaussagen verstehen kann.

Mich verunsichert die europaweite und weltweite Situation sehr, und zwar über Corona hinaus.
Und mich ermüdet die Dauerschleife von Zahlen, Werten und Inzidenzen. Mich erschüttert die Tatsache, dass wir ganz offensichtlich die Kraft und den Mut verlieren, und aus der vermeintlichen Sicherheit einer Einheitsmeinung heraus darauf verzichten, andere Perspektiven als die aus dem Mainstream zuzulassen.

Zugegebenermaßen ist das erstmal ungewohnt, anstrengend und neu. Und, ja, Unbekanntes macht Angst.

Damit kenne ich mich gut aus. Alles, was zwei Meter außerhalb meiner gewohnten Komfortzone liegt, ist ein Hochrisikogebiet für mich. Da hilft es auch wenig, wenn ich mir Mittwoch die Zähne mit der linken anstatt wie gewohnt mit der rechten Hand putze.

Diese Pandemie gefährdet Gesundheit und Leben. Das steht außer Frage.
Aber sie tut es nicht nur durch Triage auf Intensivstationen und die Überlastung etlicher Systeme, was ohne Zweifel dramatisch ist.

Sie verleitet uns darüberhinaus dazu, blind zu werden für andere Sichtweisen, taub zu werden gegenüber anderen Stimmen. Sie spaltet zwischen Jung und Alt, zwischen Geimpften und Ungeimpften. Sie hat das Potenzial, uns in permanente Angst und Panik zu versetzen und das aus dem Fokus zu verlieren, was ein unschätzbar hohes Gut ist.

Die geistige und körperliche Freiheit!

Dieses Virus ist da und die nächsten Mutationen stehen schon in den Startlöchern.
Sie werden dies wahrscheinlich auch weiterhin beharrlich und unerschütterlich tun. Das ist ihr Selbstzweck, ihr Wesen.

Und, Christine, hast du eine Lösung? Das ist die Killerfrage, mit der ich dieser Tage und nicht nur dieser, konfrontiert werde.

Nein.
Ich habe keine Lösung.
Ich habe nur einen beschränkten geistigen Horizont, ein Herz, das für Freiheit und Liebe schlägt und Hände, die andere Hände halten können.

Das ist wenig. Aber vielleicht genug, um nicht darin nachzulassen, im Rahmen des Möglichen selbst zu denken und in Liebe zu handeln, und zwar mit- und weniger gegeneinander.

Und diese Freiheit hat jeder in allen Bereichen des Lebens.

Sogar in Politik und Wissenschaft.

Wahre Liebe

Als meine Liebe deine traf,
sie erste Blicke wagten,
und Schritte aufeinander zu,
berührten, verrückten, verzückten,
hielt die Welt den Atem an.

Als deine Liebe mit meiner spielte,
und die Haut erhitzte,
die Leidenschaft durchbrannte,
besoffen, betroffen, bekloppt,
tanzte die Welt Tango.

Als meine Liebe deine verlor,
aus dem Blick, aus dem Gespür,
standen wir bewegungslos auf der Leitung,
wurden müde und weltweit fiel der Strom aus.

Ob meine Liebe Deine wiederfindet?
Behutsam, zart, bewusst?
Erinnert an den Fluss, das Band als Liebespfand?

Wahre Liebe.
Sie schenkt sich, sie lässt, sie fließt.
Und die Welt lächelt und schaltet auf Flutlicht.

(c) ideenlese 2009, 2021

Wenn Kinderliebe erwachsen wird



Es ist eine wunderschöne Erfahrung, wenn ein Gedicht seinen musikalischen Begleiter findet. Der Komponist Stefan Kraus hat mit viel Liebe und Einfühlungsvermögen ein wunderschönes Werk geschaffen.

Ich freue mich zutiefst, das Ergebnis hier präsentieren zu können!

Herzlichen Dank, lieber Stefan!

Es ist mir eine riesengroße Freude.

Verbundenheit

Es ist das Band
und auch das Ringen.
Es ist das Fließen,
auch das Zwingen.

Es ist die Liebe,
der Verdruss,
es ist ein Anfang
und der Schluss.

Ein ewig während
Lauf der Zeiten,
in dem uns Menschen
stets begleiten,
den Weg zur Einheit
zu beschreiten.

Es ist das Leichte,
und die Schwere,
die beide tief
ich still begehre.

Das Sein im Werden,
werde Sein.
In Form von Liebe,
klar und rein.

(c) ideenlese