Der Tag an dem der Philosoph mich striff

An einem Tag, es war im Mai,
ich ging auf meinem Weg,
da traf ich, völlig unverhofft,
'nen Typen, der war schräg.

Sein Haar schlohweiß, wie sein Gewand,
die Augen blau, der Blick charmant,
bat er mich drum, mal stehen zu bleiben,
er wolle mir nur kurz was zeigen.

Wie ich nun bin, kam ich ins Stutzen,
fragte mich still nach einem Nutzen,
da hob er an, er würde hoffen,
ich sei für neue Perspektiven offen.

Na gut, sprach ich, dann trau ich mich,
und sah ihm klar ins Angesicht, 
das sich mit Lächeln überzog.
Und schon begann ein Dialog.

Er bot mir an, ein Stück zu schreiten,
Bewegung, sei nicht abzustreiten,
mache den Kopf, Herz, Seele frei.
Okay, sprach ich, ich bin dabei.

Wer bist du, und wenn ja, wieviele?
Gehören Triebe stets zur Liebe?
Was ist der Wille?
Ist er frei?
War erst die Henne, dann das Ei?
Ist die Moral geprägt von Strenge?
Und Freiheit die, die Kette sprenge?

Die Zeit wurde bedeutungslos,
ermüdet fielen wir ins Moos,
schlossen die Augen, schliefen ein.
Es muss ein Traum gewesen sein.

Vielleicht aber auch nicht.
Erkenntnis ist zwar keine Pflicht.
Doch seit dem Tag bin ich erpicht,
den Dingen auf den Grund zu gehen.
Sie vielseitig mir anzusehen.
Gesetztes auch zu revidieren.
Empfehlung auch mal ausprobieren.

Seit jenem Tag in jenem Mai,
da ist viel Zeit vergangen.
Der Philosoph hat mich gelehrt,
nach jedem Tief neu anzufangen.

So ist die Ganzheit nun einmal.
Hoch auf den Berg, hinab ins Tal.
In Freude ganz so wie im Schmerz.
Dem schrägen Typ gehört mein Herz.

(c) ideenlese

Schöne Vergänglichkeit & Reprise

Schöne Vergänglichkeit Ein Weg beginnt mit ‘ner IdeeIhr Keim, er sagt sich munter: geh!So läuft sie los mit großem MutUnd stürzt sich in die …

DichtArt CXXIX – Schöne Vergänglichkeit

🌹

Once there was a rose in summer,
Was so tender and so bright,
Even in the storm of thunder,
She was there and hold you tight.

Gave you all that she could give to,
Lost herself in gentle be,
Spend you calm and lovely moments,
Strong as every oldest tree.

When the summer turned to autumn,
Roses leaves return in earth.
Only hope and deepest love flow,
Bring her back in springs rebirth.

Once there was a rose in summer,
Loveliest you ever knew,
Smell of love you will remember,
Where you’ll stay and where you’ll go.

Don’t foget the one and only,
Rose of life and full of grace,
Still her gift is every morning,
Lovely smile upon your face.

Once there was a rose in summer.

(c) ideenlese

Selfish

Selfish by christine
I don’t see
Your soul anymore

My darling

Cause you sold her
to the selfish fool
in you

I don’t feel
Your love anymore

My darling

Cause you sold her
for a ridiculous
price

I can’t stand the distance
between you and me
Such a mess of diff’rence
hanging over me

Sorry dear
Can’t do it with him

My darling

with this kind
Of stupid selfish fool

Bye my love
Will miss you within

My darling

Like I always did before

But

I don’t see
Your soul anymore

My darling

All I see
is your absent frozen smile

(c) ideenlese 2013/2022

Graue Panther

Es schlichen einst
zwei graue Panther,
des Lebens Furchen
auf dem Rücken,
aus Zufall
oder schicksalhaft,
eng umeinander
mit Entzücken.

Vergessen war
für kurze Zeit,
die alte Last
das alte Leid.
Sie jagten,
spielten,
ungezwungen,
ne Gnadenfrist
Tod abgerungen.

Dann kam er,
still und leise,
nahm Pantherin
mit auf die Reise.
Nun schleicht allein
ein grauer Panther
des Lebens Furchen
eingegraben
und leckt sich
Wunden und auch
Narben.

Vergänglich wie
das Blühen der Rose,
geht Planung meistens
in die Hose
und die Kontrolle
ist d’accord.
Shit Happens,
ab durchs Himmelstor.

(c) ideenlese

Abflug

Glockenhell, Gesang von Ferne,
Birkentanz im Glanz der Sterne,
sanftes Rauschen in den Wäldern,
Nebel liegt über den Feldern.

Tag und Nacht, berührtes Staunen,
in der Sphäre stilles Raunen,
Feuerfackel spielt mit Licht,
Wärme nur, verbrenn mich nicht!

Tief hinein getaucht, in Schimmer,
ist der Seele Reinheit immer,
wahrt die Wahrheit, wehrt dem Kampf,
fordert auf zum Sein im Glanz.

Sanfter Fluss, aus Quelle Schoß,
Blüten, Gräser, ruhend Moos,
Blick der Sinne schweifend weit,
Sternenstaub zum Flug bereit.

©ideenlese



Engel

Du sagtest „mein Engel“
und ich putzte meine Flügel.

Du sagtest „mein Sonnenschein“
und ich begann zu strahlen.

Du sagtest „meine Liebe“
und ich wurde hellhörig.

Du sagtest „Maus“ oder „Schatz“.
Und ich sagte „piep“ und ergraute.

Ich hörte dich flüstern „mein Engel“.
Und der Schmerz brachte mich fast ums.

Du sagtest zu ihr „mein Sonnenschein“.
Und ich verbrannte vor Wut.

Du nanntest sie „mein Liebe“.
Und ich lachte laut.

Du sagtest „Mäuschen“ und  „Schätzchen“ zu ihr.
Und ich wuchs über mich hinaus, wurde stark
und sagte du mir:

Ich bin ich.

(c) ideenlese

Die Puppe


Die blonde, kühle, wunderschöne,
die leblos,statisch, ohne Töne,
als Vorbild nicht das Wahre war,
gedanklich war sie immer da.

Sei schön, sei still, sei hübsch charmant,
und sei vor allem recht galant,
sollt es um deine Meinung gehen,
so stell dich brav auf deine Zehen.

Vermeide Streit und Wiederstände,
und du wirst sehen, am guten Ende,
haut dich dein großes Herz voll um!
Kein Gleichgewicht?

Tja, Schätzchen, dumm
gelaufen, doch noch nicht zu spät.
Zieh dir die Nadeln aus dem Brain
und du wirst schmerzfrei geradestehen,
zu dir und dem was dich bewegt.

Du darfst, du kann, du hast die Kraft,
die vieles kann und manches schafft.
Die Barbie ist nur Nostalgie.
Was wichtig ist, das ist dein Chi.


(c) ideenlese

Die vergessene Eile

Ich mag die Langsamkeit 
des Seins in ihrem gelassenen Innehalten.
Zeit zum Spüren,
Zeit zum Berühren.

Ich mag die mutige
und erhabene Zuversicht,
den Geist fein säuselnden Humors.

Ich mag den Takt des
langsamen Walzers,
sein Schmiegen und Turteln.

Ich mag diesen Text
und dieses Klavierspiel
von Stefan.

Sie kommen gelegen,
auf den Punkt, wie Balsam
auf den selben,
der ein wenig wund ist,
ein wenig schmerzt.

In dieser Zeit
des Fragens, des Hoffens,
der Befürchtungen.

Wie ein kleines,
sinnliches Wunder,
an dessen Erscheinen
der Glaube verloren ging.

Nur fast.

Danke Stefan.
Wundervoll.
🌺

Heute in der Frühe begrüßte mich in meinem Garten unweit des Kirschbaums eine Weinbergschnecke, die im vom Morgentau benetztem Gras ihren Walzer der …

Die vergessene Eile

24 Millionen

Tageszeitung, Seite 3,
Politik, Skandal, Geschrei,
angezeigt im Vollformat,
nicht ganz sauber aber smart.

Große Lettern, bunte Bilder,
Ablenkung gestimmt uns milder.
Lullt uns ein und macht uns taub.
Der Verstand, dörrend im Staub.

Tageszeitung, Seite 3,
Randnotiz nur, vogelfrei,
Splitter, so die Überschrift,
weil es nicht so wichtig ist.

24 Millionen in Äthiopien
und Sudan, Kenia, Somalia,
Menschen, die vergessen werden
in den vielen Kriegsgebährden.

Rheinmetall im Liefermodus,
schwere Waffen noch als Bonus,
was zählt da der Hungertod?
Friss wer kann, ganz ohne Not.

Tageszeitung, Seite 3,
mir wird schlecht, und Morgenbrei
tritt spontan den Rückweg an,
weil das echt nicht wahr sein kann.

(c) ideenlese

Heute Nacht

Im Traum heute Nacht,
wie verkehrt war die Welt,
tatsächlich von oben
auf unten gestellt.

Die Kriegsfürsten trugen
samt der Lobbyisten
Pakete und Post aus
und waren am schwitzen.

Politiker ernteten Spargel
vom Feld und putzten
Toiletten für so gut
wie kein Geld.

Vorstände und Aufsicht
von etlichen Banken,
sah man am Tritt vom
Müllwagen schwanken.

Der Notstand in Pflege
war bald keiner mehr,
der Bundestag schickte
Ersatzkräfte her.

So sind seit heut Nacht
viele Stellen im Land,
neu dotiert, neu justiert,
jedenfalls sehr vakant.

Pflege statt Waffen,
geht wohl nur im Traum,
Ich stelle es dennoch
zum Gespräch in den Raum.

(c) ideenlese

Macht

Den großen Krieg beenden?
Kann ich nicht.

Die große Gier abwenden?
Kann ich nicht.

Den großen Hunger stillen?
Kann ich nicht.

Das große Bewusstsein wecken?
Kann ich nicht.

Die große Wahrheit finden?
Kann ich nicht.

Die große Menschheit gründen?
Kann ich nicht.

Den großen Egoismus überwinden?
Kann ich nicht.

Die großen Lügen aufdecken?
Kann ich nicht.

Die große Dummheit erhellen?
Kann ich nicht.

Allein.
Wir alle müssten es wollen und tun.


Ich kann im Kleinen.
Du kannst im Kleinen.

Den kleinen Frieden schließen.
Können wir.

Die kleine Demut üben.
Können wir.

Das kleine Bewusstsein schärfen.
Können wir.

Die kleine Dummheit erkennen.
Können wir.

Den kleinen Mut einsetzen.
Können wir.

Die kleine Liebe pflegen,
bis sie so groß ist, dass
sie die Begegnung mit der
großen Angst nicht mehr
fürchtet.

Ich kann nichts anderes.
Tun im Kleinen.

Kannst du was anderes tun?
Als tun im Kleinen?

Allein?
Wir alle müssten es tun.

Was wäre das für eine Macht.

(c) ideenlese

Dazwischen – Interpretationen

Dazwischen Hoch gelebt und tief gefallen – alles gegeben, alles genommen; den Himmel erlebt und die Hölle erfahren – viel gewonnen, viel zerronnen; …

DichtArt CXXVII – Dazwischen
between low an high
between earth and sky

between stay and go
between jam and flow

between young and old
between hot and cold

the between in me
for eternity

between now and past
just one soul at last

nothing in between
between you and me

for eternity.

(c) ideenlese 2022

Die große Mutter

Für Lieselotte


Ihr Herz weit und stark,
entspannt,
warm und strömend.
Ihr Wissen aus Tiefen,
ganz einfach betörend.

In Klarheit genossen
und in Konsequenz,
gelassenes Hoffen
mit Kuchen kredenzt.

Ihr Blick hell,
erkennend,
mit Seelengespür.
Ihr Haus eine Heimat,
mit offener Tür.

Ihr Babbeln frei raus
und gemeinhin
ne Flotte.
Ich glaube,
so war sie,
sehr groß.
Lieselotte.

Ich hörte von ihr,
hätte sie gern gekannt.
Mag sein es gelingt,
andere Zeit, anderes Land.

Dann brüht sie Darjeeling,
mit Kandis und Sahne,
Zigaretten dabei,
so ist sie, die Ahne.

(c) ideenlese

Finally

And finally you realise 
that the whole world
is inside you.
With all its beauty and pain.
With war and peace.

And finally you realise
that everything
is inside you.
The waterfalls and
the deserts,
the fire and the ice.

And at last
you have overcome
jealousy and pride.

And forgiveness grows,
hate and love,
courage and glory
hand in hand
with doubt and trust.

And finally you
let it be
and let it flow
and shine through
your heart,
mind and soul.
Finally.

(c) ideenlese

Mann liebt

Wenn eine Frau dein Herz zerreißt,
dich umbringt,
auf die Liebe scheißt.

Wenn sie vergisst, was alles war,
dir sagt,
sie sieht jetzt alles klar,
und meint,
dass du vergangen bist.

Ein Hund,
der auf Kommando pisst,
kann hier verzweifeln,
schreit sie an:

„Es kann nicht sein,
was nicht sein kann.“
Doch ist die Last des Bruders Herz
-wohlgemeint-
ein schöner Schmerz.

Denn leidet wohl nur der daran,
der von der Liebe reden kann.
Wer niemals liebt,
dem ist es gleich.

Doch
nur wer lieben kann
ist reich.

So zeichnet es den wahren Mann,
dass er den Schmerz verschmerzen kann.
Er weint, er hasst
und will sich rächen,
doch niemals wird sein Herzen brechen.

Und niemals würde er verzagen,
stets erneut das Drahtseil wagen.
Denn Liebe ist schön, mal warm,
und mal heiß.
Ein Narr, welcher glaubt,
dass er mehr davon weiß.

aus: April Punk, 2010

Digame

Sag mir, was du willst,
denn ich spüre deinen Wunsch
unter meiner Haut.

Sag mir, was du siehst,
denn ich male meine Bilder
mit deinen Farben.

Digame.

Sag mir, welchen Weg du gehst,
denn ich habe meine Spuren
auf ihm hinterlassen.

Sag mir, was du fühlst,
damit ich dich erkenne.

Digame.

Sag mir was du denkst,
damit ich mit deinen Gedanken spielen kann.
Sag mir, was dich bewegt,
und ich lade den Wind der Freiheit ein,
und lasse dich auf seinen Schwingen tanzen.

Digame.

(c) ideenlese

Little Eros

Ein Phänomen.
Gedanken. Freudiges Gespür.
Von mir zu dir. Von dir zu mir.
Ohne Pause. Lässt mich nicht los.

Zuviel der Wonne.
Wo führt das hin? Egal. Macht Sinn.
Die Blume stirbt. Der Samen nicht.
So jedenfalls der Dichter spricht.
Recht hat er.

Ein Wort dafür. Wofür?
Keinen Schimmer. Ich denke an dich.
Mit Freude. Fast immer.

(c) ideenlese

Spür die Kür


Hin und wieder muss ich alles auf den Kopf stellen.
Hin und wieder ist jetzt. Ich räume alle Bücher aus dem Regal, baue schwankende Türme aus bedrucktem Papier und verteile sie im Raum. Tausenden von Fakten, Daten, Normen und Geschichten droht der Absturz ins Chaos.

Es muss erst schlimmer werden, bevor es besser werden kann. Stimmt das? Warum muss es erst schlimmer werden? Warum kann es nicht gut sein, besser werden, sich entwickeln, zum Besten, zur Meisterschaft?

Was würde dabei herauskommen, wenn sich aus dem Sammelsurium der einstürzenden Büchertürme neue Konstellationen ergäben?

Was, wenn sich das dicke Buch der Hundepsychologie in das grazile Notenheft des Weihnachtsoratoriums verliebt oder die schwerfällige englische Grammatik sich magisch vom gleichgesinnten Steuerrecht, neueste Ausgabe, angezogen fühlte und im Überschwank der Begierden nicht mitbekäme, dass auch Das große Gartenbuch mit Sonderteil Rosenzüchtung ein Auge auf die Unberührtheit steuerlicher Normen schmeißt?

Was, wenn das Strafrechtsbuch in einer plötzlichen Erleuchtung erkennt, dass es ohne die Erotik für Dummies nicht mehr leben kann?

Das Chaos tobt im ersten Stock und hätte schon längst in irgendeine Ordnung zurückgefunden, wenn nicht im selben Raum, an der Wand gegenüber, gleich neben dem Fenster, das Klavier seinen Platz gefunden hätte. Das Instrument verführt mich. Immer. Wenn ich groß bin, werde ich Jazzpianistin. 

Anstatt aufzuräumen spiele ich schräge Akkorde und noch schrägere Melodien. Dissonante Verzögerungen, Verhinderer der Ordnung, die dieser Raum dringend braucht. Oder? Es ist der Raum, den ich brauche, um die Zeit, die ich für mich brauche, darin verbringen zu können. Es ist mein Raum.

Mit einer leeren Wand, vor deren weißer Kulisse nichts stattfindet als die tägliche Meditation. Ich brauche die Wand im Rücken und deshalb muss das Bücherregal verschwinden.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen, raunt etwas, während ich versuche, meine Jazzkarriere mit einem Crescendo voranzutreiben. Meine Nackenmuskeln verspannen sich. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr, keckert es weiter.
Bullshit, sage ich laut. Lernen geht immer, bis ins hohe Alter. Schon mal was von neuronaler Plastizität gehört?

Ich lasse meinen Kopf Richtung Brust sinken, legen ihn leicht erst auf die linke, dann auf die rechte Seite, kreise die Schultern und schüttele mich wie ein Hund, der in einen Platzregen geraten ist.

Was, wenn sich Arbeit mit Vergnügen mischt? Wenn sie gemeinsame Sachen mache, unter eine Decke schlüpfen, nackt den Schlafsack am Lagerfeuer teilen?

So, wie es die Bücher der einstürzenden Türme gleich tun werden, weil sich die Hündin schnüffelnd zwischen die Büchertürme zwängt und ihre Rute aufgeregt in den Turbo schaltet.

Was, wenn ich das Gießkannenprinzip alter Glaubenssätze nicht anerkenne oder mich ihm sanft entwinde, entschwebe und im Gehen mit Blick über die Schulter sage, sorry, mit uns beiden, das passt nicht, versuch es ab jetzt bei jemand anderem, bitte, und Danke für Nichts.

Ich falte aus der flauschigen Kuscheldecke eine bequeme Unterlage und schiebe mir das Meditationsbänkchen unter den Hintern, schließe die Augen und atme. Ein und aus.

Spür die Kür, kommt aus dem Nichts. Spür die Kür! Und ich lächle, und mit dem Lächeln kommt die Erinnerung. Daran, dass da mehr ist zwischen Himmel und Erde. Mehr als das, was wir hier sehen und anfassen können. Dass wir mehr sind, als die materialisierte Schlacke, als die wir uns durch die Welt schieben.

Spür die Kür. Deine Kür. Da, wo du dich zutiefst berührt und bewegt fühlst, da geht es lang. Jetzt. Ohne Wenn und Aber.


Schönes Wochenende und bis bald.



Freistil

Das Dann und Wann keimt,
schlägt zarte Wurzeln im Entweder Oder,
blüht auf im A und O.
Das Scheitern schreitet voran
im Alles oder Nichts.

Sowohl Worte für eine Weile blühen,
in einer Farbe, ihren Duft verströmen,
so ruft das Als auch hinaus,
über den Tellerrand der Buchstabensuppe.

Comme ci, comme ça.

Wagnis des B und Folgende,
denn das A ist längst gesagt.
Freistil der Entscheidung.

(c) ideenlese

Violeta


Es stand ein Veilchen auf dem Brett,
war schön, war blau und auch noch nett.
So stand es dort recht schmuck herum,
und Tag für Tag ging so herum.

Das Veilchen wurde ziemlich trocken,
und konnte weder blühen noch zocken.
Auch seine Farbe wurde blasser,
Warum?
Auch Veilchen brauchen Wasser.

Es war schon Winter, tiefer Frost,
aus Veilchen wurde nun Kompost.
Das war jedoch noch nicht das Ende,
denn dann, Bonheur, kam eine Wende.

Denn unseres Veilchens DNA,
schon immer Wildes Veilchen war.
So teilte es sein strahlend Ich,
in Feldern von Vergissmeinnicht.

Ein Veilchen, das braucht keinen Topf,
es hat einen ganz eigenen Kopf.
Braucht Sonne, Wasser, Wind und Liebe.
Für Schönheit,  Blau und Lebenstriebe.

© ideenlese



Migräne

 Struck by lightning, it breaks into a thousand pieces. 
The piercing flame bores deep into the coils of being, shreds like grimaces, tear open, shatter against hard rock.
Nausea and pain, they rage, hour after hour after hour.
Powerless, lifeless,
dissolved in dizziness.
Migraine.
A cruel asshole.

Vom Blitz getroffen, zerbricht er in tausend Stücke. Die stechende Flamme bohrt sich tief
in die Windungen des Seins,
zerfetzt, wie Fratzen, reißt auf, zerschellt an hartem Gestein.
Übelkeit und Schmerz, sie toben, Stunde um Stunde um Stunde.
Kraftlos, leblos,
aufgelöst in Schwindel.
Migräne.
Ein grausames Arschloch.

(c) ideenlese

Ohne Wenn und Aber

Wenn ich eine Staatsfrau wäre,
läge alles im Bestreben,
dass in meinem kleinen Staat,
jeder was zu essen hat.
Ferner jeder, der denn kann,
ganz egal, ob Frau ob Mann,
einen Sinn in Arbeit fände
und nicht sein Talent verschwende.

Wenn ich eine Staatsfrau wäre,
würd ich wollen, echt, ich schwöre,
dass es allen gut ergänge,
mit viel Freiheit, ohne Zwänge,
wohnen und gut leben könnte,
von der Wiege bis zur Rente.

Wenn ich eine Staatsfrau wäre,
wär‘s mir dann nicht eine Ehre,
Wohl zu schaffen statt Kriegsheere?
Gutes Klima, Transparenz, anstatt
Machtimpertinenz?
Müsste ich nicht dafür sorgen,
mir nicht zu viel Geld zu borgen?
Worte meinen, die ich sage,
Ohren auf für Weh und Klage?

Wenn ich eine Staatsfrau wär,
fiel auch mir es sicher schwer,
meine Eitelkeit zu zügeln
und Verführung auszubügeln.
Dienen anstatt Egotrip,
hielte mein Charakter mit?

Könnte ich ne Staatsfrau sein?
Meine Antwort lautet nein.
Denn ich wäre dem System
sicherlich zu unbequem
und zu nett auch obendrein.

Aber wer kann Staatsfrau sein?
Meinetwegen auch Staatsmann,
der nen Staat nice handeln kann
und dabei niemals vergisst,
dass er selbst ein Mensch nur ist.

(c) ideenlese

Wenn du denkst

Du lehnst dich nur mal kurz zurück,
spürst nach, Herberts Sekundenglück,
denkst, eben ist es echt ganz gut,
peng, kriegste wieder auf den Hut.

Was denn nun noch, stöhnst du,
pardon, warum denn mir,
vor den Ballon?
Hab Schnauze und Agenda voll,
ist gut jetzt, find ich echt nicht toll.

Doch irgendwie scheint irgendwas,
boshaft gefüllt, gleich einem Fass,
voll Pech, dich zu sich hinzulocken,
schon wieder Katastrophe rocken.

Warum es dicke kommt im Leben,
ich kann’s nicht sagen, nicht erheben.
Und komme zu dem doofen Schluss,
dass man oft vieles durchstehen muss,
das nicht zu überwinden scheint,
worüber man erschüttert weint.

Es hilft dann kein Kalenderspruch,
und auch kein Esoterikspuk,
kein Trost, kein Zuspruch, ohne Frage,
ist schlicht beschissen
manche Lage.

Und wenn du denkst,
schlimmer geht’s nimmer,
im Tunnel ist es duster,
röhrt es dich tiefen Tones an,
Hast du denn schon dein Booster?

Spätestens dann spürst du in dir,
die Lebenssäfte brodeln,
ergreifst dich selbst am eigenen Schopf,
beginnst Leben zu hobeln.

Ne Hühnerleiter ist das Leben,
recht kurz und voller Kacke,
Eins an der Waffel hat es auch
und eine große Macke.

(c) ideenlese

Mundus ergo sum

Den Besen schwing ich,
früh am Morgen,
und fege, gründlich,
alle Sorgen,
zusammen auf ein’ Haufen.

Sodann schau ich
den Dreck mir an,
mich nicht vor ihm
verstecken kann.

Da sehe ich den
ganzen Schmutz,
der mir stets dient,
als Putz und Schutz.

Im Fegen liegt
ein Zauber.
Danach fühl ich mich
sauber,
verschwunden blinder Fleck.
Und Morgen?
Neuer Dreck.

(c) ideenlese

Die Ewigkeit der Utopie

Mein Ideal 
von Love & Peace,
zerrinnt,
wie Sand,
in meiner Hand.

Geht ein,
und auf,
in der Wüste,
der Zeiten,
des Lebens Weiten.

Mein Ideal,
vom Ideal,
entkommen,
dem Rausch,
in Wogen, in Bausch.

Utopia in mir,
enttäuscht,
enttarnt,
ein verhärmtes Bündel?

Von Ewigkeit
zu Ewigkeit,
freier Fall,
durch das All,
Es und Nichts.

(c) ideenlese

Ende

In Aussicht gestellt,
wie der Blick, der von einem
Ufer des Sees, schweift,
zum anderen.

Erwartet und doch gehofft,
auf Zeit, gemeinsame, wofür?
Liebes Leben, Traumes Tanz.

Es dann ersehnt, das Ende,
von Schmerz, von Zweifel,
so sicher wie der Tod,
und leise die Frage, schweift,

Hat das Ende ein Ende?

Endloser Anfang
ohne Aussicht auf den See.
Der Blick erinnert nur,
schweift, trübe,
von einem zum anderen

Ende.


(c) ideenlese

Die vergessene Schamgrenze

Speziell auf Nachfrage von Nati. Und auch nur, weil Gerda heute etwas von Kräuter rauchen geschrieben hat. Aus meiner CD „Die eine Tür“ (2005) Nicht …

Die vergessene Schamgrenze

Kräuter rauchen 🚬 genau. Manchmal ist jedes Mittel recht. Soooo lustig, Danke Stefan und dazu passt dann dies – Momentchen, Update folgt:

Vom Lebensbaum genascht

Zwei Schmaucher schmauchen,
Freund zu Freund, extrem gechillt
grad einen Joint,
als eine Frau mit ihrem Hunde,
passiert den Gig zur selben Stunde.

Perplex im Überraschungsakt,
stürzt Tüte auf den Wandersack,
der ebenerdig sich platziert,
was beide Kiffer irritiert.

Des Hundes Nase schnallt indessen,
im Rucksack ist auch was zu fressen,
stürzt sich mit Wucht in Richtung Knaben,
um sich an Wurst und Brot zu laben.

Die rennen ihrerseits davon,
das ist bestimmt verdienter Lohn,
sagt sich die Frau und setzt sodann
des Schicksals Fügung freudig an.

Die Frau mit Hund,
entfernt vom Raum,
lehnt tief entspannt an einem Baum,
Pupille weit, Bewusstsein auch,
umgeben von dem süßen Rauch.

Geh doch mal wieder in den Wald
und spüre, du bist nicht zu alt,
verrückte Sachen zu probieren.
Lass dich vom Lebensbaum verführen.

Moral?

Die besten Geschichten schreibt das Leben,
vor allen das im Wald zwischen den Bäumen
der Gattung Realität und Fantasie.

Und wenn du ein paar Schritte weitergehst,
gleich hinter der Lichtung,
stößt du auf den Strand und das Meer.
Hängematte und Cocktails inklusive.

(c) ideenlese


Nimm mich

Schicksal, ach Schicksal, übernimm du das Steuer, irgendwie ist mir mein Leben zu teuer, die Schläge, die du mir zuweilen verpasst, ganz ehrlich, du Schicksal, hast ganz schön geprasst. 

Nun denn, meine Liebe, mal Butter bei Fische, es ist ziemlich selten, dass ich mich einmische, auch bin ich nicht von der schlagenden Zunft, dagegen ne Freundin von klarer Vernunft.

Nimmst du mich, nehm ich dich sehr gern an die Hand, geh mit dir durch die Steppe, über Wiesen, an den Strand. Schick dir Leute vorbei, die Freunde du nennst und sorge dafür, dass du lebst und nicht pennst.

Wir wissen nicht, ob wir Naturgesetz sind, manchmal sind wir sehend, ein andermal blind, dann führen wir selbst uns geschickt hinters Licht.
Und nennen es Schicksal, doch ist es das nicht.

Was Ursache und was die Wirkung ist, ob Anfang gleichzeitig schon Ende bemisst, es ist immer dein Leben, das dich tritt, das dich küsst und in dem du auch ein Entscheider bist.

Nimm mich, ach nimm mich, mein Leben, mein Sein, und ich nehme dich im Schmerz und im Freuen.

(c) ideenlese