Hängepartie

Der Januar ist mein schwierigster Monat. Schlaglöcher wie Tannenspitzen, all überall, und die Psyche stürzt sich todesmutig rein und lässt kein einziges aus.

Logos und Physis ziehen nach! Mindestens grippaler Infekt, mindestens erhöhte Temperatur, alles, was schlapp abhängen kann, tut es. Ach, das Leben ist doch echt scheiße, ergo schlage ich die Zeitung auf, ignoriere wie üblich den ganzen weltpolitischen Kram, um mich den wesentlichen Teilen zu widmen: Kinderseite, Veranstaltungen und Reisen.

Endlich!, jubiliere ich, endlich steht mal wieder was Vernünftiges in der Zeitung. Die fieberigen Bäckchen werden noch röter. Wer kennt es nicht, rot, röter am rötesten, mein Herz macht Sprünge und Lebensgeister besiedeln meinen Solar Plexus:

Haller Kreisblatt, 7. Januar 2023

Margot Flügel – Anhalt, inzwischen knapp 70, beweist, wie viel auch in späten Lebensjahren möglich ist, wenn man sich selbst vertraut.

Die Frau ist allein nach Pakistan gefahren! Toll! Ich bin ganz aus dem Häuschen.

Die Sozialpädagogin war zeit ihres Lebens eine Reisende. „Ich mache etwas, das ich machen möchte.“

Später sehe ich mir einen Ausschnitt eines Interviews mit ihr an. Portugal! Früher ist sie nur bis Portugal gereist.

Diese Frau kam heute genau richtig, um mich aufzuheitern, um mich zu erinnern, dass auch ich eine Reisende bin. In dreiundvierzig Tagen breche ich wieder auf. Es werden nicht 83 Tage und keine 22.000 Kilometer werden, sondern nur jeweils knapp ein Drittel.

Aber ich bin ja auch noch jung genug, für viele Tausend Kilometer. Kaffeekränzchen kann warten! Und dieser Januar mit seinen Längen, geht irgendwann auch zu Ende. Wie alles irgendwie, irgendwann.

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