Vom Alter, Descartes und der Kunst des Bremsens

Der alternde Mensch braucht weniger Schlaf. Sieben Stunden reichen aus.

Fein, denke ich, das wäre ja mal was, sieben Stunden durchgehend zu schlafen. Aber okay, drei plus vier ergeben auch sieben und auch eins plus eins plus eins plus eins ff.

Die Nacht, diese mystische Schönheit voller dunkler Geheimnisse, hat mich aus meinem Altertum in eine Renaissance katapultiert. Love, Love, Love, schubudubi, Love, Love, Love. It‘s her, the one and only. Liebe kennt keine Bremsen.

Bremsen ist ohnehin die Vernichtung von Energie. Und wo Energie ist, da lebt es, da lebt sie, da reibt es sich geschmeidig, und im besten Fall auch ich mich, sofern ich denke, dass ich bin und bin, was ich denke. Denke ich alt, bin ich alt und greife zu Krücken aller Art. Aber will ich das? Nope. Niemand möchte das.

Ist es vernünftig, das Unvermeidliche, also das Altern und den Tod, vorauszudenken? Sich hineinzudenken und sich damit auszubremsen? Ist es nicht vernünftiger, das Tempo anzupassen, um unnötiges Bremsen zu vermeiden?

Monsieur Descartes, im Vollbesitz seiner fülligen Haarpracht und sonstigen Kräfte, die angesichts seines Alters erstaunlich sind, hat es sich auf meiner Bettkante so bequem gemacht, wie es eben geht und flüstert mir sein Cogito ergo sum ins Ohr.

Das ist wesentlich angenehmer als der kurze Besuch der Stechmücke in der Nacht zuvor, dem ich mit einer Vollbremsung, also Energievernichtung, ein abruptes Ende setzen mußte.

René lebt und ich offenbar auch, denn ich denke und zweifle und zweifle, dass ich denke und zweifle schließlich alles Zweifeln an und erschaffe mir Wirklichkeiten, wie sie wirklicher nicht sein könnten. Wow!

Angesichts derartig sprießender erkenntnistheoretischer Knospen nächtlicher Gedankenenergie verzichte ich doch gerne auf Schlafen am Stück und hauche Monsieur einen innig verbundenen Kuss auf die Stirn, Stichwort Cortex praefontalis vitalis.

Vive la vie !

(c) ideenlese 2022

8 Gedanken zu „Vom Alter, Descartes und der Kunst des Bremsens“

    1. Guten Morgen!
      Ja. Und aus den Trauminhalten werden dann Texte und so ist die Basis von Ideenlese erklärt: alles nur geträumt 😉😂
      Hab einen schönen Tag, Martin! LG nach Bi

      Gefällt mir

  1. Bremsen machen Sinn. So ganz ohne brettert die enthemmte Phantasie über Bande durch alle Baustellen, produziert frei drehend eine Menge Turbulenzen. Da sagt das Alter, da bin ich raus. Die Phantasie kichert leise. Warts nur ab 🙂

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