Introvertiert

Es passiert mir immer noch und immer wieder, dass ich mich vom Strudel des Lauten und Schnellen mitreißen lasse.

Das Thema Introversion begleitet mich seit früher Kindheit, logisch, ich bin introvertiert. Ich bin eine gute Beobachterin, ich kann Rollen lernen, auch die der Extravertierten.

Aber ich bin es nicht. Und ich werde es nie sein. Und allmählich, spät, aber noch nicht zu spät, verliere ich meine Scham angesichts meines Soseins und bewege mich hinaus aus dem Zwang der Rechtfertigung.

Sie tun immer noch weh, die Stempel die sorglos, oft als Scherz verpackt, unüberlegt und teilweise grob, aufgedrückt werden.
Insofern ist es schön, Texte wie den nachfolgenden zu finden, die auf den Punkt bringen, wie es sich anfühlt, introvertiert zu sein.

Ich kenne die Einwände, ich kenne alle Aber, die an die harte, die reale Welt, die Bedingungen des Arbeitslebens erinnern. Ich kenne alle Appelle, alle sei doch nicht so ernst, stell dich nicht so an, du bist so langsam, beeil dich mal etc.

Ja es macht wund und verletzlich, sich öfter als erträglich anders zu fühlen. Ja ich bin verletzbar, sehr sogar. Ja es macht unsicher und manchmal sehr traurig.
Ich glaube, das habe ich so noch nicht in der Öffentlichkeit geschrieben. Die Zeit ist reif.

Es geht mir in diesem Beitrag nicht darum, Bewertungen vorzunehmen oder Maßstäbe anzulegen oder gar Rücksichtnahme einzufordern.
Aber der Hinweis, dass in einer offenkundig extravertierten Gesellschaft introvertierte Eigenschaften von höherem Wert sein können, als bisher wahrgenommen, den möchte ich mir erlauben.

Der folgende Text, eine Übersetzung, sagt genau das aus, was ich empfinde.
Und er nimmt mir gewissermaßen eine Last von den Schultern. Das ist keineswegs pathetisch und – ich bin mir sicher – für alle verständlich, denen es so oder ganz ähnlich geht.
Der Link zum vollständigen Original findet sich am Ende

Ja, ich bin introvertiert.
Nein, ich bin nicht schüchtern.
Nein, ich bin nicht festgefahren.
Nein, ich bin nicht asozial.


Ich höre nur zu. Ich beobachte. Ich kann Smalltalk nicht ertragen, aber ich werde stundenlang über das Leben reden.

Wenn ich mich dir öffne, wisse, dass das bedeutet, dass du etwas ganz Besonderes für mich bist.

Wenn du denkst, dass ich ruhig bin, könnte es daran liegen, dass deine Energie so LAUT ist, dass sie mich überwältigt hat.


Ich langweile mich selten alleine. Ich langweile mich oft in Gruppen und Menschenmassen. Nur weil ich nicht rede, heißt das nicht, dass ich schlechte Laune habe. Manchmal mag ich es einfach, still zu sein.

Ich bin ein starker, unabhängiger Introvertierter, der kein soziales Leben braucht. Ein introvertierter Wunsch nach Einsamkeit ist mehr als nur eine Präferenz. Es ist entscheidend für unsere Gesundheit und unser Glück.


Introvertierte sind in der Lage, sich wie Extrovertierte zu verhalten, um der Arbeit willen, die sie für wichtig halten, Menschen, die sie lieben, oder alles, was sie hoch schätzen.

Introvertiertheit ist ein Geschenk, das nicht geheilt oder repariert werden muss. Ich sehe vielleicht so aus, als würde ich nichts tun, aber ich bin ziemlich damit beschäftigt, Probleme zu lösen, kreativ zu sein.


Introvertierte gewinnen Energie aus dem Alleinsein, während Extrovertierte Energie daraus gewinnen, in der Nähe anderer zu sein. Unterschätze mich nicht, denn ich bin ruhig, ich weiß mehr als ich sage, denke mehr als ich spreche und beobachte mehr als du weißt.

Das Problem mit der Introvertiertheit ist, dass es keine höfliche Art zu sagen gibt: „Ich liebe dich, aber ich bin es leid, gerade jetzt mit dir zusammen zu sein“.

Manchmal muss ich alleine losziehen. Ich bin nicht traurig. Ich bin nicht wütend, ich lade meine Batterien wieder auf. Schweigen ist nur beängstigend für Menschen, die zwanghaft verbalisieren.

Ruhige Menschen haben die lautesten Köpfe.


Manchmal schalte ich ab und rede tagelang mit niemandem. Es ist nichts Persönliches. Viele Leute denken, dass es ein bisschen seltsam ist, introvertiert zu sein, ich finde es seltsam, dass andere ihre eigene Gesellschaft nicht ohne die Ablenkungen anderer Menschen genießen können.

7 Gedanken zu „Introvertiert“

  1. Kann ich gut nachvollziehen. Introvertierte unter sich können sich ohne Worte verstehen. Oder gar nicht. Mal braucht es Worte, um zu klären. Falls es das Gegenüber wert scheint. Mal finden sie sich nicht, verstecken sich gut. Mal ist nur Gefühl. Sternstunde ist, wenn Gefühl und Worte nicht nur friedlich koexistieren, sondern liebevoll Hand in Hand flanieren gehen. Am besten sind die zwei, wenn es ihnen gleich ist, wie sie da draußen ankommen. Dann könnten sie als extrovertiert durchgehen. Undercover unterwegs, sozusagen.

    Deinen Worten hab ich nachgespürt.
    Fühlt sich warm und echt an.
    Da grüß ich mal ❤lich 👋

    Gefällt 1 Person

      1. Darüber habe ich auch gerade nachgedacht, ob es dort Verknüpfungen gibt. Ob beides nur zusammen existieren kann. Zumindest kann ich mir als hochsensibler Mensch nicht vorstellen ständig und überall mit Menschen und lauten „Geblöcke“ sein zu können.
        Aber auch ohne seriöses Wissen, ist es das Wichtigste bei sich zu bleiben und auf seine Bedürfnisse und Befindlichkeiten liebevoll zu achten, egal was die Umwelt dazu sagt.

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s